
Dieselben Hedging-Daten sehen anders aus, je nachdem, welche Verfallstermine Du einbeziehst. Für einen Daytrader zählen häufig andere Daten als für jemanden mit Positionen über mehrere Tage, denn Optionen, die noch heute verfallen, müssen schneller abgesichert werden als solche, die erst in zwei Wochen auslaufen. Wie sich Vanna-Zonen aus den Zero-DTE-Daten in die Tagesplanung einbinden lassen, zeigen Beispiele aus dem Vortrag bei Volland Refined.
Welche Verfallstermine zählen, hängt davon ab, wie lange Du im Markt bleibst.Bild: TradeNeon
bestimmt die Daten.
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Welche Verfallstermine zählen, hängt vom eigenen Zeithorizont ab: Wer innerhalb eines Tages handelt, wird sich nicht nur den Chart mit allen Verfallsterminen ansehen, weil Optionen, die noch heute verfallen, von Market Makern schneller abgesichert werden müssen. Ein mögliches Setup für den Daytrading-Horizont sind die Zero-DTE-Daten, ergänzt um die Vanna-Exposure der nächsten fünf Handelstage einschließlich heute, mit Blick auf Strikes mit hoher Exposure, die äußeren Grenzen der Verteilung und zusammenhängende Vanna-Cluster. Die Daten ersetzen nicht die Analyse im Orderbuch und sind keine Garantie für eine Kursreaktion.
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Welche Verfallstermine zählen für Dich?
Oliver Sparing hört von seinen Kunden am häufigsten die Frage, welche Daten sie ansehen sollen und welcher Zeithorizont Vorrang hat. Das Dealer-Hedging-Konzept an sich ist schon komplex genug, die Auswahl der Daten kommt noch dazu.
Stell Dir als Gedankenbeispiel zwei VannaEiner der sogenannten Griechen im Optionshandel, die die Hedging-Aktivität der Market Maker beeinflussen.-Exposure-Charts desselben Marktes nebeneinander vor. Der eine zeigt nur Zero DTEOptionen mit null Tagen bis zum Verfall: Sie verfallen noch am Tag des Handels., der andere die monatliche Exposure oder sogar alle Verfallstermine. Zuerst fällt der Unterschied bei der durchschnittlichen Exposure je StrikeDer Preis, auf den sich das Recht der Option bezieht. auf: Da der längere Zeitraum mehr Daten einschließt, ist die absolute Summe pro Strike dort deutlich höher.
Für einen klassischen Daytrader oder Scalper reicht der Chart mit allen Verfallsterminen allein meist nicht aus, denn dort wirken ganz andere Kräfte. Hat ein Market MakerMarktteilnehmer, der dem Markt Liquidität bereitstellt und dafür die Gegenseite von Trades einnimmt. hohe Exposure auf einem Strike aufgebaut und läuft die Option noch heute aus, muss er sein Delta heute absichern. Er muss deshalb schneller und aggressiver handeln als bei einer Option, die erst in zwei Wochen verfällt.
Entscheidend sind deshalb die Hedging-Daten, die zum eigenen Handelshorizont passen, also die Daten mit der größten Wirkung in genau diesem Zeitrahmen. Je besser die Auswahl passt, desto mehr Nutzen lässt sich aus einer Plattform wie Volland ziehen.
Das Daytrading-Setup mit den Volland-Charts
Oliver Sparing sieht sich als klassischen Daytrader und hält seine Positionen in der Regel zwischen 10 Minuten und zwei Stunden. Er handelt allerdings nicht direkt den Future, sondern Zero-DTE-Optionen auf den S&P 500. „Ich finde es persönlich deutlich angenehmer, meine Trades in den Zero-DTE-Märkten im S&P einzugehen“, sagt er, „das bringt mir mehr Vorteile beim Zeitwertverfall.“
Der Bildschirm im Vortrag ist so aufgeteilt: oben links der Zero-DTE-GammaEiner der sogenannten Griechen im Optionshandel, die die Hedging-Aktivität der Market Maker beeinflussen.-Chart, daneben der Zero-DTE-CharmEiner der sogenannten Griechen im Optionshandel, die die Hedging-Aktivität der Market Maker beeinflussen.-Chart. Darunter liegen die Charts für die eigentlichen Handelsentscheidungen: der Zero-DTE-Chart und die kumulierte Version. Rechts steht die Vanna-Exposure für die nächsten fünf Handelstage einschließlich heute, ebenfalls einzeln und kumuliert. Unten sind zwei neue Volland-Widgets hinzugekommen, deren Ergebnisse in den kommenden Wochen ausgewertet werden sollen.
Der Tagesplan: erst die Overnight-Session
Die erste Analyse des Tages findet in der Overnight-Session statt, und das nicht nur wegen des Wohnorts Dubai. „Die Overnight-Session liefert meiner Erfahrung nach einen äußerst verlässlichen Ausblick auf den Tages-BiasDie Grundrichtung, mit der Du in den Handelstag gehst.“, sagt Oliver Sparing. Die Basisanalyse beruht allein auf den Daten vor der Eröffnung; im Tagesverlauf wird beobachtet, wie sich die Exposure entwickelt.
Die Exposure-Charts werden auf vier Merkmale hin gelesen.
- Ungewöhnlich hohe Exposure Strikes mit ungewöhnlich hoher Exposure können wie Magnete oder Levels of Interest wirken. An diesen Preisen lohnt der gezielte Blick ins Orderbuch und in den Orderflow nach möglichen Einstiegen.
- Verschiebung über die Zeit Wie sich die Exposure über die Zeit verschiebt, wird erst in der Cash-Session wichtig.
- Äußere Grenzen Hier endet die nennenswerte Exposure. Früher waren die Kurven dort deutlich schmaler, in den letzten Wochen sind sie breiter geworden.
- Zusammenhängende Vanna-Cluster Sie bilden Bull- und Bär-Zonen, mehr dazu im nächsten Abschnitt.
Die äußeren Grenzen lassen sich als eine Art Expected-Move-Grenze behandeln, vor allem bei Zero DTE. Im gezeigten Beispiel fällt die Exposure unter dem Strike 6.750 abrupt ab, sowohl im Zero-DTE-Gamma- als auch im Vanna-Chart. Daraus lässt sich annehmen, dass informierte Marktteilnehmer vor allem bis zu diesen Strikes Optionen gehandelt haben, und auf Basis der aktuellen Daten erscheint es relativ unwahrscheinlich, dass der Kurs über diese Spanne hinausläuft. Diese Overnight-Grenzen werden als starke „Lines in the Sand“ im Chart markiert. Die Arbeitsannahme dahinter: Erreicht der Kurs diese Bereiche, trifft er je nach Situation und Kontext meist auf Unterstützung oder Widerstand.

Vanna-Cluster: Bull- und Bär-Zonen
„Meine wichtigsten Filter sind die zusammenhängenden Vanna-Cluster“, sagt Oliver Sparing. Intern heißen sie Vanna-Bull-Zonen und Vanna-Bär-Zonen; die Begriffe sind nicht in jedem Marktumfeld ganz genau.
Die Logik dahinter am Beispiel einer grünen Zone oberhalb des Kurses: Verkaufen Kunden dort Calls, geraten die Dealer in Long-Positionen in Calls aus dem Geld, und zur Absicherung ihres Deltas verkaufen sie den Basiswert. Dadurch entsteht positive Vanna-Exposure. Vanna beschreibt, wie sich das Delta verändert, wenn sich die implizite Volatilität ändert. Bei stabiler Spot-Vol-BeziehungDer Zusammenhang zwischen Kurs und impliziter Volatilität: In den großen Aktienindizes sinkt die Volatilität üblicherweise, wenn der Kurs steigt. sollte die Volatilität mit steigendem Kurs sinken. Das Delta der Calls sinkt dann, der Dealer muss seine Absicherung zurückfahren, und weil diese Position short ist, kauft er zurück. Das wirkt bullisch und erleichtert dem Markt den Anstieg.
Andere Griechen spielen ebenfalls eine Rolle, und die Spot-Vol-Beziehung ist nicht immer intakt. Eigene statistische Auswertungen von TradeNeon über die Jahre zeigen dennoch einen deutlichen Zusammenhang zwischen Bull-Zonen und steigenden sowie Bär-Zonen und fallenden Kursen. Zahlen dazu nennt das Video nicht.

Beispiel: S&P- und Nasdaq-Future vom Vortag
Das Beispiel zeigt die Analyse eines einzelnen Tages, keine allgemeine Kursregel. Im Chart des S&P-500-Futures (ES) vom Vortag rotierte der Markt zu Beginn der Cash-Session zunächst um den Wochen-VWAPVolume Weighted Average Price: der volumengewichtete Durchschnittspreis innerhalb eines Zeitraums., danach stieg der Kurs. Als er in die rote Bär-Zone lief, sank die implizite Volatilität durch die steigenden Kurse. Weil negative Vanna oberhalb des Kurses lag, verkauften die Dealer nach dieser Lesart, und es entstand Widerstand. Aus den Zonen ließ sich ableiten, dass der Markt nach dem Ausbruch über das Vortageshoch nicht mehr viel weiter laufen würde. An diesem Tag hielten die Overnight-Levels.

Besonders interessant sind die Ränder der Zonen. Im Nasdaq-Future (NQ) des Vortages lief der Kurs in der Pre-Session in die rote Bär-Zone und wurde durch sie verkauft. Am unteren Rand fand der Kurs Unterstützung, und der Markt drehte exakt am CME-SPANDas Risikobemessungsverfahren der CME, aus dem auch die empfohlene Initial Margin für Futures hervorgeht.-Risikointervall. Ein Erfahrungswert, keine feste Regel: Hat der Markt eine Zone ganz durchquert, läuft er häufig am selben Tag oder kurz danach in die Gegenrichtung durch dieselbe Zone zurück, wie hier im NQ-Future.

Der Ablauf im Überblick: Zuerst werden die Lines in the Sand markiert, daraus entsteht ein Tages-Bias, und in der Overnight-Session wird festgelegt, was und wo gehandelt werden soll. Nähert sich der Markt einem Level, werden mögliche Einstiege im Orderbuch gemäß diesem Plan geprüft. Verschiebt sich die Vanna im Tagesverlauf, zählen die Live-Daten, und der Plan wird angepasst.
Grenzen im Tagesverlauf verfolgen
Die äußeren Grenzen von Vanna und Charm werden etwa alle 30 Minuten in den Chart eingezeichnet, und schon das zeigt viel über die Verschiebung der Dynamik. Ein Beispiel: Der Markt bewegt sich in einer Range, und die Grenzen der Vanna-Exposure liegen eng beieinander. Wandert dann die obere Grenze deutlich nach oben, ohne dass der Markt sofort folgt: „Das ist für mich ein starkes bullisches Zeichen“, sagt Oliver Sparing. Bricht der Kurs anschließend durch ein Level, lohnt sich der Blick in den Orderflow, ob ein Pullback an das Ausbruchslevel entsteht.
Verschiebungen dieser Grenzen können ein brauchbarer Hinweis auf kommende Marktbewegungen sein. Zuletzt haben sich zudem die Verhältnisse geändert: Die Vanna-Spanne ist breiter geworden, während Charm und Gamma im Vergleich schmaler wurden.
Die Woche gibt den Spielraum vor
Im Swingtrading handelt Oliver hauptsächlich Rohstoffe. Dort behält er die Vanna-Exposure der kommenden Woche im Blick. Sie bestimmt nicht, in welche Richtung er handelt, aber wie viel Raum er seinen Trades gibt. Passt der Wochen-Chart zu dem, was die Zero-DTE-Daten zeigen, hält er Trades deutlich länger und baut Positionen über die Zeit auf. Widersprechen sich beide, etwa bullisch bei Zero DTE und bärisch im Wochen-Chart, geht er kürzere Trades ein und managt sie aktiver.
Daran zeigt sich das Thema des Vortrags: Verschiedene Verfallstermine liefern verschiedene Informationen, und erst ihr Zusammenspiel zeigt, wie viel Spielraum ein Trade hat.
Fragen und Gespräch
Im Gespräch mit den Gastgebern geht es auch darum, wie sich Dealer-Hedging-Daten bei Optionen auf Futures verhalten. Die Gastgeber weisen auf Unterschiede hin, etwa dass Rohöl-Futures monatliche Verfallstermine haben und sich Aussagen für den ersten Monat nicht ohne Weiteres auf spätere Monate übertragen lassen. Der Gast stellt dazu vor allem Fragen.
Aus dem Chat kommt die Frage, ob Dealer ihre Positionen im Futures-Markt statt in den Zero-DTE-Optionen absichern. Einer der Gastgeber bestätigt es: Optionen auf den S&P 500 sichern Dealer mit dem ES-Future ab. Zuerst versuchten Dealer allerdings, ihr Inventar loszuwerden, etwa durch entsprechende Preise. Oliver stimmt zu: Dafür seien Futures gemacht.
Was Du aus dem Vortrag mitnehmen kannst
- Der Zeithorizont bestimmt die Daten. Als Daytrader schaust Du auf andere Verfallstermine als jemand, der Positionen über Tage hält. Der Chart mit allen Verfallsterminen zeigt höhere Summen, muss aber nicht der passende sein.
- Vier Merkmale stehen im Fokus. Strikes mit hoher Exposure, ihre Verschiebung über die Zeit, die äußeren Grenzen der Verteilung und zusammenhängende Vanna-Cluster.
- Ein Plan vor der Eröffnung. Levels und Bias entstehen in der Overnight-Session, am Level folgt der Blick ins Orderbuch.
- Die Daten sind Hinweise, keine Garantie. Andere Griechen und die Spot-Vol-Beziehung spielen mit, und die Märkte verändern sich. Deshalb passt sich der Plan den Live-Daten an.
„Meiner Erfahrung nach ist es für Trader extrem wichtig, sich die Hedging-Daten anzusehen, die für ihren eigenen Handelshorizont wirklich relevant sind, also die Daten, die in diesem Zeitrahmen die größte Wirkung haben.“
Oliver Sparing bei Volland Refined (aus dem Englischen übersetzt)
Über den Vortrag
Der Vortrag lief am 12. November 2025 bei Volland Refined, einem ganztägigen Live-Event von Volland mit mehreren Gesprächen, und liegt auf dem YouTube-Kanal Wizard of Ops. Volland liefert Daten zur Positionierung der Optionshändler. Der Vortrag wurde auf Englisch gehalten, das Video ist deshalb englisch. Der Player zeigt von YouTube maschinell übersetzte deutsche Untertitel, die Fehler enthalten können. Weitere Auftritte findest Du auf unserer Seite Zu Gast bei. Eine grundlegende Einführung in das Thema gibt der Artikel Dealer Hedging: Was dahintersteckt.
Welche Verfallstermine sind für Daytrader wichtig?
Das hängt vom eigenen Zeithorizont ab. Ein mögliches Setup besteht aus den Zero-DTE-Daten, ergänzt um die Vanna-Exposure der nächsten fünf Handelstage einschließlich heute; so arbeitet Oliver Sparing, der Positionen zwischen 10 Minuten und zwei Stunden hält. Ein Chart mit allen Verfallsterminen zeigt höhere Summen, bildet aber auch Kräfte ab, die für den Handel innerhalb eines Tages weniger direkt zählen können.
Warum müssen Market Maker bei Zero DTE schneller handeln?
Verfällt eine Option noch am selben Tag, muss der Market Maker sein Delta heute absichern. Bei einer Option, die erst in zwei Wochen verfällt, muss er weniger schnell und aggressiv handeln.
Was sind Vanna-Bull- und Bär-Zonen?
So heißen zusammenhängende Bereiche positiver oder negativer Vanna-Exposure, in denen tendenziell steigende oder fallende Kurse erwartet werden. Die Begriffe treffen nicht in jedem Marktumfeld exakt zu, und andere Einflüsse spielen mit.
Sichern Dealer Optionen auf den S&P 500 mit dem ES-Future ab?
Ja, dafür sind Futures gemacht. Zuerst versuchen Dealer allerdings, ihr Inventar durch entsprechende Preise wieder loszuwerden.
