Stell Dir folgende Situation vor: Du entdeckst ein attraktives Trading-Setup, platzierst Deine Einstiegs-Order und danach eine Stop-Order, vielleicht auch eine Target-Order. Der Trade wird eingebucht. Jetzt heißt es abwarten.

Dann kommt die Benachrichtigung: Dein Stop wurde ausgelöst. Der tatsächliche Verlust ist höher als der Betrag, den Du bei der Ordereingabe berechnet hast. Wie konnte das passieren? Eine mögliche Ursache ist SlippageSlippage ist die Abweichung zwischen dem erwarteten und dem tatsächlich erzielten Ausführungskurs einer Order. Gebühren sind davon getrennte Handelskosten.. Dieser Artikel zeigt Dir, wann sie entsteht und wie Du das Risiko bei der Orderwahl berücksichtigen kannst.

Das Wichtigste vorweg

Ein Stop-Preis ist bei einer üblichen Stop-Market-Order ein Auslöser, keine Preisgarantie. Eine Limit-Order setzt eine Preisgrenze, kann aber unausgeführt bleiben. Slippage kann auch zu Deinen Gunsten ausfallen.

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Was ist Slippage?

Slippage beschreibt die Differenz zwischen dem erwarteten Ausführungspreis einer Order und dem tatsächlich erhaltenen Kurs. Du klickst „Kaufen“ oder „Verkaufen“, doch der Kurs der Ausführung weicht von dem ab, mit dem Du gerechnet hast. Bei einem Kauf zu 101 statt zu erwarteten 100 Euro ist die Abweichung ungünstig; bei 99 Euro wäre sie günstig. Bei einem Verkauf kehrt sich die Bewertung um.

Die Abweichung kann bei Market-Orders und ausgelösten Stop-Market-Orders auftreten. Ein angezeigter Kurs ist keine Zusage für die nächste Order. Ein breiter Spread oder Gebühren beeinflussen Dein Ergebnis ebenfalls, sind aber nicht dieselbe Abweichung zwischen erwartetem und tatsächlichem Ausführungskurs.

Ausführung im Vordergrund

Market-OrderEine Market-Order sucht Ausführung zum nächsten verfügbaren Marktpreis. Der endgültige Kurs kann vom zuletzt gesehenen Kurs abweichen.

Du beauftragst den Kauf oder Verkauf zum nächsten verfügbaren Kurs. Bei wenig Gegenseite kann die Order mehrere Preisstufen erreichen; einen festen Preis gibst Du nicht vor.

Preisgrenze im Vordergrund

Limit-OrderEine Kauf-Limit-Order wird nur zum Limitkurs oder günstiger ausgeführt, eine Verkauf-Limit-Order nur zum Limitkurs oder höher. Eine Ausführung ist nicht garantiert.

Du legst fest, zu welchem Kurs Du höchstens kaufen oder mindestens verkaufen willst. Der Kurs kann für Dich besser sein; die Order kann aber auch offen bleiben.

Auslöser vor Ausführung

Stop-OrderEine übliche Stop-Market-Order wird nach Erreichen des Stop-Preises als Market-Order aktiv. Der Stop-Preis ist kein garantierter Ausführungskurs.

Ein Stop kann eine Position absichern oder einen Einstieg auslösen. Beim üblichen Stop-Market-Auftrag wird nach der Auslösung eine Market-Order aktiv. Ein Stop-Limit aktiviert dagegen ein Limit und kann unausgeführt bleiben.

Welche Stop-Variante und welche Auslösebedingungen Dein Broker anbietet, steht in seinen Orderregeln. FINRA beschreibt die Orderarten und ihre unterschiedlichen Risiken.

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Wann tritt Slippage auf?

Slippage wird wahrscheinlicher, wenn Kurse schnell schwanken oder wenig Aufträge auf der Gegenseite bereitstehen. Treffen viele Market-Orders oder ausgelöste Stops gleichzeitig auf begrenzte Liquidität, können sie mehrere Preisstufen im Orderbuch durchlaufen. Dieser schnelle Zugriff auf verfügbare Orders wird oft als Sweep bezeichnet. Hohe VolatilitätVolatilität beschreibt, wie stark der Preis eines Marktes oder Wertpapiers in einem bestimmten Zeitraum schwankt. Sie misst die Schwankung, nicht die Richtung einer Kursbewegung. und geringe MarktliquiditätMarktliquidität beschreibt, wie gut ein Instrument gehandelt werden kann, ohne dass eine einzelne Order seinen Preis stark verändert. können das verstärken.

Vier Situationen aus der Trading-Praxis machen das Risiko greifbar:

  • Ausgelöste Stop-Orders: Nach dem Trigger sucht die übliche Stop-Market-Order den nächsten verfügbaren Kurs. Bei schnellen Bewegungen kann der Fill deutlich vom Stop-Preis abweichen.
  • News-Events: Zentralbankentscheidungen oder Wirtschaftsdaten können viele Orders gleichzeitig auslösen. Richtung und Ausmaß der Bewegung stehen vorher nicht fest.
  • Breakouts und Stop-Runs: An markanten Hochs oder Tiefs können sich Orders häufen. Wird das Niveau gehandelt, kann der Markt mehrere Preisstufen rasch durchlaufen.
  • Große Limit-Orders: Wird sichtbare Liquidität auf einer Preisstufe aufgebraucht, trifft nachfolgendes Ordervolumen womöglich erst auf die nächste Stufe.

Ein GapEin Gap ist eine Kurslücke zwischen zwei aufeinanderfolgenden gehandelten Kursbereichen im Chart. ist eine sichtbare Kurslücke im Chart. Liegt Dein Stop in der übersprungenen Zone, kann der nächste verfügbare Ausführungskurs jenseits des Stops liegen. Ein Gap kann Slippage auslösen; Slippage kann auch ohne Gap entstehen.

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Wie kannst Du das Risiko begrenzen?

Technische Orderwahl und strategische Vorbereitung können helfen, unerwünschte Kursabweichungen zu begrenzen. Vollständig ausschließen lässt sich Slippage damit nicht.

  1. Limit beim Einstieg prüfen: Ein Limit verhindert bei Ausführung einen schlechteren Kurs als Deine Preisgrenze. Erreicht der Markt das Limit nicht, findet kein Einstieg statt. Bei einem schützenden Stop-Limit kann eine offene Position das größere Risiko sein.
  2. Liquidität beachten: Schau auf Spread, Handelszeit und verfügbare Gegenseite. Auch große, normalerweise liquide Märkte können nach Nachrichten oder außerhalb der Hauptzeiten vorübergehend dünn werden.
  3. Markante Kursniveaus einordnen: Tages- und Wochentiefs, Hochs oder Zonen mit vielen vermuteten Stops können schnelle Bewegungen begleiten. Du kannst solche Bereiche beobachten, aber weder die Bewegung noch Deinen Fill zuverlässig vorhersagen.
  4. Nachrichtenkalender nutzen: Geplante Veröffentlichungen sind bekannt; ihre Marktreaktion ist es nicht. Entscheide vorab, ob und mit welcher Positionsgröße Du in dieser Phase handeln willst.

Platziere einen Stop nicht allein deshalb anders, weil Du dort weniger fremde Orders vermutest. Sein Niveau muss zur Handelsidee und zu einem tragbaren Risiko passen. Ein Stop-Market-Auftrag ist kein fester Verlustdeckel.

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Was bedeutet das für Deinen Verlustplan?

Du kaufst 100 Stück zu 105 Euro und setzt einen Stop bei 100 Euro. Der geplante Kursverlust beträgt 500 Euro, zuzüglich Kosten. Nach einer Nachricht eröffnet der Markt bei 98 Euro; dort wird die ausgelöste Stop-Market-Order ausgeführt. Der Kursverlust beträgt nun 700 Euro. 200 Euro davon sind die zusätzliche Abweichung gegenüber dem Stop-Plan. Das ist ein Rechenbeispiel, keine typische Ausführung.

Einstieg105 €
Stop-Plan100 €
Tatsächlicher Verkauf98 €
Zusätzliche Kursabweichung2 € × 100 = 200 €

Bei Futures, Optionen und gehebelten Produkten spielen zusätzlich Kontraktwert und produktspezifische Risiken eine Rolle. Der Positionsgrößen-Rechner hilft, den geplanten Abstand und die Positionsgröße zu prüfen; eine ungünstigere tatsächliche Ausführung kann er nicht ausschließen.

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Slippage akzeptieren oder vermeiden?

Slippage gehört zu den Risiken der Orderausführung. Du kannst zwischen Ausführungswahrscheinlichkeit und Preisgrenze abwägen, liquide Handelszeiten bevorzugen und geplante Nachrichten berücksichtigen. Eine feste Zusage über den tatsächlichen Fill gibt Dir das nicht.

Halte bei Deinen Trades den erwarteten Kurs, den tatsächlichen Fill und die Marktbedingungen fest. So kannst Du erkennen, ob Deine Annahmen zur Ausführung zu optimistisch waren. Plane die Positionsgröße so, dass auch eine ungünstigere Ausführung tragbar bleibt.

Risiko vor dem Klick prüfen
Wie viel Position passt zu Deinem Stop?
Der Rechner zeigt Dir die geplante Positionsgröße zum gewählten Stop-Abstand. Bedenke zusätzlich, was eine schlechtere Ausführung für Dein Konto bedeuten würde.
Positionsgröße berechnen
Häufige Fragen
Ist Slippage immer ein Verlust?

Nein. Der Kurs kann für Deine Order günstiger oder ungünstiger ausfallen. Die Richtung hängt von Kauf oder Verkauf und der Marktbewegung ab.

Verhindert eine Limit-Order Slippage vollständig?

Sie verhindert bei Ausführung einen schlechteren Kurs als Dein Limit. Sie garantiert aber keine Ausführung; eine offene Position oder ein verpasster Einstieg kann das größere Risiko sein.

Ist ein Gap dasselbe wie Slippage?

Nein. Das Gap beschreibt eine Kurslücke im Chart. Slippage beschreibt die Abweichung zwischen erwartetem und tatsächlichem Ausführungskurs. Ein Gap kann zu Slippage führen.

Garantiert ein Stop meinen maximalen Verlust?

Ein üblicher Stop-Market-Auftrag garantiert den Ausstieg zum Stop-Preis nicht. Besonders bei schnellen Märkten oder Kurslücken kann der tatsächliche Kurs davon abweichen.

Simon Reichert
Simon Reichert
TradeNeon
Simon Reichert begleitet Marktanalysen und Trading-Ausbildung bei TradeNeon.