Trading-Systeme für Aktien Regeln, Backtests und Umsetzung
Oliver Sparing
Gründer & Head of Trading · TradeNeon
Oktober 2026 · 8 Min. Lesezeit
Welche Aktien kommen infrage? Wann steigst Du ein, wie groß wird eine Position und wann schließt Du sie wieder? Eine Aktienstrategie gibt diesen Entscheidungen einen festen Rahmen. Software kann Dir die Vorarbeit abnehmen: Du prüfst die vorbereiteten Trades und gibst sie selbst frei.
Zur Beurteilung eines Trading-Systems gehören sein Regelwerk, die Testgrundlage und der Ablauf der Umsetzung.Bild: TradeNeon · KI-generiertes Symbolbild.
Trading-Systeme beurteilen
Regelwerk, Testgrundlage und Umsetzung am Beispiel des Equity Growth System.
Dafür musst Du nicht selbst programmieren oder ein System von Grund auf entwickeln. Am Equity Growth System für US-Aktien zeigen wir, wie Du einen bestehenden Ansatz nutzen kannst, wie die Freigabe im Alltag abläuft und worauf Du bei seinen Backtests achten solltest.
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Welche Entscheidungen das Regelwerk festlegt
Eine regelbasierte Strategie beschreibt, unter welchen Bedingungen gehandelt wird. Dazu gehören das Aktienuniversum, die Kriterien für Ein- und Ausstieg sowie die Regeln zur Positionsgröße. Das Aktienuniversum legt fest, welche Werte überhaupt für einen Trade berücksichtigt werden.
Bei einer indexbasierten Aktienstrategie ist auch die historische Zusammensetzung dieses Universums entscheidend: Welche Aktien gehörten zum Zeitpunkt eines damaligen Handelssignals tatsächlich zum betreffenden Index? Diese zeitliche Zuordnung gehört zu einem sauber aufgebauten Backtest.
Für die Nutzung eines Systems brauchst Du außerdem Angaben zum Handelsablauf: Wie lange werden Positionen typischerweise gehalten? Wie viele können gleichzeitig offen sein? Wann musst Du selbst tätig werden? Diese Informationen helfen Dir, den Aufwand und die Risiken des Ansatzes einzuordnen.
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Selbst entwickeln oder ein bestehendes System nutzen
Bei der eigenen Entwicklung legst Du das Regelwerk fest, beschaffst und prüfst die historischen Daten und untersuchst, wie sich die Regeln im Backtest verhalten. Für die praktische Umsetzung kommt hinzu, wie aus einer vorgesehenen Position eine Order auf Deinem BrokerkontoBroker ist die englische Bezeichnung für einen Wertpapierhändler, der im Auftrag eines Kunden Geschäfte an der Börse ausführt. wird.
Bei einem bestehenden System wurde diese Entwicklungsarbeit bereits geleistet. Bevor Du es nutzt, solltest Du nachvollziehen können, wie es geprüft wurde und welche Aufgaben im täglichen Handel bei Dir bleiben. Beim EGS bereitet die Software die Trades vor; Du prüfst sie und gibst sie selbst frei.
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Worauf es bei Backtests ankommt
Zur Beurteilung einer Aktienstrategie gehört, wie ihre Ergebnisse entstanden sind. Zwei wichtige Kriterien sind die historische Aktienauswahl und die Stabilität des Regelwerks bei veränderten Parametern.
Historische Indexzusammensetzung und Survivorship Bias
Wer eine heutige Indexliste für einen Backtest über viele Jahre verwendet, kann das Ergebnis verzerren. Inzwischen ausgeschiedene Unternehmen fehlen, während später aufgenommene Werte rückwirkend zu früh berücksichtigt werden. Werden nur die verbliebenen Unternehmen betrachtet, spricht man von Survivorship Bias. So kann eine Kapitalkurve günstiger aussehen, als sie mit der damaligen Aktienauswahl ausgefallen wäre. Diesen Fehler erläutert auch der Research Guide von QuantConnect.
Beim Equity Growth System berücksichtigen wir in unseren Backtests ausschließlich Aktien, die zum Zeitpunkt des jeweiligen Signals tatsächlich Teil des Index waren, auf den sich die Strategie bezieht. Entscheidend ist also die damalige Indexzugehörigkeit.
Wenige Parameter und Prüfung auf Curve Fitting
Curve Fitting bedeutet, ein Regelwerk so stark an historische Daten anzupassen, dass es auch deren Zufälligkeiten abbildet. Ein sinnvoller Robustheitstest untersucht deshalb, wie sich die Ergebnisse bei anderen Parametereinstellungen verändern. Die Bedeutung solcher Prüfungen behandelt etwa das IBKR-Campus-Webinar zu Backtests.
Beim EGS setzen wir auf robuste Aktienstrategien mit wenigen Parametern. Auch bei deutlichen Änderungen einzelner Parameter wären sie in den historischen Tests profitabel geblieben. Das ist ein wichtiges Merkmal unseres Ansatzes: Seine Ergebnisse hängen nicht von einem einzigen fein abgestimmten Parametersatz ab.
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Welche Vorarbeit das Equity Growth System übernimmt
Lab of Trades → TitanEquity Growth System
Das Equity Growth System ist ein regelbasierter Ansatz für das Swingtrading mit Aktien. Die Regelwerke werden intern berechnet. Die daraus entstehenden Trades kannst Du über Lab of Trades auf Deinem eigenen Brokerkonto umsetzen. Du findest das Equity Growth System dort im Aktienmodul Titan.
Die Entwicklungsarbeit für diese Systeme hat das Team von TradeNeon übernommen. Aus den Regelwerken entstehen vorbereitete Trades, die Du prüfen und eigenständig umsetzen kannst. In der Software siehst Du das Musterdepot mit den Positionen und den anstehenden Änderungen.
Positionen werden typischerweise ein bis zehn Handelstage gehalten. Es handelt sich damit um Swingtrading mit Positionen über Nacht. KurslückenWenn der Schlusskurs einer Chartkerze sowie der Eröffnungskurs der jeweils nächsten Kerze unterschiedliche Preise aufzuweisen haben, dann entsteht zwischen diesen eine Kurslücke. nach Nachrichten außerhalb der Handelszeit gehören zu den Risiken dieses Ansatzes.
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Wie die Freigabe vor der US-Markteröffnung abläuft
Für die Umsetzung benötigst Du ein Broker-Konto mit freigeschaltetem US-Aktienhandel und der Trader Workstation, kurz TWS. Dazu kommt Lab of Trades auf Deinem Windows-Rechner, Mac oder Linux-System.
Die Trades stehen bereits vor der US-Markteröffnung bereit. Du prüfst sie, gibst jeden Trade selbst manuell frei und übermittelst die Orders aus Lab of Trades an Deine TWS. Der vorgesehene Einstieg erfolgt anschließend zur Markteröffnung.
Du kannst die Freigabe also vorher erledigen und musst nicht genau zum Börsenstart vor dem Bildschirm sitzen. Halbautomatisiert bedeutet hier, dass die Software Trades vorbereitet und Deine Freigabe für jeden Trade erforderlich bleibt.
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Wie Du Backtests und Echtgeldhandel des EGS einordnest
Unser Team handelt die Systeme in ihrer heutigen Form bereits seit vielen Jahren auf eigenen Echtgeldkonten. Diese praktische Erfahrung ergänzt die historischen Tests und die Prüfung der Regelwerke.
Die auf der EGS-Produktseite gezeigten Kurven sind als historische Backtests seit dem Jahr 2000 ausgewiesen. Dafür werden die Regelwerke auf historische Kursdaten angewendet; die allgemeinen IB-Handelsgebühren sind berücksichtigt.
Die Kapitalkurve zeigt die simulierte Entwicklung. Darunter steht der Drawdown: der Rückgang vom jeweils zuvor erreichten Höchststand. Gemeinsam zeigen beide, wie sich das Kapital im Test entwickelt hat und welche Rückschläge dabei aufgetreten sind. Der bisher größte Drawdown ist keine Grenze für künftige Verluste.
In der folgenden Darstellung kannst Du zwischen den Größen S, M und L wechseln und unterschiedliche Ausschnitte des Testzeitraums ansehen. Die zugehörigen Hinweise erläutern die Grundlage der Berechnung.
Vergangene Ergebnisse aus Backtests und Echtgeldhandel sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.
Lab of Trades / Titan / Equity Growth System
EGS-Backtests
Daten werden von der EGS-Produktseite geladen.
–
Kurze Zeiträume zeigen nur einen Ausschnitt.
Sharpe Ratio
Ø Rendite p. a.
Max. Drawdown
Backtest · hypothetische Werte, kein realer Handel
Was die Größen des Equity Growth System unterscheidet
Mit einer größeren Stufe kommen weitere Systeme und Aktien hinzu. Die Größen unterscheiden sich damit auch in den zugrundeliegenden Regelwerken.
Größe
Enthaltene Systeme
Maximal gleichzeitig offene Positionen
S
Ein System für Aktien aus dem S&P 100
3
M
Alles aus S und ein weiteres System für Aktien aus dem S&P 500
8
L
Alles aus S und M sowie ein drittes System für Aktien aus dem Nasdaq 100
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Für den Vergleich sind neben den Backtests auch die enthaltenen Strategien und die Zahl möglicher offener Positionen relevant. Ein größeres Paket bedeutet nicht automatisch einen kleineren Rücksetzer.
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Eigene Strategien ergänzen
Wenn Du bereits eigene Strategien handelst, kannst Du einen weiteren systematischen Ansatz als Ergänzung prüfen. Das gilt ebenso für ein langfristiges Depot, das Du um einen aktiven Baustein erweitern möchtest. Der praktische Vorteil eines bestehenden Handelssystems ist, dass Du die Entwicklung dieses zusätzlichen Ansatzes nicht selbst übernehmen musst.
Dabei bleiben die EGS-Systeme US-Aktienstrategien. Wie viel zusätzliche DiversifikationAls Diversifikation bezeichnet man die Streuung bzw. Aufteilung des Vermögens auf verschiedene Anlageformen, Branchen oder Wirtschaftsräume. sie bringen, hängt davon ab, was Du bereits handelst und wie sich die Ansätze gemeinsam verhalten. Mehr Systeme bedeuten nicht automatisch weniger Gesamtrisiko.
Auf der Seite zum Equity Growth System findest Du die Größen, vollständigen Backtests, Voraussetzungen und Abopreise. In seinem Video zum Equity Growth System stellt Oliver den Ablauf und den Vergleich der Größen vor.
Zum Kennenlernen der Software kannst Du Lab of Trades im Free Plan nutzen, etwa Smart Entry Equity am Montag. Das Equity Growth System selbst ist ein separates, kostenpflichtiges Abo.
Swingtrading
Oliver Sparing
Gründer & Head of Trading · TradeNeon
Oliver Sparing handelt seit 2011 aktiv an den Finanzmärkten. Seine beruflichen Wurzeln liegen im Edelmetallhandel in Hamburg; 2017 lernte er an einem Londoner Trading Floor. Bei TradeNeon leitet er die Daytrading- und die Swingtrading-Ausbildung und verantwortet die fachliche Entwicklung der Trading-Methodik, mit Schwerpunkt auf Orderflow, Marktstruktur und fundamentalen Marktdaten. Daraus sind Level of Interest, Futures Insights und Lab of Trades entstanden. Plattformen wie ATAS, Bookmap und WH SelfInvest laden ihn regelmäßig als Gast ein. Alle Auftritte
Oliver Sparing im Interview: Orderflow und Swingtrading
Marnie Aramruck
Gründerin & Head of Brand & Psychology · TradeNeon
Interview vom 29. März 2026 · Video 87 Min.
Wissen und Fleiß schlagen Talent. Oliver Sparing spricht über seinen Weg ins Trading – und darüber, wie er Marktanalyse, Orderflow und Risikomanagement verbindet.
Ein langes Gespräch über einen Weg ins Trading, ohne Abkürzungen.Bild: TradeNeon
Der Plan steht vor dem Trade.
Das Level kommt aus der Marktanalyse. Ob der Markt dort reagiert, zeigt das Orderbuch.
Oliver beginnt mit der Marktanalyse und prüft mögliche Einstiege anschließend im Orderbuch. Im Swingtrading kombiniert er mehrere Strategien. CoT-Daten und Saisonalität liefern dafür Orientierung; den Einstieg bestimmt das Setup, die Positionsgröße das Risikomanagement.
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Das Video
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Kapitel im Video 27
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Video: Insider TradingWeitere Videos von TradeNeon findest Du auf unserem YouTube-Kanal.
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Olivers Weg zum Trading
Oliver kommt aus dem Rohstoffbereich. Wie er im Interview erzählt, beschäftigt er sich um 2010 und 2011 mit der Börse; beruflich handelt er damals mit physischen Anlagemetallen wie Münzen und Barren, nicht an der Börse.
Sein erstes CFD-Konto verliert er am ersten Abend, und das wird zum Anlass, die Börse von Grund auf zu lernen. Danach folgen Swingtrading und der Optionshandel, die erste Disziplin, in der es für ihn aufging. Später kommen das Daytrading sowie der Orderbuch- und der Orderflow-Handel hinzu, zum Zeitpunkt des Interviews seine Steckenpferde. Daneben handelt er weiter Optionen, auch Zero-DTE-Optionen, außerdem Futures, Rohstoffe und Aktien.
Das Handwerk im Daytrading hat er an einem Trading Floor in London gelernt. Ein Trading-Naturtalent war Oliver nicht: Vieles musste er sich hart erarbeiten, und es dauerte lange, bis er profitabel wurde. Weil er ein emotionaler Mensch ist, passt er Positionen und Risiko an seinen Charakter an.
Sein Einstieg über CFDs ist für Oliver auch ein Beispiel dafür, wie stark der erste Kontakt zur Börse von Werbung und persönlichen Begegnungen geprägt sein kann. Später konzentriert er sich auf börsengehandelte Aktien, Futures und Optionen. Er beschreibt damit seinen eigenen Lernweg; daraus lässt sich keine pauschale Bewertung heutiger Broker ableiten.
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Wo ein Trade infrage kommt
Der Tag im Orderflow-Daytrading beginnt mit einer umfangreichen Marktanalyse. Wichtig ist zu verstehen, welche Setups man handelt, und mindestens genauso, wo man sie handelt. Dafür wertet Oliver jeden Morgen mehrere Datenquellen aus: Daten aus Dark Pools, die SPANEin Risikoverfahren zur Berechnung von Margin-Anforderungen anhand verschiedener Markt- und Portfolio-Szenarien. Es weist keine institutionellen Kauf- oder Verkaufsabsichten aus.-Daten der CME, Optionsdaten und Dealer-Hedging-Daten, dazu die Liquidität im Orderbuch sowie Volume Profiles und Market Profiles. SPAN dient der Margin-Berechnung. Daraus abgeleitete Preiszonen sind Teil seiner Analyse, kein direkter Nachweis institutioneller Positionen.
Aus der Kombination entstehen Zonen, in denen institutionelles Interesse liegen dürfte. Daraus ergibt sich der Plan für den Tag: wo Trades infrage kommen, wo nicht (mindestens genauso wichtig) und in welche Richtung. „Marktanalyse ist das A und O. Du willst niemals irgendwo im Nirgendwo traden“, sagt Oliver Sparing. Die Analyse macht er weiterhin von Hand. Die Software von TradeNeon ist eine Spiegelung davon: Sie bringt die Levels in die Charts verschiedener Plattformen.
Dealer Hedging
Im Mittelpunkt steht das Dealer HedgingAbsicherung der Risiken eines Händlerportfolios, beispielsweise durch Futures oder Aktien. Die erforderliche Anpassung hängt von der Nettoposition und ihrer Sensitivität ab.. Market MakerMarktteilnehmer, die Kauf- und Verkaufskurse stellen. Dabei tragen sie unter anderem Bestands- und Kursrisiken, die sie steuern oder absichern. stellen Kauf- und Verkaufskurse und übernehmen dabei Positionsrisiken. Sie können das Kursrisiko ihres Optionsportfolios beispielsweise mit Futures oder Aktien absichern. Verändert sich dessen Delta, kann eine Anpassung dieser Absicherung nötig werden. Entscheidend ist die Nettoposition des Portfolios, nicht jeder einzelne Optionstrade für sich. Modelle können mögliche Hedging-Flüsse abschätzen; sie hängen aber von den verfügbaren Daten und Annahmen über die Positionierung ab. Daraus folgt kein sicherer Kauf- oder Verkaufszwang an einer bestimmten Marke.
CoT-Daten nutzt Oliver für den mittel- bis längerfristigen Blick. Die Berichte erscheinen in der Regel freitags mit dem Stand vom Dienstag und sind keine Echtzeitdaten für einen Intraday-Einstieg. Dealer-Hedging-Modelle nutzt er dagegen zur Vorbereitung des Handelstags. Auch diese Zonen bleiben Arbeitshypothesen: Ob eine Reaktion entsteht, muss er am Level prüfen. Ein Preislevel allein reicht ihm deshalb nicht für eine Limit-Order. Der Stop muss zum Setup und zur Volatilität passen; bei schnellen Bewegungen kann die Ausführung vom vorgesehenen Preis abweichen.
Onlinekurs Dealer Hedging
Dealer Hedging von Grund auf verstehen
Lerne Optionen, Griechen und die Berechnung möglicher Hedging-Bereiche kennen. Der Kurs behandelt Beispiele aus dem Options-, Aktien- und Futureshandel.
Kommt der Markt an ein vorher definiertes Level, schaut Oliver ins Orderbuch. Heatmap und klassisches Orderbuch haben beide ihren Nutzen; er arbeitet viel mit der HeatmapDie Heatmap zeigt das Orderbuch über die Zeit: wo Limit-Orders lagen und wie groß sie waren. und kombiniert beide Darstellungen. Beobachtet wird, wie sich Liquidität verschiebt, wo Orders gefillt werden, wo neue hereinkommen, wo rebalanciert wird und wie sich das Delta verändert. Das Orderbuch soll den Plan bestätigen, der vorher gemacht wurde.
Was Oliver im Orderbuch sieht, muss er interpretieren. Sein Ziel ist ein wiederholbares Setup, dessen Ergebnisse sich auswerten lassen. Ein früher Einstieg und das Warten auf zusätzliche Bestätigung haben unterschiedliche Folgen für Einstiegspreis, Stop-Abstand und Chance-Risiko-Verhältnis. Welche Variante für seinen Ansatz tragfähig ist, prüft er anhand der Statistik. Eine günstige historische Auswertung ist dabei noch kein Beleg dafür, dass ein Vorteil künftig bestehen bleibt.
Oliver sieht in KI eine Möglichkeit, Teile solcher Strategien algorithmisch umzusetzen. Zugleich hält er den menschlichen Interpretationsspielraum im diskretionären Daytrading für relevant. Das ist seine Einschätzung; ob daraus ein Vorteil entsteht, muss sich für den jeweiligen Ansatz erst zeigen.
Die fünf Faktoren im Orderflow
Passive Marktteilnehmer Wie verändern sich Limit-Orders, wo werden sie ausgeführt oder zurückgezogen? Eine Löschung allein belegt noch kein SpoofingOrders, die bereits mit der Absicht eingestellt werden, sie vor der Ausführung zu stornieren. Nicht jede zurückgezogene Order ist Spoofing; die Absicht lässt sich aus der Heatmap allein nicht sicher feststellen..
Aktive Marktteilnehmer Wer bewegt den Markt mit Market Orders, und gibt es einen Shift im Delta?
Markt- und Auktionsgeschwindigkeit Das lässt sich im klassischen Orderbuch besser beobachten. Fängt der Markt an zu „zappeln“?
Orderflow-EventsAbsorptionGroße Mengen aggressiver Orders werden von Limit-Orders aufgenommen, ohne dass der Kurs weiterläuft., Stoprun, Exhaustion, Sweeps.
Price Action In der Mikrostruktur ist sie mindestens so relevant wie auf einem Tages- oder Monatschart.
Entscheidend ist, dass diese Vorgänge an Preiszonen stattfinden, die seine Analyse als möglicherweise relevant eingeordnet hat. Nur ein kleiner Teil dessen, was im Markt ständig passiert, ist nutzbar. Gerade Einsteiger sehen nach den ersten Konzepten wie Absorption oder Eisbergorders hinter jeder Ecke eine Gelegenheit.
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Am Level zählt die Reaktion
Oliver konzentriert sich im Interview auf die US-Session und vor allem auf die ersten ein bis zwei Stunden nach der Eröffnung in New York. Die letzten beiden Handelsstunden hat er früher häufiger gehandelt. Seit seinem Umzug nach Dubai nutzt er diese späte Phase nach eigener Aussage allenfalls noch für statistische Zero-DTE-Trades, nicht mehr für sein klassisches Daytrading. Sein Schwerpunkt liegt auf dem ES-Future, dem E-mini S&P-500-Future; früher handelte er auch Gold- und Erdöl-Futures. Für den ES stehen ihm die meisten Daten für seine Analyse zur Verfügung.
Zuerst schaut er auf sein Bild vom Markt: Stunden- und Vier-Stunden-Chart, in welcher übergeordneten Marktphase der Markt steht, wie er auf seine Levels reagiert hat. Dann legt er sich einen Plan zurecht und stellt einen Alarm auf das nächste relevante Preislevel. Ein häufiger Anfängerfehler ist es, davor zu sitzen und sich verrückt zu machen, weil man hinter jeder Ecke eine Gelegenheit sieht. Er wartet geduldig, bis der Markt an die Zone kommt, und beobachtet dann das Orderbuch.
Dafür nutzt er einen klassischen Candlestick-Chart auf 5 Minuten, „ein guter alter 5-Minuten-Chart“. Ein 1-Minuten- oder 15-Minuten-Chart ist genauso in Ordnung. Dazu kommen ein Market Profile und ein Volume Profile, um Auktionsverfahren und Marktstruktur nachzuvollziehen. In der Praxis arbeitet er mit einer Kombination aus Bookmap und TradingView. Für Orderbuchdaten braucht man Live-Marktdaten der Börse und eine Software wie Bookmap oder Quantower, in Kombination mit einem Datenfeed.
Um wichtige Nachrichtentermine macht Oliver einen Bogen. Er beschreibt, wie vor US-Wirtschaftsdaten sichtbare Liquidität aus der Heatmap verschwinden und nach der Veröffentlichung zurückkehren kann. Er wartet, bis sich die Bedingungen für seinen Ansatz wieder beruhigt haben. Eine feste Minutenzahl macht den Markt nicht verlässlich handelbar. Sein kurzfristiger Fokus liegt auf Marktmechanik und Orderflow; überraschende Wirtschafts- und Politiknachrichten können trotzdem Preis und Ausführung beeinflussen.
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Im Swingtrading zählt das Portfolio
Aus Olivers Sicht verlangt Orderflow-Daytrading viel Einarbeitung und Erfahrung. Die eigene Statistik hilft ihm, Vertrauen in einen Ansatz aufzubauen; sie beseitigt die Unsicherheit künftiger Ergebnisse nicht. Swingtrading erlebt er häufig als ruhiger und leichter vermittelbar. Wer sich für Daytrading entscheidet, sollte aus seiner Sicht großes Interesse an den Märkten mitbringen und die psychische Belastung ernst nehmen. Das Motto „Trade like a Machine“ passt nicht zu ihm: Menschen haben Emotionen und müssen lernen, damit umzugehen. Wenn er merkt, dass er emotionaler reagiert, verzichtet er in dieser Phase auf Daytrading.
Mehrere Strategien statt einer
Oliver baut sein Trading-Portfolio wie ein langfristiges Aktienportfolio auf: mit Diversifikation, also mit mehreren, möglichst wenig miteinander korrelierenden Strategien. Wer sich nur auf eine verlässt, kann über längere Zeit eine schlechte Phase erleben. Das hat er selbst bei klassischen Einkommensstrategien mit Optionen auf den ES-Future und den SPX gesehen. Für den Anfang ist es dagegen wichtig, zuerst eine Strategie richtig zu lernen und sich erst danach breiter aufzustellen. Im Swingtrading arbeitet er mit vier Bausteinen.
Rohstoffhandel mit CoT-Daten Als theoretisches Fundament dienen CoT-Daten, saisonale Muster und Terminstruktur, kombiniert mit einem markttechnisch logischen Setup.
Strategie im 4-Stunden-Chart Sie kombiniert Marktstruktur und Auktionslogik mit Fibonacci Retracements.
Drei Aktienstrategien Eigene Indikatoren filtern Aktien nach verschiedenen Kriterien vor. Danach steigt er im Momentum oder bei Rücksetzern ein.
Optionsstrategien Als vierter Baustein kommen Optionsstrategien hinzu.
Swingtrading ist sein „Brot und Butter“. Wie sich Day- und Swingtrading bei Kunden verteilen, schwankt: Mal gibt es mehr Interesse an dem einen, mal an dem anderen. Manche ergänzen nach einer Zeit das Daytrading, andere merken im Daytrading, dass es sie zu sehr stresst, und wechseln ins Swingtrading.
CoT-Daten und eigene Indikatoren
Im Rohstoffbereich nutzt Oliver CoT-Daten als Basisfilter. Er beschreibt eigene Indikatoren, die neben der Positionierung auch das Open InterestDie Zahl aller offenen Kontrakte in einem Future-Markt., die Zahl der gemeldeten Händler und den Preis berücksichtigen. Dabei ist die Datenbasis zu unterscheiden: Der Disaggregated CoT Report führt Produzenten, Händler, Verarbeiter und Nutzer eines Rohstoffs in einer gemeinsamen Gruppe. Separate Long- und Short-Positionen dieser Gruppe weisen deshalb nicht automatisch Produzenten und Weiterverarbeiter getrennt aus.
Dry PowderTradeNeon-Indikator auf Basis von Open Interest und Trader-Anzahl zur Einordnung des Positionierungsspielraums. nutzt laut TradeNeons Produktbeschreibung Open Interest und Trader-Anzahl. OBOS setzt die aktuelle Positionierung ins Verhältnis zum offenen Interesse und zu den Extremwerten der Vorjahre. Beide betrachten die Positionierung aus unterschiedlichen Perspektiven; die vereinfachte Gleichsetzung von Dry Powder mit einer absoluten Nettoposition greift zu kurz.
Für Oliver ersetzt diese Ausgangslage noch keinen Einstieg. Bei seinem Ansatz wartet er auf ein passendes Setup, bevor er sich gegen einen vorherrschenden Trend positioniert. Er beschreibt einen markanten Volumenberg im Volume Profile und den ersten Ausbruch daraus gegen die bisherige Trendrichtung. Die CoT-Analyse soll ihm helfen, das mögliche Potenzial einer Bewegung einzuordnen. Ob und wann daraus ein Trade wird, entscheidet erst das Zusammenspiel mit dem Chart. Wie die Daten grundsätzlich funktionieren, steht ausführlich im Video-Artikel zum ATAS-Webinar.
Bei der Auswahl der Händlergruppen verweist Oliver auf interne Auswertungen, in denen die Positionierung spekulativer Großanleger besonders eng mit dem Preis zusammenhing. Die vollständigen Testdaten und die Methodik liegen diesem Artikel nicht zur unabhängigen Prüfung vor; die Aussage bleibt als sein Erfahrungsbericht eingeordnet. Eine Korrelation allein belegt weder Prognosekraft noch einen handelbaren Vorteil. Managed MoneySpekulative Großanleger im disaggregated CoT-Report, etwa Hedgefonds. ist eine Gruppe im Disaggregated CoT Report und nicht deckungsgleich mit allen Non-Commercials im älteren Berichtsformat. Auch bei Commercials lässt die Gruppenzuordnung nicht erkennen, welchem Zweck jede einzelne Position dient.
Saisonalität
Für seine saisonale Analyse betrachtet Oliver nach eigener Aussage zehn Jahre und verwendet bei Futures adjustierte Kursreihen, damit Preisunterschiede beim Wechsel des Kontrakts das Muster nicht als scheinbare Marktbewegung verzerren. Diese Back-AdjustierungKurse alter Kontrakte werden um die Rollsprünge bereinigt, damit ein durchgehender Chart entsteht. ersetzt noch keinen realistischen Strategietest mit den tatsächlich gehandelten Kontrakten, Rollvorgängen und Kosten.
Er prüft die Muster am Jahresanfang für die relevanten Märkte. Besonders interessieren ihn Zeitfenster von ungefähr zehn Handelstagen bis zu einem Monat. Sein Auswahlfilter verlangt, dass der Markt in mindestens neun der vergangenen zehn Jahre in die betreffende Richtung gelaufen ist. Das beschreibt die beobachtete Vergangenheit, keine künftige Trefferwahrscheinlichkeit. Zudem bewertet er Muster marktspezifisch, weil sich die Schwankungen der Märkte unterscheiden.
Eine Saisonalität ist ein Fundamentalfaktor unter mehreren und ebenso wenig wie CoT-Daten ein reiner Einstiegsauslöser. Gesucht werden Einstiege, die auf Auktionslogik basieren, mit einem charttechnischen Einstieg. Zum Zeitpunkt des Interviews handelt Oliver auch mal gegen eine Saisonalität, wenn alles andere für ein Traumsetup spricht, was er vor einigen Jahren noch nicht getan hätte. Saisonalitäten spielen für Oliver im Rohstoffbereich eine geringere Rolle als vor einigen Jahren.
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Risiko gehört in den Plan
Oliver beschreibt seine Positionsgrößen als bewusst konservativ und seine Margin-Auslastung als begrenzt. Bei Aktienstrategien hält er auch mehrere Positionen parallel. Für die Risikobetrachtung zählt dabei neben dem einzelnen Trade das Gesamtrisiko: Ähnliche Positionen können gleichzeitig verlieren. Die hinterlegte Margin ist zudem keine Obergrenze des möglichen Verlusts.
„Ich denke, Trading ist ein Handwerk“, sagt Oliver Sparing. Er betont Lernbereitschaft, Erfahrung und die Arbeit am eigenen Vorgehen. Ob jemand später allein vom Trading leben möchte, ist für ihn eine eigene Frage. Er rät davon ab, sich zu früh ausschließlich darauf zu verlassen. Ein zweites Standbein ist völlig legitim; aus der Lernbarkeit des Handwerks folgt keine Zusage profitabler Ergebnisse.
Als Ausbilder macht ihm die Arbeit nach eigener Aussage Freude, weil er anderen weiterhelfen kann. Im Gespräch berichtet er auch, dass seine Coaches selbst seine Ausbildung durchlaufen haben.
Zum Schluss wirbt Oliver für Geduld: Der Lernweg kann lang sein, und Erfahrung braucht Zeit. Er empfiehlt, mit Freude dranzubleiben und zunächst möglichst lange im Demokonto zu üben. Trading hat für ihn viel mit Erfahrung und dem eigenen Charakter zu tun.
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Was Du aus dem Interview mitnehmen kannst
Der Ort kommt vor dem Setup. Zuerst legst Du in der Marktanalyse fest, wo institutionelles Interesse liegen dürfte. Ohne diesen Plan hat ein Trade keinen Bezugspunkt.
Das Orderbuch muss zum Plan passen. Am Level entscheidet nicht die Marke allein, sondern was im Orderbuch passiert.
Statistik hilft, ein Setup zu prüfen. Historische Ergebnisse schaffen eine Prüfgrundlage, nehmen Dir aber die Unsicherheit künftiger Trades nicht ab.
Daten wie CoT und Saisonalität sind ein Fundament. Sie geben eine Ausgangslage. Den Einstieg liefert das Setup im Chart.
„Was viele am Anfang ihrer Tradingkarriere nicht wahrhaben wollen, ist, dass wir als Trader in erster Linie Mathematiker und Statistiker sind.“
Oliver Sparing im Interview bei Insider Trading
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Über das Interview
Das Interview erschien am 29. März 2026 auf dem YouTube-Kanal Insider Trading. Dieser Artikel fasst Olivers Erfahrungen und Einschätzungen zusammen und ergänzt fachliche Einordnungen. Die Angaben zu seinem Handelsalltag beziehen sich auf das Gespräch. Seine persönlichen Ergebnisse und internen Auswertungen wurden hier nicht unabhängig verifiziert. Oliver ist auch bei anderen Partnern zu Gast; alle Auftritte findest Du auf unserer Seite Zu Gast bei.
Im Strategiegespräch schauen wir gemeinsam auf Deine Situation und ordnen ein, ob und wie die Daytrading-Ausbildung zu Deiner Zeit, Deinem Naturell und Deinem Kapital passt. Dreißig Minuten, unverbindlich.
Wie läuft ein Handelstag im Orderflow-Daytrading ab?
Oliver beginnt mit einer Marktanalyse aus mehreren Datenquellen und legt mögliche Preiszonen fest. Erreicht der Markt eine solche Zone, prüft er im Orderbuch, ob die aktuelle Reaktion zu seinem Setup passt. Die Zone ist eine Arbeitshypothese und noch kein Einstieg.
Reichen CoT-Daten allein für einen Trade?
Für Olivers Vorgehen nicht. Die wöchentlichen Daten liefern Hintergrund zur Positionierung. Für den Einstieg wartet er zusätzlich auf ein passendes Setup im Chart; eine extreme Positionierung sagt nicht, wann ein Markt dreht.
Welche Software und Daten braucht man für Orderflow-Daytrading?
Für Orderbuchdaten braucht man Live-Marktdaten der Börse und eine Software wie Bookmap oder Quantower in Kombination mit einem Datenfeed. Oliver arbeitet in der Praxis mit einer Kombination aus Bookmap und TradingView.
Wird rund um Nachrichtentermine gehandelt?
Oliver vermeidet wichtige US-Nachrichtentermine. Er wartet, bis sich Liquidität und Marktbewegung für seinen Ansatz wieder beruhigt haben. Es gibt dafür keine allgemein verlässliche Wartezeit; auch nach der Veröffentlichung können starke Bewegungen auftreten.
InterviewOrderflowSwingtrading
Marnie Aramruck
Gründerin & Head of Brand & Psychology · TradeNeon
Marnie Aramruck kam über einen ungewöhnlichen Weg zum Trading: zehn Jahre selbstständig in Eventmanagement, Marketing und Design, bevor sie sich der Psychologie hinter Entscheidungen widmete. Als Master-Emotionscoach und Resilienztrainerin arbeitet sie heute an der Frage, was Trader brauchen, um auch unter Druck ruhig und klar zu bleiben. Ihr Thema ist nicht der Chart, sondern der Mensch davor.
Wer online recherchiert, bekommt schnell den Eindruck, es brauche ein futuristisches Büro mit vier Monitoren, Leuchtleisten und einem High-End-Rechner. So ein Setup sieht beeindruckend aus. Nur: Brauchst Du wirklich ein Kontrollzentrum, um zu handeln? Sehr wahrscheinlich nicht.
Vom Gehäuse bis zur Grafikkarte: Komponenten sind Werkzeuge für Deinen Handelsalltag.Bild: TradeNeon
Kein Kontrollzentrum. Ein Werkzeug.
Von der ersten Frage bis zu zwei Setups zur Orientierung.
Wie viel Technik braucht man, um handeln zu können? Weniger, als die Bilder von Kontrollzentren im Netz nahelegen. Ein Trading-Rechner muss Dich nicht beeindrucken. Er soll zuverlässig laufen, wenn Du Charts analysierst und Orders eingibst. Ob dafür ein vorhandenes Notebook genügt oder ein neuer Arbeitsplatz sinnvoll ist, hängt von Deinem Handelsstil und Deiner Software ab.
Das Wichtigste vorweg
Wähle zuerst Deine Handelsplattform und prüfe ihre aktuellen Systemanforderungen. Plane dann Arbeitsspeicher, SSD, Bildschirmanschlüsse und eine verlässliche Verbindung für Deine tatsächliche Arbeitslast. Es gibt weder den universellen Trading-PC noch eine feste Monitor- oder Ping-Zahl für alle.
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Dein Stil entscheidet, nicht der Katalog
Bevor Du über Hardware nachdenkst, kläre eine andere Frage: Wie willst Du handeln? Ob Du Positionen nur innerhalb eines Tages hältst oder über mehrere Wochen, ob Du mit einer Heatmap arbeitest oder mit Wochencharts — das verändert Deinen Arbeitsablauf. Die Software und die Zahl gleichzeitig geöffneter Ansichten bestimmen die technischen Anforderungen genauer als das Etikett „Daytrading“ oder „Swingtrading“.
Beim DaytradingBeim Daytrading werden Positionen innerhalb eines Handelstages eröffnet und wieder geschlossen. beobachtest Du Kursbewegungen in Echtzeit und nutzt möglicherweise Chart, Marktdaten, Orderbuch und Ordermaske gleichzeitig. Hier zählt, dass das System unter Deiner üblichen Last reagiert und Du eine Order ohne Suchen oder Fensterwechsel eingeben kannst. Eine klare Anordnung der Fenster und ein Plan bei Verbindungsproblemen helfen mehr als ein beeindruckender Schreibtisch mit vier Monitoren.
Swingtrading: Raum für Recherche und Planung
Im SwingtradingPositionen werden dabei über einen Zeitraum von Tagen bis Wochen, manchmal sogar Monaten gehalten. stehen Recherche, Analyse und regelmäßige Kontrolle stärker im Vordergrund. Ein zuverlässiger Rechner, auf dem Charts, Tabellen und Browser flüssig laufen, kann dafür reichen. Wer viele Märkte beobachtet, mehrere Datenquellen nutzt oder umfangreiche Backtests ausführt, braucht auch hier Reserven. „Swingtrading“ allein ist deshalb kein Versprechen, dass jeder ältere Bürorechner genügt.
Prozessor, Arbeitsspeicher, Datenträger und Grafik erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Entscheidend ist, ob sie zusammen Deine Anwendungen tragen. Prüfe zunächst, was Dein vorhandenes Gerät unter realer Last schafft; bei einem Neukauf kannst Du Reserven für weitere Fenster und Daten einplanen.
Prozessor
Der Prozessor verarbeitet Charts, Indikatoren und Daten. Ein aktueller Mehrkern-Prozessor ist ein sinnvoller Ausgangspunkt. Die alte Faustregel „Takt vor Kernzahl“ greift zu kurz: NinjaTrader nutzt laut Hersteller verfügbare Kerne und zusätzliche Speicherressourcen abhängig von der Arbeitslast.
Arbeitsspeicher
Er hält aktive Programme und Daten bereit. Für einen neu geplanten Rechner sind 16 GB eine vernünftige Ausgangsgröße; bei vielen Charts, Datenquellen oder parallelen Anwendungen können 32 GB sinnvoll sein. Das sind Planungsspannen, keine allgemeinen Mindestwerte: NinjaTrader empfiehlt für seine Desktop-App beispielsweise 8 GB.
Speicher
Eine SSD für Betriebssystem und Plattform ist sinnvoll. Wie viel Platz Du brauchst, hängt vor allem von lokal gespeicherten Marktdaten, Replays und Backtests ab. Eine NVMe-SSD kann große Datenmengen schneller bewegen; eine vorhandene SATA-SSD muss deshalb nicht pauschal ersetzt werden. Backups gehören auf ein getrenntes Medium oder in eine dafür geeignete Sicherung.
Grafik
Integrierte Grafik kann für Charts und mehrere Displays genügen, wenn Gerät und Anschlüsse die gewünschte Zahl und Auflösung unterstützen. Eine eigene Grafikkarte ist keine generelle Pflicht. Bei grafisch aufwendigen Ansichten prüfst Du die Anforderungen der Anwendung und testest die Darstellung unter Last.
Ein OrderflowUnter dem Orderflow versteht man die in Echtzeit ablaufenden Käufe und Verkäufe eines Börsenhandelsinstruments.-Arbeitsplatz zeigt, warum sich der Blick auf die konkrete Software lohnt: Bookmap beschreibt, wie Grafikunterstützung und Bildwiederholrate die Darstellung beeinflussen. Ein BacktestBeim Backtest wird eine Handelsstrategie auf historische Kursdaten angewendet, um zu prüfen, wie sie sich in der Vergangenheit geschlagen hätte. kann dagegen vor allem Prozessor, Arbeitsspeicher und Datenspeicher beanspruchen. Prüfe beides mit Deiner Datenmenge statt mit einer allgemeinen Komponentenliste.
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Bildschirme und Leitung
Wie viel Bildschirmfläche hilft Dir?
Ein Monitor kann für fokussierte Setups und mobiles Arbeiten reichen. Ein zweiter schafft Platz, wenn Chart, Ordermaske und Analyse gleichzeitig sichtbar bleiben sollen. Auch ein großer Ultrawide kann diese Aufgabe übernehmen. Drei oder mehr Displays lohnen sich nur, wenn Du die zusätzlichen Informationen noch gut lesen und priorisieren kannst. Plane nach Deinem Fensterlayout statt nach einer festen Zahl.
Bei Auflösung und Größe kommt es auf Lesbarkeit an. Mehr Pixel schaffen Platz für Charts, aber Skalierung, Sitzabstand und Schriftgröße entscheiden, ob Du Details erkennst. Full HD kann genügen; 4K ist keine Voraussetzung. Prüfe außerdem, welche Auflösungen und Bildschirme Dein Rechner oder Dock tatsächlich unterstützt.
Die Verbindung ist Teil des Setups
Sämtliche Live-Daten und Orders laufen über die Verbindung. Für kurzfristigen Handel lohnt es sich, WLAN-Schwankungen durch eine kabelgebundene Verbindung zu vermeiden, wenn das möglich ist. Ein getesteter mobiler Hotspot oder eine zweite Leitung kann bei einem Ausfall helfen. Eine pauschale Grenze von „unter 30 ms“ oder eine bestimmte Downloadrate sagt allein wenig über die Zuverlässigkeit Deiner Verbindung zur Handelsplattform aus.
Vor einer Live-Order testen
Starten Plattform und Datenfeed zuverlässig? Bleiben Charts bei Deiner üblichen Last flüssig? Sind Orderfenster gut lesbar? Weißt Du, wie Du offene Positionen bei Strom- oder Internetausfall erreichst?
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Zwei Setups als Orientierung
Die ursprünglichen Einkaufslisten nannten konkrete Modelle und Händlerpreise. Solche Angaben altern schnell. Diese beiden Profile zeigen stattdessen, welche Entscheidungen für einen Rechercheplatz oder einen Arbeitsplatz mit mehreren Live-Fenstern anstehen. Sie sind weder Mindestanforderungen noch ein fertiger Warenkorb.
Baustein
Recherche & Swingtrading
Mehrere Live-Fenster & Daytrading
Rechner
Aktueller Mehrkern-Rechner, 16 GB RAM als Ausgangspunkt für einen Neukauf, SSD.
Aktueller Mehrkern-Rechner; 16–32 GB RAM je nach Plattform, Daten und parallelen Programmen.
Bildschirm
Ein gut lesbarer Monitor oder Notebook plus externer Monitor, falls mehr Fläche hilft.
Übersichtliches Layout; zweiter Monitor oder Ultrawide, wenn mehrere Fenster gleichzeitig sichtbar sein sollen.
Grafik
Integrierte Grafik kann genügen, wenn Anschlüsse und Auflösung passen.
Grafik nach Plattform und Displayzahl wählen; anspruchsvolle Visualisierungen gesondert testen.
Verbindung
Stabiler Zugang und Plan für Unterbrechungen.
Wenn möglich kabelgebunden, mit getesteter Ausweichverbindung und klarem Notfallablauf.
Wenn es Apple sein soll
Bei Apple wählst Du eine fertige Konfiguration statt austauschbarer Einzelkomponenten. Ein Mac mini oder MacBook kann für macOS-fähige Plattformen passen. Prüfe vorab Software, Arbeitsspeicher, Speicherplatz, die unterstützten externen Displays und Dock. Für Windows-exklusive Desktop-Programme wie NinjaTrader Desktop ist ein Mac ohne zusätzliche Windows-Umgebung keine direkte Lösung. Pauschale Empfehlungen für oder gegen MacBook Air, Pro oder eine bestimmte Chipgeneration wären daher fehl am Platz.
Und mobil?
Ein Notebook eignet sich auch zum Handeln, wenn die Plattform darauf läuft und Du bei Deiner üblichen Last konzentriert arbeiten kannst. Ein externer Monitor kann helfen, ist aber keine Pflicht. Teste besonders Bildschirmgröße, Anschlüsse, Kühlung unter Dauerlast und Deine Ausweichverbindung. Ein stationärer Rechner lässt sich oft leichter erweitern; Mobilität kann für Deinen Alltag dennoch wichtiger sein.
Ein gutes Setup braucht kein Kontrollzentrum. Es muss zu Deinem Handelsstil, Deiner Software und Deinem Arbeitsplatz passen. Vieles lässt sich schrittweise ergänzen oder gebraucht kaufen. Nimm Deine Programmliste und Dein Fensterlayout mit in den Kaufvergleich und prüfe die Kompatibilität direkt beim Anbieter.
TradeNeon Academy
Die Technik folgt Deinem Handelsstil
Wenn Du klären willst, welcher Handelsalltag zu Dir passt, sieh Dir die Daytrading- und Swingtrading-Ausbildung an. Danach kannst Du Dein Setup gezielter planen.
Nein. Ein zweiter kann die Arbeit erleichtern, wenn Du mehrere Ansichten parallel brauchst. Entscheidend ist, dass Du Chart und Ordermaske sicher überblickst.
Reicht ein Laptop für Trading?
Ja, sofern Deine Plattform unterstützt wird, der Rechner bei Deiner üblichen Last stabil läuft und Bildschirmfläche sowie Anschlüsse zu Deinem Ablauf passen.
Ist eine eigene Grafikkarte nötig?
Nicht grundsätzlich. Prüfe Deine Programme und Displays. Für aufwendige Visualisierungen kann zusätzliche Grafikleistung nützlich sein.
Kann ich einen Mac nutzen?
Das hängt von der Software ab. Manche Anwendungen laufen nativ auf macOS, andere verlangen Windows. Prüfe die aktuellen Systemanforderungen und Deinen gesamten Handelsablauf vor dem Kauf.
TradingTrading-HardwareDaytradingSwingtrading
Simon Reichert
Swingtrading-Coach · TradeNeon
Simon Reichert ist Swingtrading-Coach bei TradeNeon. Nach einem Studium des International Business Management und Erfahrung im Finanz- und Auditbereich handelt er seit 2022 aktiv an den Märkten. Sein Fokus liegt auf Swingtrading, dem größeren Marktumfeld und Risikomanagement.
Swingtrading und Daytrading unterscheiden sich vor allem im Handelszeitraum. Optionen sind Instrumente, die Du in beiden Ansätzen einsetzen kannst. Entscheidend ist, welche Zeit, welches Risiko und welche Lernarbeit zu Deinem Alltag passen.
Der Kompass steht für die Wahl von Handelsweise und Instrument. Keiner der Wege garantiert ein Ergebnis.Bild: TradeNeon
Dein Alltag gibt den Takt vor. Das Risiko gehört zur Wahl.
Sechs Kriterien helfen Dir, Handelsstile und Instrumente nüchtern zu vergleichen.
Der Weg zum Börsenhandel beginnt mit Orientierung. Vielleicht suchst Du eine Tätigkeit neben dem Beruf, vielleicht möchtest Du Dich intensiver mit den Märkten beschäftigen. Bevor Du Dich für eine Handelsweise entscheidest, frage Dich, wie viel Zeit Du für das Lernen und den Handel aufbringen kannst und welchen Verlust Du finanziell tragen könntest.
Scalping, Daytrading, Swingtrading, Positionstrading und langfristiges Investieren unterscheiden sich vor allem im Zeithorizont. Diese Einordnung hilft: Je kürzer Du handelst, desto schneller musst Du häufig entscheiden. Wie anspruchsvoll ein Ansatz tatsächlich ist, hängt aber auch vom Instrument, den Regeln und Deiner Vorbereitung ab. OptionenOptionen sind befristete Verträge auf einen Basiswert. Käufer erhalten gegen eine Prämie ein Recht zum Kauf oder Verkauf zu einem festgelegten Preis; Verkäufer übernehmen die entsprechende Pflicht. sind keine weitere Haltedauer. Sie können sowohl für kurzfristige als auch für länger laufende Positionen eingesetzt werden.
Das Wichtigste vorweg
Ein kürzerer Trade ist nicht automatisch riskanter und ein längerer nicht automatisch sicherer. Ebenso gibt es kein allgemeingültiges Startkapital und keine verlässliche Renditespanne für einen Handelsstil. Vergleiche verfügbare Zeit, Verlusttragfähigkeit, Produktkenntnis und die Regeln für Ein- und Ausstieg.
01
Die Rolle der Ausbildung
Trading ist ein Handwerk, das gelernt werden will. Informationen gibt es im Überfluss. Schwieriger ist zu beurteilen, ob sie stimmen, in welcher Reihenfolge Du sie brauchst und ob ein gezeigtes Handelssystem zu Deinem Alltag passt. Videos können einen Einstieg geben, ersetzen aber weder eigene Übung noch eine nachvollziehbare Methode.
Ich habe einige der online vorgestellten Systeme im Demokonto nachgehandelt und damit keinen nachhaltigen Weg gefunden. Diese Erfahrung ist kein Beleg gegen jedes kostenlose Lernangebot. Sie zeigt, warum Du ein System prüfen solltest, bevor Du ihm Geld anvertraust: Welche Marktlogik steckt dahinter? Wie werden Verluste begrenzt? Und werden auch schwierige Phasen gezeigt?
Wenn Du eine Ausbildung erwägst, lerne die Menschen und ihre Arbeitsweise zuerst kennen. Seriöse Anbieter zeigen Dir Material, an dem Du fachliche Tiefe, Umgang mit Risiken und den Unterrichtsstil beurteilen kannst. Auch mit Begleitung brauchst Du Zeit zum Lernen, Testen und Einüben Deiner Entscheidungen. Das gilt für jede der folgenden Handelsweisen.
ScalpingScalping ist eine sehr kurzfristige Handelsweise, bei der Positionen oft nur Sekunden oder Minuten gehalten werden. bewegt sich oft in Sekunden oder Minuten. Beim DaytradingBeim Daytrading werden Positionen innerhalb eines Handelstages eröffnet und wieder geschlossen. schließt Du Positionen am selben Handelstag. SwingtradingBeim Swingtrading werden Positionen meist mehrere Tage bis Wochen gehalten, um eine erwartete Kursbewegung zu nutzen. lässt eine Idee über mehrere Sitzungen laufen; PositionstradingPositionstrading bezeichnet das Halten von Handelspositionen über Wochen bis Monate auf Basis einer längerfristigen Marktthese. folgt einer längerfristigen Marktthese. Die Grenzen sind Orientierung, keine Garantie für Aufwand oder Ergebnis.
Schätze Deine zeitliche Verfügbarkeit so ein, wie sie an einem normalen Arbeitstag aussieht. Trading sollte nicht nur in einem idealen Kalender funktionieren. Zur Handelszeit kommen Vorbereitung, Lernen und Nachbereitung. Die kurze Frage „Wie viel Zeit braucht ein Trade?“ greift deshalb zu kurz.
Beim Daytrading musst Du während Deines Handelsfensters konzentriert entscheiden und Orders überwachen können. Die Zahl der Stunden ist kein Gütesiegel: Eine Stunde ohne Vorbereitung kann zu wenig sein, während ein klar begrenztes Zeitfenster zu einer durchdachten Routine gehören kann. Die US-Anlegerinformation betont die hohen Risiken kurzer Handelsintervalle.
Swingtrader prüfen häufig einmal täglich die Märkte und ihre offenen Positionen. So kann eine planbare Routine neben einem Beruf entstehen. 15 Minuten täglich sind dafür jedoch kein allgemeines Zeitmaß: Setups suchen, Orders vorbereiten und unerwartete Nachrichten können mehr Zeit verlangen. Die aktuelle TradeNeon-Swingtrading-Ausbildung beschreibt ungefähr 30 Minuten tägliche Routine; während der Lernphase kann es länger dauern.
Im Daytrading musst Du während eines festen Handelsfensters konzentriert am Markt sein. Das bedeutet nicht automatisch acht Stunden vor dem Bildschirm. Eine Stunde kann für einen erfahrenen Trader mit vorbereitetem Plan reichen; für Lernen, Auswertung und manche Markttage genügt sie nicht. Die Daytrading-Ausbildung richtet sich an Menschen, die 1 bis 3 Stunden pro Tag für den Handel vorsehen. Diese Angaben beschreiben die Programme, keine Regel für alle Trader.
Bei Optionen entscheidet die konkrete Strategie über den Zeitaufwand. Eine Position mit mehreren Wochen Laufzeit verlangt andere Kontrollen als eine 0DTE-Option0DTE-Optionen sind Optionskontrakte, die am Tag des Handels ablaufen. am Verfallstag. Eine kurze Laufzeit kann besonders häufige Beobachtung und schnelle Entscheidungen nötig machen; sie verspricht keine höhere Rendite.
03
Welche Haltedauer passt zu Dir?
Deine Haltedauer bestimmt, wie lange Kapital gebunden ist und wann Du Positionen kontrollieren musst. Swingtrades können etwa fünf bis 60 Tage laufen. Das ist ein Beispiel, keine feste Definition. Manche Positionen enden früher, andere brauchen mehr Geduld. Offene Positionen bleiben Nachrichten und Kurslücken über Nacht oder am Wochenende ausgesetzt.
Beim Daytrading eröffnest und schließt Du eine Position am selben Handelstag. Damit vermeidest Du eine geplante Übernacht-Position. Während des Handels können Kurse trotzdem stark schwanken; Du musst Entscheidungen und Orders aktiv überwachen. „Kein Übernacht-Risiko“ bedeutet also keineswegs „kein Risiko“.
Optionen haben eine eigene Laufzeit, aber ihre Verwendung legt Deinen Handelsstil nicht fest. Eine länger laufende Optionsposition kann Teil einer Swingtrading-Strategie sein; eine am selben Tag eröffnete und geschlossene Position kann zum Daytrading gehören. 30 bis 45 Tage für bestimmte Einkommensstrategien und 0DTE für den Verfallstag sind Beispiele verschiedener Laufzeiten, keine dritte Disziplin zwischen Day- und Swingtrading.
04
Wie viel Kapital kannst Du entbehren?
Eine pauschale Summe wie „5.000 Euro für Daytrading“ oder „10.000 Euro für Swingtrading“ beschreibt keinen Marktstandard. Das nötige Kapital hängt vom Instrument, seiner Kontraktgröße, Gebühren, möglichem Verlust und der gewählten Positionsgröße ab. Es sollte nicht für Lebenshaltungskosten oder notwendige Rücklagen gebraucht werden.
Trenne Dein Trading-Kapital von Geld für laufende Ausgaben und langfristige Ziele. Betrachte langfristige Investments unabhängig von aktiven Trades. Das hilft Dir, einen Verlust nicht mit Geld ausgleichen zu müssen, das Du an anderer Stelle brauchst.
Auch eine niedrige Sicherheitsleistung ist nicht gleichbedeutend mit einem kleinen maximalen Verlust. Bei gehebelten Produkten zählt, wie stark eine Kursbewegung Dein Konto trifft. Unser Artikel zu Positionsgröße und Risikomanagement zeigt, wie Du diesen Zusammenhang vor einem Trade durchrechnest.
Beim Swingtrading kann ein weiter entfernter Stopp je Einheit einen höheren Geldbetrag riskieren. Eine kleinere Positionsgröße oder ein anderes Instrument kann das Risiko pro Trade verändern. Im Daytrading können kürzere Kursstrecken zu einem kleineren Verlust pro Kontrakt führen; Gebühren, Hebel und eine zu große Position können diesen Vorteil wieder aufheben. Auch Fremdkapital ersetzt keine eigene Risikorechnung.
Für Optionspositionen gibt es ebenfalls keinen allgemein gültigen Einstieg ab 5.000 oder 30.000 Euro. Kauf, Verkauf, Deckung, Kontraktgröße und möglicher Nachschuss machen einen erheblichen Unterschied. Eine vereinnahmte Prämie ist kein Geld, das schon risikofrei verdient wurde.
Konkrete Programme statt Pauschalregel
Bei TradeNeon nennen die aktuellen Ausbildungsseiten einen Einstieg ab 3.000 € für die Swingtrading-Aktien-Systeme, ab 10.000 € für deren Options-Systeme und mindestens 5.000 € Eigenkapital für die Daytrading-Ausbildung. Diese Werte gehören zu den jeweiligen Programmen und ersetzen keine Prüfung Deiner finanziellen Lage.
05
Welche Instrumente liegen Dir?
Im Swingtrading kannst Du beispielsweise Aktien, Futures oder Optionen einsetzen; im Daytrading kommen je nach Ansatz unter anderem Futures und Optionen infrage. Ein Instrument ist durch seinen Namen allein weder liquide noch passend. Prüfe Handelsplatz, Kontraktbedingungen, Kosten und die Größe einer möglichen Verlustposition.
Standardisierte, börsengehandelte Instrumente und außerbörsliche Produkte können sich bei Preisstellung und Vertragsbedingungen unterscheiden. Prüfe deshalb für jedes Produkt den Handelsplatz, die Gegenpartei, Kosten und mögliche Interessenkonflikte.
Wer eine Option kauft, erwirbt ein zeitlich begrenztes Recht. Wer sie verkauft, übernimmt eine Verpflichtung. Welche Verluste möglich sind, hängt stark davon ab, ob Du kaufst oder verkaufst, ob die Position gedeckt ist und was als Basiswert dient. Die US-Anlegeraufsicht FINRA erläutert diese Unterschiede; eine vereinnahmte Prämie ist kein garantierter Ertrag.
Bei 0DTE-Optionen können sich Preis und Risiko bis zum Verfall rasch verändern. Der Options Industry Council beschreibt ihre Mechanik und Risiken. Aus der kurzen Laufzeit folgt weder eine höhere Gewinnwahrscheinlichkeit noch weniger notwendige Überwachung.
Die frühere betreute Optionshandel-Ausbildung von TradeNeon wird derzeit nicht angeboten. Der Artikel vergleicht deshalb Optionen als Instrument, ohne auf ein nicht verfügbares Ausbildungsangebot zu verweisen. Die aktuellen Optionssysteme von Lab of Trades sind im folgenden Kasten verlinkt.
Optionen im Labor
Regelbasierte Optionssysteme
Argon zeigt die aktuellen Optionssysteme von Lab of Trades. Vergleiche die Voraussetzungen, Kosten und Risiken der einzelnen Strategien.
Pauschale jährliche Renditespannen beschreiben weder eine verlässliche Erwartung für Dich noch die Folgen möglicher Verlustphasen. Mehr Risiko führt nicht automatisch zu mehr Ertrag. Entscheidend ist, ob Du die Regeln einer Methode verstehst und ihre Ergebnisse nach Kosten und Verlusten beurteilen kannst.
Ein einzelnes Handelskonto, ein System oder ein BacktestEin Backtest wendet vorher festgelegte Handelsregeln auf historische Daten an. Er belegt keinen künftigen Gewinn. sagt wenig darüber, was eine andere Person nach Kosten und Verlustphasen erreichen wird. Sieh Dir deshalb nicht nur gute Monate an, sondern frage auch nach schwierigen Phasen und der Größe zwischenzeitlicher Verluste.
Gerade bei statistischen Optionsstrategien können mehrere Wochen oder Monate ohne Gewinn vorkommen. Ein fester Regelrahmen nimmt Dir Entscheidungen nicht vollständig ab und schützt nicht vor Verlusten. Im diskretionären Day- und Swingtrading gehört dagegen die laufende Beurteilung der Marktlage stärker zu Deiner Arbeit. Frage bei jedem Ansatz, welche Fehlerquellen und Verlustserien Du aushalten müsstest.
07
Welches Risiko passt zu Dir?
Trading ist nur mit Kapital sinnvoll, dessen Verlust Deine Lebensführung nicht gefährdet. Ein Demokonto hilft, Abläufe und technische Fehler kennenzulernen; es beweist noch nicht, dass Du mit echtem Geld dieselben Entscheidungen triffst. Marktlogik bleibt wichtig: Du solltest erklären können, warum Du eine Position eröffnest, wodurch Deine Annahme widerlegt wäre und welchen Verlust Du vorher festgelegt hast.
Auch HebelMit Fremdkapital oder Derivaten wird eine größere Marktposition bewegt als mit dem eingesetzten Eigenkapital. Gewinne und Verluste können sich dadurch verstärken. macht eine Strategie nicht „kapitalschonend“: Er vergrößert die Wirkung einer Marktbewegung. Ein geplanter Stopp kann die Verlustabsicht begrenzen, aber bei Kurslücken oder schneller Ausführung vom gewünschten Preis abweichen. Prüfe vor dem Einstieg, welchen Verlust Du tatsächlich tragen kannst und wie Du nach einer Verlustserie weiter vorgehst.
Verlusttrades lassen sich nicht ausschließen. Mit Positionsgröße, Risikolimit und einer dokumentierten Auswertung kannst Du Deine Entscheidungen strukturieren. Das Risiko wird damit steuerbarer, aber nicht beseitigt. Ob eine Methode zu Dir passt, zeigt sich auch daran, ob Du ihre Regeln in schwierigen Marktphasen einhalten kannst.
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Finde Deinen Weg
Die Wahl ist keine Frage eines Etiketts. Entscheidend sind Dein Alltag, Deine finanziellen Möglichkeiten und die Art, wie Du Entscheidungen triffst. Nimm Dir Zeit, die beiden Handelszeiträume und die möglichen Instrumente getrennt zu prüfen.
Wann kannst Du Märkte beobachten und Orders kontrollieren – regelmäßig, nicht nur im Idealfall?
Wie lange darf Kapital gebunden bleiben, und was passiert bei einer Übernacht-Kurslücke?
Welcher Geldbetrag ist nach Rücklagen und laufenden Verpflichtungen wirklich frei?
Verstehst Du Kontraktwert, Kosten, Laufzeit und Verlustprofil des Instruments?
Welche Marktannahme bringt Dich hinein, und was widerlegt sie?
Wie übst und dokumentierst Du Entscheidungen, bevor Du echtes Risiko eingehst?
Wenn Du vor allem längere Bewegungen mit einer planbaren Routine untersuchen willst, lies zunächst Swingtrading nebenberuflich. Wenn Du ein konzentriertes Handelsfenster erwägst, hilft der Beitrag Daytrading lernen: Welcher Weg ist der richtige?. Beides sind Ausgangspunkte für Lernen und Prüfung, keine Eignungszusage.
Lab of Trades
Halbautomatisierte Trading-Systeme
In Lab of Trades laufen fertige, regelbasierte Handelssysteme direkt an Deinem Broker-Konto. Die Software überwacht den Markt und legt die Order fertig vor. Auslösen tust Du sie selbst – mit einem Klick.
Nein. Eine planbare Routine kann gut zu einem Beruf passen, doch offene Positionen, Lernen und Risikomanagement brauchen weiterhin Zeit.
Ist Daytrading ohne Übernacht-Risiko sicherer?
Nein. Du vermeidest eine geplante Übernacht-Position, trägst während der Sitzung aber Markt-, Ausführungs- und Verlustrisiken.
Ist Optionshandel ein eigener Trading-Stil?
Optionen sind Instrumente mit Laufzeit und vertraglichen Rechten beziehungsweise Pflichten. Sie können Teil unterschiedlicher Handelsstile sein.
Wie viel Rendite kann ich erwarten?
Aus dem Handelsstil allein lässt sich keine persönliche Rendite ableiten. Beurteile Methode, Kosten, Risiken und belastbare Ergebnisse ohne Gewinnzusage.
TradingDaytradingSwingtradingOptionen
Simon Reichert
Swingtrading-Coach · TradeNeon
Simon Reichert ist Swingtrading-Coach bei TradeNeon. Nach einem Studium des International Business Management und Erfahrung im Finanz- und Auditbereich handelt er seit 2022 aktiv an den Märkten. Sein Fokus liegt auf Swingtrading, dem größeren Marktumfeld und Risikomanagement.
CoT-Daten im Swingtrading: Positionierung einordnen
Oliver Sparing
Gründer & Head of Trading · TradeNeon
Webinar vom 1. August 2024 · Video 67 Min.
Jeden Freitag veröffentlicht die US-Behörde CFTC den Commitments-of-Traders-Bericht, der zeigt, wie meldepflichtige Trader in Futures-Märkten zum Stichtag Dienstag positioniert sind. Welche Händlergruppen darin stehen und warum ein Extremwert allein noch keinen Trade begründet, ordnet dieser Artikel ein. Aussagekräftiger kann die Positionierung im Verhältnis zum gesamten Open Interest und zur Anzahl der Trader sein.
Drei Gruppen, drei Positionen. Jede Woche neu gemeldet.Bild: TradeNeon
Erst die Positionierung. Dann der Chart.
CoT-Daten geben Dir eine Richtung. Den Einstieg findest Du mit Marktlogik und Chart.
Der Commitments-of-Traders-Bericht zeigt einmal pro Woche, wie meldepflichtige Trader in Futures positioniert sind; was hinter einer einzelnen Position steht, zeigt er nicht. Wegen der Verzögerung von einigen Tagen eignet er sich vor allem fürs Swingtrading. Klassische Indikatoren wie Nettopositionierung und COT-Index betrachten jede Gruppe für sich; aussagekräftiger kann die Positionierung im Verhältnis zum gesamten Open Interest und zur Anzahl der Trader sein, verbunden mit einer chartbasierten Einstiegslogik.
01
Das Video
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Kapitel im Video 19
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Video: ATAS DeutschlandWeitere Videos von TradeNeon findest Du auf unserem YouTube-Kanal.
02
Was der CoT-Bericht ist
CoT steht für Commitments of Traders. Der Bericht der US-Behörde CFTC zeigt, wie die Trader in einem Futures-Markt positioniert sind. Überschreitet ein Trader in einem Markt die von der CFTC festgelegte Meldeschwelle, werden seine Positionen über berichtende Firmen wie Clearing-Mitglieder und Broker an die CFTC gemeldet. Die meisten Futures, mit denen Privattrader arbeiten, laufen an der CME. Stichtag der gemeldeten Positionen ist jeweils der Dienstag; am folgenden Freitag veröffentlicht die CFTC den Bericht. Er ist auf der Website der CFTC frei abrufbar.
Die Verzögerung von einigen Tagen ist für Daytrading nur bedingt hilfreich, auch wenn es einzelne Anwendungsfälle gibt. Für das Swingtrading spielt sie kaum eine Rolle, zumal sich die Daten von einer Woche zur nächsten meist nur wenig verändern. Deshalb sind CoT-DatenDie wöchentlichen Positionsdaten des Commitments-of-Traders-Berichts der US-Behörde CFTC zu Futures-Märkten. vor allem ein Werkzeug für Swingtrader.
Die CFTC stellt den Bericht in verschiedenen Formaten bereit, auch kommagetrennt für die Auswertung in Excel. Es gibt zwei Report-Arten: den klassischen Legacy-Report und den moderneren Disaggregated Report. Beide gibt es jeweils als „Futures Only“ und als „Futures-and-Options Combined“; Privattrader nutzen meist die Futures-only-Fassung. Wie sich die Händlergruppen unterscheiden, zeigt die Tabelle.
Kriterium
Legacy-Report (klassisch)
Disaggregated Report
Meldepflichtig: kommerziell / Absicherung
Commercials
Producer/Merchant/Processor/User (eine Kategorie, entspricht grob den Commercials)
Meldepflichtig: Swap-Geschäft
Nicht getrennt ausgewiesen, in der Regel unter den Commercials enthalten
Swap Dealers
Meldepflichtig: Spekulation
Non-Commercials
Managed Money
Meldepflichtig: übrige
Nicht getrennt ausgewiesen, überwiegend unter den Non-Commercials enthalten
Other Reportables
Nicht meldepflichtig
Nonreportable Positions: zusammengefasste Restgröße (gesamtes Open Interest minus meldepflichtige Positionen), einzelne Trader nicht ausgewiesen
Nonreportable Positions: zusammengefasste Restgröße (gesamtes Open Interest minus meldepflichtige Positionen), einzelne Trader nicht ausgewiesen
Im klassischen Report sind die CommercialsTrader, die Futures nach CFTC-Einstufung zur Absicherung im Zusammenhang mit ihrem Geschäft nutzen, etwa Produzenten und Weiterverarbeiter einer Ware. Trader, die Futures nach CFTC-Einstufung zur Absicherung ihres Geschäfts nutzen, etwa Kaffeebauern als Produzenten und Weiterverarbeiter als Abnehmer. Die Non-CommercialsMeldepflichtige Trader, die nicht als kommerziell eingestuft sind, typischerweise Fonds und andere Spekulanten. sind meldepflichtige Trader, die nicht als kommerziell gelten, typischerweise Fonds und andere Spekulanten, die auf die Preisbewegung setzen. Alle Positionen unterhalb der Meldeschwelle landen in den Nonreportable Positions, zu denen die meisten Privattrader gehören.
Der disaggregated Report kennt vier meldepflichtige Kategorien. Die Swap Dealer sind ein Sonderfall: Ein Swap Dealer sichert zum Beispiel einem Weizenbauern einen Preis außerhalb der Börse zu und spekuliert darauf, dass der Weizenpreis steigt. Wird ihm das Risiko zu groß, sichert er sich an der Futures-Börse ab. Im Indikatorenbild sieht das ähnlich aus wie bei den Commercials, die Denkweise entspricht eher der der Spekulanten; in der Auswertung, die das Webinar zeigt, werden die Swap Dealer deshalb ausgeblendet. Das Managed MoneyVermögensverwalter wie CTAs, CPOs und Fonds, die für Kunden Futures handeln (CFTC-Definition). Im disaggregated Report vergleichbar mit den Non-Commercials im klassischen Report. umfasst Vermögensverwalter und Fonds, also die Großspekulanten. Die Other Reportables sind alle, die in keine andere Kategorie passen.
Außerdem weist der Bericht aus, wie viele Trader pro Kategorie eine Position halten (number of traders). Gemeint sind die meldepflichtigen Trader je Kategorie, oft Unternehmen oder Fonds. Diese Angabe wird leicht übersehen. Im Mittelpunkt stehen drei Angaben: das gesamte Open InterestDie Zahl der offenen Futures-Kontrakte eines Marktes. Sie steigt, wenn neue Kontrakte entstehen, und sinkt, wenn bestehende geschlossen werden; das Handelsvolumen zählt dagegen jede Transaktion., die Positionierung der Commercials und die der Großspekulanten.
04
Welche Gruppe heute am meisten zählt
Vor zehn Jahren, als das Thema in Deutschland aufkam, galten die Produzenten als die Gruppe, auf die man am ehesten schaut. Die Logik dahinter: Ein Kaffeebauer sieht Wetter und Pflanzen und kann am besten beurteilen, ob der Preis fair ist.
Commercials nutzen die Futures-Märkte klassisch fürs HedgingDie Absicherung gegen Preisschwankungen, zum Beispiel durch den Kauf oder Verkauf von Futures.. Fällt der Preis, kaufen Weiterverarbeiter Futures, weil die Ware günstig ist. Steigt er, verkaufen Produzenten Futures, weil der Preis attraktiv wird. Beide stehen damit gegen die Trendbewegung. Diese Rolle hat sich verschoben: Auch Marktteilnehmer im Bereich der Commercials spekulieren inzwischen, was ihr Verhalten für Privattrader weniger klar macht als früher.
Bei den Non-Commercials ist das Geschäftsmodell klarer: Sie wollen an Preisbewegungen verdienen, gestützt auf eigene Analyseabteilungen. Was hinter einer einzelnen Position steht, zeigt der Bericht allerdings nicht, denn die CFTC ordnet Trader nach ihrem überwiegenden Geschäft einer Kategorie zu. Dass diese Gruppe die Märkte am häufigsten richtig einschätzt, ist eine Wertung: „Mittlerweile lässt sich statistisch auswerten, dass die Non-Commercials, also die Großspekulanten, mit ihrer Einschätzung der Märkte am häufigsten richtig liegen. Ihre Intention ist immer klar gesetzt“, sagt Oliver Sparing. Sein Hauptaugenmerk liegt deshalb auf den Non-Commercials, im disaggregated Report auf dem Managed Money; mit ihnen entwickelt er seinen grundsätzlichen Bias.
05
Liquidität und das Warnzeichen
Der native CoT-Indikator in ATAS zeigt die Nettopositionen, am Beispiel Gold: grün die Großspekulanten, rot die Commercials. Im Normalfall laufen die Linien trichterförmig gegeneinander. Fällt der Preis, bauen die Großspekulanten Short-Positionen auf, und die Commercials kaufen.
Sichtbar: Tageschart des Gold-Futures (GC, COMEX), darunter der ATAS-Indikator „COT Net positions“ aus dem klassischen Report: grüne Linie Large Speculators (Non-Commercials), blaue Linie Small Traders, rote Linie Commercials. Grün und rot laufen weitgehend gegeneinander. Nach Olivers Lesart bilden Spekulanten und Hedger so jeweils die Gegenseite zueinander. Ab Minute 18:08. Bild: ATAS Deutschland
Der CoT-Bericht zeigt Positionierung, nicht unmittelbar die Liquidität im Markt. Als LiquiditätDas Angebot an Preisen und Gegenparteien im Markt. Wo Käufer und Verkäufer jeweils eine Gegenseite finden, bleibt der Preis stabiler. lässt sich daraus ableiten: Bilden Spekulanten und Hedger jeweils die Gegenseite zueinander, hält das die Märkte stabil. Ein Marktplatz macht den Gedanken anschaulich. Verkaufen dort 50 Händler Eier, bleibt der Preis stabil. Hat nur noch ein Händler Eier, kann er den Preis nach Belieben treiben. Den Preis bestimmen in erster Linie Angebot und Nachfrage an den Kassamärkten; die Futures-Märkte bieten Absicherungsmöglichkeiten und können dazu beitragen, Preise stabil zu halten.
Daraus ergibt sich ein mögliches Warnzeichen. Oliver Sparing beschreibt es so: „Wenn beide plötzlich in dieselbe Richtung anfangen zu handeln, dann wird es kritisch, egal ob nach oben oder nach unten, in den Aktienmärkten natürlich in erster Linie nach unten. Wenn sowohl Spekulanten als auch Hedger durch Verkäufe auffallen, fehlt dem Markt die Liquidität.“ Zum Nachschauen bietet sich die Zeit Anfang 2020 an, als Corona aufkam. Für Aktienindizes wie den S&P 500 gilt die Aussagekraft der CoT-Daten als geringer als in Rohstoffen; als Blick auf die Gesundheit des Marktes können sie trotzdem nützlich sein. Im Daytrading und im Swingtrading bleibt die Liquidität im Blick.
06
Klassische Indikatoren: Nettopositionierung und COT-Index
Die bekanntesten Indikatoren sind die NettopositionierungLong-Positionen minus Short-Positionen einer Händlergruppe als absoluter Wert. und der COT-IndexEin Indikator von Larry Williams, der die Nettopositionierung auf den Höchst- und Tiefstwert einer Periode normalisiert und in Prozent ausgibt.. Die Nettopositionierung zieht bei einer Händlergruppe die Short- von den Long-Positionen ab. Steigt die Linie, wurde in der Woche mehr gekauft als verkauft. Sie bleibt dabei innerhalb der jeweiligen Gruppe und setzt sie nicht ins Verhältnis zu anderen. Sie zeigt vor allem, ob die Positionierung steigt oder fällt. Mittelbar lässt sich daraus auch ein Hinweis auf die Liquidität des Marktes ableiten.
Der COT-Index geht auf Larry Williams zurück. Er normalisiert die Nettopositionierung einer Gruppe auf den höchsten und den niedrigsten Wert einer Periode, zum Beispiel 52 Wochen, und gibt in Prozent an, wo die Gruppe gerade dazwischen steht. Werte nahe 0 oder 100 gelten klassisch als überverkaufter oder überkaufter Bereich. Im Gold-Beispiel fiel der Index im März 2022 unter 20, und der Markt drehte. An anderer Stelle lief er nach einem extremen Wert noch deutlich weiter.
Sichtbar: Gold-Tageschart, darunter die Nettopositionen, ganz unten der COT-Index (0 bis 100) mit gestrichelten Linien als oberer und unterer Bereich. Der Mauszeiger markiert einen Indexwert unter 20, laut Oliver um den 9.3.2022. Der Goldpreis steht dort auf einem Hoch und fällt danach deutlich. Deutung: Ein Extremwert kann eine Wende begleiten, löst sie aber nicht aus. Dass der Markt nach einem Extremwert auch weiterlaufen kann, zeigt Oliver an anderer Stelle im selben Chart. Ab Minute 38:05. Bild: ATAS Deutschland
Diese Indikatoren sind in die Jahre gekommen. Nach Olivers Beobachtung funktionieren sie nicht mehr so gut wie vor 15, 20 oder 30 Jahren. Als Grundlagenwissen zu CoT-Daten gilt die Literatur dazu, etwa von Larry Williams, weiterhin als lesenswert.
07
Open Interest und Volumen
Zwei Begriffe werden oft verwechselt: Das Volumen zählt jede Transaktion, das Open Interest die offenen Kontrakte. Ein Beispiel aus dem Webinar: Ein Käufer kauft von einem Verkäufer einen Futures-Kontrakt. Jetzt gibt es einen Vertrag, das Open Interest steht bei 1, und eine Transaktion, das Volumen steht ebenfalls bei 1. Verkauft der Käufer den Kontrakt an einen neuen Käufer weiter, sind es zwei Transaktionen, das Volumen steigt auf 2. Es besteht aber weiterhin nur ein Vertrag, das Open Interest bleibt bei 1.
Wie sich das Open Interest verändert, hängt davon ab, ob die Beteiligten Positionen eröffnen oder schließen. Eröffnen beide Seiten neu, steigt es um einen Kontrakt. Eröffnet eine Seite und schließt die andere, bleibt es gleich, wie im Beispiel mit dem zweiten Käufer. Schließen beide, sinkt es. Das Open Interest zeigt damit das Handelsinteresse an einem Markt. So lässt sich einordnen, ob eine Kursbewegung durch neue Positionen entsteht oder dadurch, dass Marktteilnehmer Gewinne mitnehmen.
08
Zwei Schwachstellen und die eigene Auswertung
An den klassischen Indikatoren fallen zwei Schwachstellen auf. Erstens betrachten sie eine Gruppe für sich. Steigt das Netto-Long-Open-Interest der Commercials, ist das weniger aussagekräftig, wenn das gesamte Open Interest des Marktes parallel viel stärker wächst. Im Verhältnis zum Gesamtmarkt gesehen wird die Positionierung aussagekräftiger.
Zweitens beziehen sie sich nur auf das Open Interest und nicht auf die Anzahl der Trader, die eine Position halten. Ein extrem hohes Open Interest, das nur drei oder vier von 200 Tradern halten, sagt etwas anderes aus als eines, das fast alle verfügbaren Trader aufgebaut haben.
Deshalb baute sich Oliver Sparing zunächst eigene Excel-Tabellen mit eigenen Algorithmen, in die er jedes Wochenende die Positionierungen von Managed Money und den Commercials eintrug. Die Auswertung kostete ihn drei bis fünf Stunden pro Wochenende. Später entstand mit einem Programmierer aus der Swingtrading-Ausbildung eine Software, die diese Auswertung jede Woche rechnet: die TradeNeon-Software, heute Futures Insights.
In einer Darstellung der TradeNeon-Software steht das Open Interest gegen die Anzahl der Trader. Auf der y-Achse liegt das Open Interest, auf der x-Achse die Anzahl der Trader, die es halten. So entsteht eine historische Punktwolke: Blassere Punkte liegen weiter zurück, der große weiße Punkt ist der aktuelle Bericht. Im gezeigten Gold-Beispiel (Managed Money long, Stand 23.07.2024) halten 105 Trader Long-Positionen mit einem Open Interest von 197.802 Kontrakten; der Punkt liegt im oberen Mittelfeld der Wolke. Als Gedankenspiel lässt sich der Extremfall oben rechts durchspielen: Steigt der Preis, während der aktuelle Bericht dort liegt, sind schon viele Trader historisch hoch long, und es fällt schwer zu sagen, wer noch kaufen soll. Oliver Sparing nennt das selbst eine Milchmädchenrechnung, hat solche Situationen in der Praxis aber als wertvoll erlebt. Extreme können sich allerdings weiter ausbauen, deshalb ist Vorsicht nötig.
Sichtbar: TradeNeon-Software (damals tradeneon.app), Gold, zwei Punktwolken „Dry Powder MML“ (Managed Money long, türkis) und „Dry Powder MMS“ (Managed Money short, pink). Auf der y-Achse steht das Open Interest, auf der x-Achse die Anzahl der Trader; blassere Punkte liegen weiter zurück, der große weiße Punkt ist der aktuelle Bericht. Der Tooltip links nennt den Stand 23.07.2024: 105 Trader mit Long-Positionen, Open Interest long 197.802 Kontrakte. Der weiße Punkt liegt im oberen Mittelfeld der Wolke, nicht im Extrembereich oben rechts; diesen Extremfall beschreibt Oliver als Gedankenspiel. Ab Minute 55:53. Bild: ATAS Deutschland
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Warum Extremwerte kein Auslöser sind
Was ein Extremwert aussagt, zeigt sich am Beispiel der Short-Positionen der Commercials. Fällt dieser Wert auf ein historisch niedriges Niveau, verkaufen die Produzenten offenbar nicht mehr, weil ihnen der Preis zu niedrig ist. Das ist eine nützliche Information, und ein Privattrader kann darauf warten, dass der Preis dreht.
Genau hier liegt der Haken. Heißt es, CoT-Daten funktionierten nicht mehr, kann das auch an der Anwendung liegen: Ein extremer Wert heißt nicht, dass Du sofort kaufst oder verkaufst. Im Gold-Beispiel steigt der Preis weiter, obwohl der Indikator immer extremere Werte ausgibt.
Fundamentaldaten wie CoT, Saisonalität und Terminstruktur verbindest Du deshalb mit einer chartbasierten Logik, um Einstiege zu finden. Dazu braucht es Verständnis von Marktlogik, Auktions- und Preisbildungsverfahren. Als Möglichkeiten für die Einstiege bieten sich VWAP, Volume Profile, Price Action und technische Analyse an. Für das Swingtrading sind Fundamentaldaten wie CoT ein Werkzeug, mit dem sich die Ausgangslage prüfen lässt, bevor über Kaufen oder Verkaufen nachgedacht wird.
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Wie die Großspekulanten handeln
Das Verhalten der Großspekulanten beschreibt Oliver Sparing so: „Die Großspekulanten fangen an, in Abwärtsbewegungen ihre Short-Positionierungen auszubauen. Je weiter der Markt sinkt, desto mehr sind sie short. Wenn der Preis dreht und anfängt zu steigen, bauen sie ihre Long-Positionierungen auf, und je weiter der Markt steigt, desto mehr kaufen sie.“ Privattrader tun häufig das Gegenteil: Sie sehen einen fallenden Markt, denken, tiefer könne er kaum noch gehen, kaufen und erleben, dass er weiter fällt.
Die Konsequenz formuliert er so: „Wenn Du an der Börse Geld verdienen willst, dann handle so wie die Großspekulanten und nicht umgekehrt. Du willst in steigende Preise kaufen und in fallende Preise verkaufen, und Du willst nie der Held sein, der das absolute Tief einer Bewegung erwischt.“ Das ist für Oliver Sparing die wichtigste Botschaft des Webinars.
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Was Du aus dem Webinar mitnehmen kannst
Der CoT-Bericht ist ein Swingtrading-Werkzeug. Die Daten erscheinen wöchentlich und ändern sich meist langsam. Für kurzfristiges Trading helfen sie nur bedingt.
Der Blick geht zuerst auf die Non-Commercials. Im disaggregated Report ist das das Managed Money; mit ihnen lässt sich ein grundsätzlicher Bias entwickeln. Was hinter einer einzelnen Position steht, zeigt der Bericht nicht.
Positionierung braucht Bezug. Setze sie ins Verhältnis zum gesamten Open Interest und zur Anzahl der Trader, die eine Position halten.
Ein Extremwert ist noch kein Einstieg. Verbinde die Daten mit einer chartbasierten Logik und mit Verständnis für Marktlogik.
„Nur weil diese Daten einen extremen Wert angenommen haben, heißt das nicht, dass wir wild auf Kaufen oder Verkaufen klicken.“
Oliver Sparing im ATAS-Webinar
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Über das Webinar
Das Webinar lief am 1. August 2024 in der Webinar-Reihe auf dem YouTube-Kanal von ATAS Deutschland. ATAS ist eine Handelsplattform für Order-Flow-Analyse. Oliver ist dort regelmäßig zu Gast; alle Auftritte findest Du auf unserer Seite Zu Gast bei.
Hinweis: Das Video ist eine Aufzeichnung aus dem Jahr 2024. Marken- und Firmennamen im Video entsprechen dem damaligen Stand.
Free Plan · Futures Insights
CoT-Daten im Verhältnis zum Gesamtmarkt
Futures Insights berechnet drei Fundamentaldaten, darunter die CoT-Daten, und stellt sie in fünf Indikatoren dar. Im Free Plan kannst Du Gold (GC) mit allen Indikatoren ansehen.
CoT steht für Commitments of Traders. Überschreitet ein Trader in einem Futures-Markt die von der CFTC festgelegte Meldeschwelle, werden seine Positionen über berichtende Firmen wie Clearing-Mitglieder und Broker an die US-Behörde CFTC gemeldet. Stichtag der gemeldeten Positionen ist jeweils der Dienstag; am folgenden Freitag veröffentlicht die CFTC den Bericht. Er ist auf der Website der CFTC frei abrufbar.
Sind CoT-Daten auch fürs Daytrading nützlich?
Nur bedingt. Die Daten gelten vor allem als Werkzeug für das Swingtrading, weil die Verzögerung von einigen Tagen dort kaum eine Rolle spielt und sich die Werte von Woche zu Woche meist nur wenig ändern. Die Liquidität des Marktes bleibt trotzdem im Blick.
Welche Händlergruppe steht im Mittelpunkt?
Häufig die Non-Commercials, im disaggregated Report das Managed Money. Ihr Geschäftsmodell ist klarer: Sie wollen an Preisbewegungen verdienen. Was hinter einer einzelnen Position steht, zeigt der Bericht nicht, denn die CFTC ordnet Trader nach ihrem überwiegenden Geschäft einer Kategorie zu. Bei den Commercials ist das Bild unschärfer, weil auch dort Marktteilnehmer spekulieren.
Warum reicht ein extremer Wert im CoT-Bericht nicht für einen Trade?
Ein Extremwert kann sich weiter ausbauen, und der Preis läuft oft trotzdem weiter. Die Daten werden deshalb mit einer chartbasierten Einstiegslogik und mit Verständnis für Marktlogik verbunden, statt bei einem Extrem sofort zu kaufen oder zu verkaufen.
Was ist der Unterschied zwischen Open Interest und Volumen?
Das Volumen zählt jede Transaktion, das Open Interest die offenen Kontrakte. Verkauft ein Käufer seinen Kontrakt an einen neuen Käufer weiter, steigt das Volumen auf 2, das Open Interest bleibt bei 1. Eröffnen beide Seiten neue Positionen, steigt das Open Interest; schließen beide, sinkt es.
CoT-DatenSwingtradingATAS
Oliver Sparing
Gründer & Head of Trading · TradeNeon
Oliver Sparing handelt seit 2011 aktiv an den Finanzmärkten. Seine beruflichen Wurzeln liegen im Edelmetallhandel in Hamburg; 2017 lernte er an einem Londoner Trading Floor. Bei TradeNeon leitet er die Daytrading- und die Swingtrading-Ausbildung und verantwortet die fachliche Entwicklung der Trading-Methodik, mit Schwerpunkt auf Orderflow, Marktstruktur und fundamentalen Marktdaten. Daraus sind Level of Interest, Futures Insights und Lab of Trades entstanden. Plattformen wie ATAS, Bookmap und WH SelfInvest laden ihn regelmäßig als Gast ein. Alle Auftritte
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