Kann man wirklich vom Traden leben?

Kann man wirklich vom Traden leben?

Eine Person blickt über einen See in den Nachthimmel, in dem leuchtende Candlesticks und eine Chartlinie erscheinen.
TradingOrientierung

Kann man wirklich
vom Traden leben?

Du blickst in den Himmel und stellst Dir vor, wie Dein Leben aussehen könnte. Vielleicht mit mehr Zeit für das, was Dir wichtig ist, oder einem zweiten finanziellen Standbein. Vielleicht sogar mit der Möglichkeit, eines Tages vom Trading zu leben. Aber ist das, was Du Dir wünschst, wirklich möglich?

Symbolbild.Bild: TradeNeon

Was es bedeutet, vom Trading zu leben

Ja, man kann mit Trading Geld verdienen und davon leben. Vielleicht möchtest Du Dir zunächst ein zusätzliches Einkommen aufbauen. Vielleicht ist Dein langfristiges Ziel, Deinen Beruf schrittweise zu reduzieren und später ganz vom Trading zu leben. Diese Möglichkeiten darfst Du für Dich prüfen.

Für Deinen Weg macht es einen Unterschied, ob Du erste Gewinne erzielen, Kapital aufbauen oder laufende Ausgaben bezahlen möchtest. Ein erfolgreicher Trade zeigt, dass eine einzelne Entscheidung Geld eingebracht hat. Für den Lebensunterhalt brauchst Du Ergebnisse, die nach Kosten und gegebenenfalls Steuern zu Deinen Ausgaben passen und auch schwächere Handelsphasen berücksichtigen.

Dazu gehören Dein Können, das verfügbare Kapital und die Zeit, die Du investieren kannst. Ein kleines Konto muss für denselben Eurobetrag eine wesentlich höhere RenditeDie Rendite ist der Gewinn in Prozent, den ein Finanzprodukt in einem bestimmten Zeitraum erwirtschaftet. erwirtschaften als ein großes. Eine hohe Renditeannahme macht fehlendes Kapital im Alltag jedoch nicht verlässlich wett.

Dieser Realitätscheck gibt Deinem Wunsch eine Richtung. Du kannst erkennen, was Du bereits mitbringst und was Du noch aufbauen möchtest. Vielleicht beginnt Dein Weg mit dem Lernen neben Deinem Beruf und einem wachsenden eigenen Konto. Damit lässt sich ein großes Ziel in Schritte übersetzen, die Du tatsächlich bearbeiten kannst.

Warum der Lernweg zum Labyrinth werden kann

Der Einstieg wirkt heute leicht zugänglich. Du findest Videos, Podcasts, Bücher und Beiträge über fast jeden Tradingansatz. Ein Video erklärt Dir DaytradingBeim Daytrading werden Positionen innerhalb eines Handelstages eröffnet und wieder geschlossen., das nächste verspricht einen besonders wirksamen Indikator. Kurz darauf siehst Du jemanden, der mithilfe von KI Gewinne zeigt. Alles scheint eine neue Möglichkeit zu eröffnen.

Dabei kann ein Lernweg entstehen, der eher einem Labyrinth ähnelt: Du wechselst von einer Strategie zur nächsten, bevor Du ihre Voraussetzungen verstanden hast. Du kennst zunehmend Fachbegriffe, kannst aber noch nicht begründen, weshalb Du einen bestimmten Trade eingehen würdest. Viel gesehen zu haben ist dann noch keine Orientierung für Deine eigene Entscheidung.

Ein Gewinn-Screenshot beantwortet wichtige Fragen nicht: Wie viel Kapital wurde eingesetzt? Welche Verluste gingen voraus? Welche Kosten fallen an? Lassen sich die Regeln nachvollziehen? Solange diese Angaben fehlen, kannst Du das gezeigte Ergebnis für Deinen eigenen Weg nur eingeschränkt einordnen.

YouTube kann Dir gute Erklärungen und praktische Einblicke liefern. Entscheidend ist, wie Du die Inhalte auswählst und bearbeitest. Sammelst Du weitere Ideen, oder entwickelst Du ein Verständnis, das Du selbst überprüfen kannst? Genau hier beginnt der Weg aus dem Labyrinth.

Wie Du die Spreu vom Weizen trennst

Verlässliche Informationen erkennst Du daran, dass Du ihre Grundlage und ihre Grenzen prüfen kannst. Dafür helfen Dir einige Fragen, bevor Du einen Ansatz übernimmst:

  • Werden Quellen, Daten und Annahmen genannt, sodass Du sie selbst nachprüfen kannst?
  • Ist erkennbar, was eine belegte Aussage und was eine persönliche Einschätzung ist?
  • Werden Verluste, Kosten und Risiken ebenso erklärt wie mögliche Gewinne?
  • Sind die Regeln für Einstieg, Ausstieg und Positionsgröße nachvollziehbar?
  • Ist sichtbar, ob jemand an einer Empfehlung verdient, etwa durch Werbung oder Vermittlungsvergütungen?

Die europäische Aufsicht ESMA nennt transparente Interessen, die Trennung von Fakten und Meinungen und eine faire Darstellung von Risiken als wichtige Anforderungen an Finanzkommunikation. Diese Punkte geben Dir auch als Leser konkrete Anhaltspunkte für die Auswahl Deiner Quellen. [1]

Für den Anfang kannst Du Dich auf wenige nachvollziehbare Quellen und eine Handelsdisziplin konzentrieren. Wenn Du eine Erklärung nicht verstehst, halte die offene Frage fest und suche gezielt nach einer Antwort. So entscheidet Dein Lernziel darüber, welche Informationen Du als Nächstes brauchst.

Selektion und Lernen entwickeln sich dabei gemeinsam. Du musst noch kein erfahrener Trader sein, um Fragen zu stellen oder eine unbelegte Behauptung zu erkennen. Mit wachsendem Wissen kannst Du genauer beurteilen, welche Aussagen zu den Märkten, Instrumenten und Regeln passen, die Du lernen möchtest.

Wie aus Informationen Wissen und Können werden

Wissen baust Du auf, wenn Du Zusammenhänge verstehst und in eigenen Worten erklären kannst. Für Trading gehören dazu die Funktionsweise Deines Marktes, die gehandelten Instrumente, Orderarten, Positionsgrößen und Risiken. Du solltest erklären können, warum ein Setup zu Deinem Handelsplan passt und unter welchen Bedingungen Du darauf verzichtest.

Können entsteht durch Anwendung und Auswertung. Ein nachvollziehbarer Lernweg kann so aussehen:

  • Du erarbeitest die Grundlagen und formulierst die Regeln Deines Ansatzes so, dass Du sie selbst erklären kannst.
  • Du übst die Anwendung zunächst im Demokonto und dokumentierst Deine Entscheidungen einschließlich der Fehler.
  • Du wertest aus, ob Du die Regeln eingehalten hast, welche Ergebnisse entstanden sind und welche Annahmen Du weiter prüfen musst.

Ein Gewinn kann trotz einer schlecht begründeten Entscheidung entstehen. Ein Verlust kann auch bei einem regelkonformen Trade auftreten. Deshalb lohnt es sich, die Qualität Deiner Entscheidung und das finanzielle Ergebnis getrennt zu betrachten. Demohandel hilft Dir beim Üben; Ausführung, Kosten und der Umgang mit echtem Geld können später zusätzliche Anforderungen stellen.

KI als Werkzeug und Sparringspartner

KI kann Dich beim Lernen unterstützen. Du kannst Dir Begriffe erklären lassen, Verständnisfragen durchgehen oder Gegenargumente zu einer Annahme suchen. Auch eine von Dir formulierte Handelsregel kannst Du auf Unklarheiten untersuchen lassen. So hilft Dir das Werkzeug, genauer über Dein eigenes Vorgehen nachzudenken.

Trading mit KI ist jedoch nicht der heilige Gral. Eine flüssig formulierte Antwort kann falsch, unvollständig oder veraltet sein. Die britische Finanzaufsicht FCA beschreibt KI als Hilfe beim Verstehen und Recherchieren und empfiehlt, Angaben an den Originalquellen zu überprüfen. [2]

Du kannst KI also schon während des Lernens nutzen. Wichtig ist, dass Du Antworten gegenprüfst und offene Fragen erkennst. Wenn Du die Regeln und Risiken einer vorgeschlagenen Strategie noch nicht beurteilen kannst, brauchst Du weitere Grundlagen, bevor Du daraus eine Handelsentscheidung ableitest. Eine KI-Antwort ist kein Nachweis dafür, dass ein Ansatz profitabel ist.

Mit einem strukturierten Lernweg weitergehen

Wenn Du diesen Weg mit Begleitung gehen möchtest, findest Du auf den Seiten zur Daytrading-Ausbildung und Swingtrading-Ausbildung die jeweiligen Inhalte und den Ablauf.

In kleinen Gruppen ist Raum für Deine Fragen und für Feedback auf Deine eigenen Trades.

Theorie, Praxis und Feedback gehören für uns zusammen. Erst daraus wird ein fundierter Lernweg.

Was realistische Erwartungen für Deinen Fortschritt verändern

Dein Ziel darf ambitioniert sein. Für Deinen Fortschritt hilft es, die Erwartungen an die Lernphase und an ein späteres Einkommen auseinanderzuhalten. Am Anfang kannst Du daran arbeiten, den Markt zu verstehen, Deine Regeln sicher anzuwenden und Entscheidungen nachvollziehbar auszuwerten.

Stell Dir vor, Du erwartest schon im ersten Monat einen festen Betrag für Deine laufenden Ausgaben. Bleibt ein Gewinn aus, könnte sich jeder nächste Trade wie eine Aufgabe anfühlen, die unbedingt gelingen muss. Nach einem Verlust liegt dann der Gedanke nahe, mehr zu handeln oder mehr zu riskieren, um ihn schnell auszugleichen. Diese Erwartung kann zusätzlichen Druck erzeugen.

Du kannst Deinen Lernfortschritt an anderen Fragen prüfen:

  • Kann ich meinen Ansatz und seine Risiken nachvollziehbar erklären?
  • Halte ich meine Regeln auch dann ein, wenn kein passendes Setup vorliegt oder ein Trade verliert?
  • Dokumentiere ich meine Entscheidungen so, dass ich Fehler und Fortschritte erkennen kann?

Eine Auswertung kann zeigen, ob eine Verlustphase zu den Schwankungen Deines Ansatzes gehört oder ob Regeln, Ausführung oder Annahmen überprüft werden müssen. Auch gute Phasen verdienen diese Prüfung. Eine kurze Gewinnserie allein ist noch keine belastbare Grundlage für Deinen Lebensunterhalt.

Gib der Lernphase deshalb einen finanziellen Rahmen, der zu Deinem Alltag passt. Dein Beruf und Deine Rücklagen können Dir ermöglichen, Wissen und Erfahrung aufzubauen, während Deine laufenden Ausgaben gedeckt bleiben. So musst Du Fortschritt nicht allein daran messen, was ein einzelner Handelsmonat eingebracht hat.

Vom zweiten Standbein zum möglichen Lebensunterhalt

Wie viel Raum Trading in Deinem Leben einnehmen soll, kannst Du schrittweise entwickeln. Ein zweites Standbein neben Deinem Beruf ist ein eigenständiges Ziel. Du kannst zunächst lernen, eigenes Kapital aus Deinem Einkommen aufbauen und prüfen, wie sich eine Handelsroutine in Deinen Alltag integrieren lässt.

Beim SwingtradingBeim Swingtrading geht man von mittel- bis langfristigen "Swings", also Kursbewegungen, aus, die man versucht, profitabel zu handeln. werden Positionen über Tage bis Wochen gehalten. Vorbereitung und Prüfung der eigenen Regeln lassen sich deshalb anders organisieren als beim Handel innerhalb eines Tages. Beim Daytrading brauchst Du Zeit für die jeweilige Handelssitzung sowie Vor- und Nachbereitung. Der passende Weg hängt auch davon ab, wann Du diese Zeit aufbringen kannst.

Für den berufsbegleitenden Einstieg kannst Du Dir die Swingtrading-Ausbildung ansehen. Wenn Du mehr tägliche Handelszeit einplanen möchtest, findest Du den anderen Ausbildungsweg auf der Seite zur Daytrading-Ausbildung. Prüfe jeweils Inhalte und Ablauf im Verhältnis zu Deinem Alltag.

Trenne die Rücklagen für Deine Lebenshaltung vom Kapital, das Du beim Trading riskierst. Verluste können auch das Handelskapital erheblich reduzieren. FINRA weist für das US-Wertpapier-Daytrading ausdrücklich darauf hin, Mittel für Lebenshaltungskosten oder wichtige langfristige Ziele nicht als Tradingkapital einzusetzen. [3]

Deine Annahmen mit dem Renditerechner prüfen

Wie wirken Startkapital, monatliches Sparen und Entnahmen zusammen? Welche Unterschiede ergeben sich, wenn Du Deine Renditeannahme oder Deinen Zeithorizont veränderst? Im Renditerechner kannst Du Dein eigenes Szenario durchspielen und die Reiter für Swingtrading und Daytrading vergleichen.

Der Rechner zeigt Ergebnisse unter Deinen eingegebenen Annahmen. Ein rechnerisch mögliches Wunschgehalt ist noch kein verlässlich erzieltes Einkommen. Besonders wichtig ist deshalb, wie Dein Plan bei schwächeren Ergebnissen aussieht und ob Rücklagen sowie weitere Einkommensquellen zu Deinem finanziellen Bedarf passen.

Auch Prop-Trading- oder Funded-Trader-Modelle können eine Handelsmöglichkeit bieten. Prüfe, ob auf einem echten oder simulierten Konto gehandelt wird, welche Gebühren und Verlustgrenzen gelten und wann Auszahlungen möglich sind. Die beworbene Kontogröße ist nicht Dein frei verfügbares Vermögen. Solche Modelle brauchen eine eigene Prüfung ihrer Vertragsbedingungen. [4]

Wenn Deine tatsächlich erzielten Ergebnisse nach Kosten über einen längeren Zeitraum zu Deinen Ausgaben passen und Deine Absicherung tragfähig ist, kannst Du eine Veränderung Deiner Arbeitszeit prüfen. Dabei bleiben schwächere Handelsphasen, gegebenenfalls Steuern und die Abhängigkeit Deiner Einnahmen von den Märkten Teil der Entscheidung. Mehrere Einkommensquellen können Dir zusätzliche Handlungsmöglichkeiten geben.

Du darfst Dir vorstellen, eines Tages vom Trading zu leben. Der Realitätscheck zeigt Dir, woran Du auf diesem Weg arbeiten kannst: einen nachvollziehbaren Lernprozess entwickeln, Deine Entscheidungen überprüfen und Kapital aufbauen. Dein nächster Schritt kann heute schon darin bestehen, Deinen Ausgangspunkt zu klären und den passenden Ausbildungsweg kennenzulernen.

Quellen und Einordnung
  1. ESMA: Finfluencer – Tipps für eine verantwortungsvolle Werbung
  2. FCA: Using AI for investment research (Stand 30.07.2026)
  3. FINRA Rule 2270: Day-Trading Risk Disclosure Statement (US-Wertpapier-Daytrading)
  4. FSMA: Warnung zu untersuchten Prop-Trading-Verbrauchermodellen (07.03.2024)
Oliver Sparing
Oliver Sparing
Gründer & Head of Trading · TradeNeon
Oliver Sparing handelt seit 2011 aktiv an den Finanzmärkten. Seine beruflichen Wurzeln liegen im Edelmetallhandel in Hamburg; 2017 lernte er an einem Londoner Trading Floor. Bei TradeNeon leitet er die Daytrading- und die Swingtrading-Ausbildung und verantwortet die fachliche Entwicklung der Trading-Methodik, mit Schwerpunkt auf Orderflow, Marktstruktur und fundamentalen Marktdaten. Daraus sind Level of Interest, Futures Insights und Lab of Trades entstanden. Plattformen wie ATAS, Bookmap und WH SelfInvest laden ihn regelmäßig als Gast ein. Alle Auftritte

Die Inhalte dieses Blogs dienen ausschließlich Bildungs- und Informationszwecken und stellen keine Anlageberatung sowie keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Trading und Investitionen an den Finanzmärkten sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Deine Entscheidungen triffst und verantwortest Du selbst.

Daytrading lernen: Welcher Weg ist der richtige?

Daytrading lernen: Welcher Weg ist der richtige?

Wie Du den Aktienmarkt liest

Wie Du den Aktienmarkt liest


Prop Trading in Deutschland: BaFin, Gewerbe und Steuern

Prop Trading in Deutschland: BaFin, Gewerbe und Steuern

Der TradeNeon-Oktopus hält mit seinen Tentakeln die Logos von FTMO, The Trading Pit und 4PropTrader.
TradingOrientierung

Prop Trading
in DeutschlandBaFin, Gewerbe und Steuern

Beim Prop Trading entscheidet das konkrete Handelsmodell über Deine rechtlichen Pflichten. Bevor Du eine Challenge buchst, solltest Du verstehen, wer handelt, auf wessen Rechnung gehandelt wird und wofür Du eine Auszahlung erhältst.

Fremdkapitalhandel hat unterschiedliche Vertragsmodelle. Die Krake zeigt drei Anbieter als Beispiele.Bild: TradeNeon

Ein Anbieter wirbt mit einem Funded AccountBezeichnung eines Anbieters für ein zugeteiltes Konto. Ob es simuliert ist oder echte Orders ermöglicht, ergibt sich aus dem konkreten Programm und Vertrag. über 100.000 Dollar. Du bestehst seine ChallengePrüfphase eines Anbieters mit vorgegebenen Handels- und Verlustregeln. Dafür können Gebühren anfallen. und bekommst Zugang zu einem Konto. Aber welches Geschäft hast Du damit eigentlich vereinbart? Handelst Du auf einem Demokonto, dessen Ergebnisse vergütet werden? Oder erteilst Du echte Orders für ein Unternehmen? Diese Unterscheidung gehört vor die Frage, wie groß das Konto ist.

Dieser Artikel ordnet Prop Trading für Trader mit Tätigkeit in Deutschland ein. Er erklärt die Unterschiede zwischen Simulation und Live-Handel, die Bedeutung der BaFin-Aufsicht und die Fragen zu Gewerbe und Steuern. Für Österreich und die Schweiz gelten eigene Regeln; die deutsche Einordnung lässt sich nicht auf den gesamten deutschsprachigen Raum übertragen.

Was Du bei einem Funded Account tatsächlich bekommst

Der Begriff Prop Trading wird für unterschiedliche Geschäftsmodelle verwendet. Im klassischen Modell handelt ein Unternehmen mit eigenem Kapital. In vielen Angeboten für private Trader steht dagegen zunächst eine bezahlte Prüfung in einer simulierten Handelsumgebung im Mittelpunkt. Auch nach dieser Prüfung kann das Konto weiterhin ein Demokonto sein.

FTMO beschreibt sein Angebot ausdrücklich als simulierten Handel. Innerhalb seiner Unternehmensgruppe unterscheidet FTMO dieses Geschäft von der klassischen Handelsfirma Quantlane und vom Broker OANDA. Dass diese Unternehmen zur selben Gruppe gehören, macht ein FTMO-Demokonto noch nicht zu einem Echtgeldkonto. [1]

Die angezeigte Kontogröße ist deshalb nicht automatisch Kapital, über das Du verfügen kannst. Für Deine Entscheidung zählen vor allem die erlaubte Verlustgrenze, die laufenden Kosten und der vertragliche Anspruch auf eine Auszahlung. Über ausgezahltes Geld kannst Du erst verfügen, wenn der Anbieter die vereinbarte Vergütung tatsächlich leistet.

Die belgische Finanzaufsicht FSMA hat 2024 vor Risiken untersuchter Prop-Trading-Angebote gewarnt: wiederholte kostenpflichtige Challenges, schwierige Auszahlungsbedingungen und ein Spielcharakter, der zu unvorsichtigen Entscheidungen verleiten kann. Das ist eine Verbraucherwarnung aus Belgien und keine rechtliche Entscheidung über Deinen konkreten Vertrag in Deutschland. [2]

Wann die BaFin-Aufsicht relevant wird

Die BaFin erteilt keine allgemeine Freigabe für alles, was ein Anbieter Prop Trading nennt. Das Wertpapierinstitutsgesetz unterscheidet verschiedene Tätigkeiten. Dazu gehören der Handel für andere und die Verwaltung fremder Vermögen mit Entscheidungsspielraum. Für gesetzlich erfasste Tätigkeiten kann eine Erlaubnis erforderlich sein. [3] [4]

Wichtig ist auch die Unterscheidung zwischen EigenhandelGesetzlich definierte Tätigkeit. Im WpIG gehören dazu unter anderem Market-Making und Handel für eigene Rechnung als Dienstleistung für andere. und Eigengeschäft. Eigenhandel ist im Gesetz genauer definiert als der umgangssprachliche Handel mit eigenem Geld. Das Gesetz nennt unter anderem Market-Making und den Handel für eigene Rechnung als Dienstleistung für andere. Die bloße Herkunft des Kapitals beantwortet die aufsichtsrechtliche Frage deshalb noch nicht. [3]

Unsere Schlussfolgerung daraus: Die Formel „Demokonto erlaubt, Echtgeldkonto verboten“ reicht für eine verlässliche Einordnung nicht aus. Ebenso wenig lässt sich aus einem Live-Konto allein ableiten, dass jeder einzelne Trader persönlich eine Eigenhandelserlaubnis braucht. Die tatsächliche Tätigkeit, die Vertragsbeziehung und die organisatorische Einbindung müssen zusammen betrachtet werden.

Für Dich sind drei Fragen entscheidend: Wer ist Inhaber des Kontos? Wer trägt die rechtlichen Rechte und Pflichten aus den Geschäften? Und kannst Du selbst verbindliche Orders für fremde Rechnung auslösen? Stelle diese Fragen anhand des Vertrages und des tatsächlichen Ablaufs, nicht nur anhand der Werbeseite.

Demokonto und Signalgebung genau unterscheiden

In einer reinen Simulation löst Dein Klick keinen echten Kauf oder Verkauf eines Finanzinstruments aus. Ein Unternehmen kann Deine Handelsdaten auswerten und Dir dafür eine vertraglich geregelte Vergütung zahlen. Ob es selbst ausgewählte Trades am Markt umsetzt, ist eine weitere Ebene des Geschäftsmodells.

Diese Trennung erklärt, warum Du als Teilnehmer eines Demoprogramms eine andere Rolle haben kannst als jemand, der über eine Vollmacht unmittelbar ein fremdes Echtgeldkonto verwaltet. Der Name Signalgeber ersetzt die Prüfung aber nicht. Entscheidend bleibt, welche Befugnisse Du tatsächlich hast und welche Leistung Du dem Unternehmen erbringst.

Lass Dir daher bestätigen, dass Dein Konto simuliert ist, wie Deine Daten verwendet werden und wie die Auszahlung zustande kommt. Prüfe außerdem, ob der Vertrag dem Anbieter erlaubt, das Modell später zu ändern. Eine Support-Antwort hilft nur, wenn sie zu den geltenden Vertragsbedingungen passt.

Was ein Wechsel zum Live-Handel für Dich verändert

Manche Anbieter sehen für ausgewählte Trader einen Wechsel vom simulierten Handel in ein Live-Programm vor. Apex beschreibt in seiner aktuellen Programmübersicht, dass es Trader anhand verschiedener Kriterien für den Live-Handel auswählen kann. Die Entscheidung hängt also nicht nur von einer einzelnen bestandenen Challenge ab. [5]

Ein solcher Wechsel kann Deine Tätigkeit und die Vertragsgrundlage verändern. Kläre vor der Zustimmung, ob Du angestellt wirst oder selbstständig tätig bleibst, für welches Unternehmen Du handelst und welche Befugnisse Du erhältst. Auch die Frage, ob Du den Wechsel ablehnen und im bisherigen Programm bleiben kannst, gehört in diese Prüfung.

Wenn echte Orders für ein fremdes Unternehmen ins Spiel kommen, solltest Du die Einordnung vor dem ersten Handel fachkundig klären lassen. Eine Bewertung eines anderen Traders oder eines früheren Kontomodells beantwortet Deinen Fall nicht. Das gilt auch dann, wenn der Anbieter außerhalb Deutschlands sitzt.

Anbieter prüfen statt auf ein Konformitätslabel vertrauen

Begriffe wie „EU-reguliert“ oder „BaFin-konform“ können sehr unterschiedliche Sachverhalte verdecken. Die Registrierung einer Gesellschaft, die Erlaubnis eines Brokers und die rechtliche Einordnung Deines Vertrages sind getrennte Fragen. Prüfe deshalb immer die konkrete juristische Person und die Leistung, für die eine Aufsicht oder Erlaubnis behauptet wird.

Ein Beispiel: The Trading Pit Challenge GmbH erklärt auf ihrer eigenen Support-Seite, virtuelle Challenges anzubieten und keine Finanzdienstleistungen zu erbringen. Nach dieser Eigendarstellung benötigt dieses Angebot keine entsprechende Regulierung. Daraus folgt keine BaFin-Bestätigung für jeden Vertrag eines deutschen Traders; es erklärt aber, warum „reguliert“ und „rechtlich zulässig“ unterschiedliche Aussagen sind. [6]

Nutze bei einem behaupteten Finanzdienstleistungsangebot die Unternehmensdatenbank und die Warnmeldungen der BaFin. Gleiche Name, Internetadresse und Erlaubnisumfang ab. Umgekehrt beweist ein fehlender Datenbankeintrag bei einem reinen Simulationsangebot allein noch keine unerlaubte Finanzdienstleistung. Und das Fehlen einer Warnung ist kein Gütesiegel.

Gewerbe und Steuern gehören zum Vertragsmodell

Erhältst Du Geld für eine selbstständige, nachhaltige Tätigkeit mit Gewinnerzielungsabsicht, kann es sich um gewerbliche Einkünfte handeln. Maßgeblich sind die Voraussetzungen des Einkommensteuergesetzes und Deine tatsächliche Tätigkeit. Eine vertragliche Vergütung für Leistungen auf einem Demokonto ist anders zu prüfen als der Gewinn aus eigenen Kapitalanlagen. [7] [8]

Leite deshalb aus dem Wort Trading nicht automatisch die Abgeltungsteuer ab. Lege Deinem Steuerberater den Vertrag, Challenge-Rechnungen und Auszahlungsabrechnungen vor. Auch ein Arbeitsverhältnis in einer klassischen Handelsfirma ist anders einzuordnen als die selbstständige Teilnahme an einem Vergütungsprogramm.

Wenn Du ein anzeigepflichtiges Gewerbe beginnst, verlangt § 14 der Gewerbeordnung die Anzeige gleichzeitig mit dem Beginn. Warte deshalb nicht automatisch bis zur ersten Auszahlung. Beschreibe den Geschäftszweck zutreffend und kläre mit dem Gewerbeamt, welche Formulierung Deine tatsächliche Tätigkeit abbildet. [9]

Bei Leistungen an ausländische Unternehmen ist zusätzlich die Umsatzsteuer zu prüfen. § 3a UStG verortet viele Leistungen zwischen Unternehmern grundsätzlich beim Leistungsempfänger; es gibt Ausnahmen. Welche Rechnungspflichten gelten und ob der Empfänger die Steuer schuldet, hängt unter anderem vom Land und von der Leistung ab. „Ausländischer Anbieter“ bedeutet deshalb nicht pauschal „Reverse ChargeVerfahren, bei dem unter den geltenden Voraussetzungen der Leistungsempfänger die Umsatzsteuer schuldet. Land und konkrete Leistung sind zu prüfen.“. [10]

Diese Fragen solltest Du vor einer Challenge beantworten

  • Vertragspartner: Welche Gesellschaft schuldet Dir die Leistung und eine mögliche Auszahlung?
  • Kontomodell: Bleibt Dein Konto simuliert, oder kannst Du verbindliche echte Orders auslösen?
  • Wechsel zum Live-Handel: Unter welchen Bedingungen erfolgt er, und kannst Du ihn ablehnen?
  • Vergütung: Wann entsteht ein Anspruch, welche Regeln gelten und welche Gründe erlauben eine Ablehnung?
  • Kosten und Risiko: Welche Gebühren, Verlustgrenzen und zusätzlichen Kosten musst Du einhalten?
  • Tätigkeit: Welche aufsichtsrechtliche und steuerliche Einordnung passt zu Deinem Vertrag?

Speichere die Vertragsfassung, die Du akzeptierst, und die dazugehörigen Regeln. Wenn der Anbieter das Programm ändert, vergleiche die neue Fassung mit Deiner bisherigen Grundlage. Eine erfolgreiche Challenge ist keine Bestätigung dafür, dass Du diese Fragen geklärt hast.

Erst Deine Handelsroutine prüfen, dann Gebühren einsetzen

Auch auf einem Demokonto können für eine Challenge reale Kosten entstehen. Bevor Du dafür bezahlst, solltest Du Deine Setups, Positionsgrößen und Verlustgrenzen auf einem eigenen Demokonto nachvollziehbar anwenden können. Dokumentiere auch schwierige Phasen. Eine kurze Gewinnserie zeigt noch nicht, wie Du mit einer Verlustphase oder den zusätzlichen Regeln eines Anbieters umgehst.

Prop Trading ersetzt weder die Arbeit an Deiner Handelsmethode noch die Prüfung des Vertrages. Für die Entscheidung zählt, wie das Modell zu Deinem Können, Deinem verfügbaren Geld und Deiner Risikorechnung passt. Der langfristige Handel mit eigenem Kapital bleibt ein eigener Weg, bei dem Du Deine Handelsroutine ohne die zusätzlichen Challenge- und Auszahlungsregeln eines Prop-Anbieters aufbauen kannst.

Wenn Du an Deiner Handelsroutine arbeiten möchtest, findest Du im Artikel zur Positionsgröße und zum Risikomanagement die Berechnung des Risikobudgets. Der Beitrag zum Money Management zeigt, wie Du Verluste und die Entwicklung Deines Kontos zusammen betrachtest.

Quellen und Einordnung
  1. FTMO Group: Simulation, Quantlane und OANDA
  2. FSMA: Verbraucherwarnung zu untersuchten Prop-Trading-Modellen, 07.03.2024
  3. § 2 WpIG: Begriffsbestimmungen
  4. § 15 WpIG: Erlaubnispflicht und Eigengeschäft
  5. Apex: Live Prop Trading Program FAQ
  6. The Trading Pit: Are you regulated? — Eigendarstellung des Anbieters
  7. § 15 EStG: Einkünfte aus Gewerbebetrieb
  8. § 20 EStG: Einkünfte aus Kapitalvermögen
  9. § 14 GewO: Beginn und Anzeige eines Gewerbes
  10. § 3a UStG: Ort der sonstigen Leistung
Oliver Sparing
Oliver Sparing
Gründer & Head of Trading · TradeNeon
Oliver Sparing handelt seit 2011 aktiv an den Finanzmärkten. Seine beruflichen Wurzeln liegen im Edelmetallhandel in Hamburg; 2017 lernte er an einem Londoner Trading Floor. Bei TradeNeon leitet er die Daytrading- und die Swingtrading-Ausbildung und verantwortet die fachliche Entwicklung der Trading-Methodik, mit Schwerpunkt auf Orderflow, Marktstruktur und fundamentalen Marktdaten. Daraus sind Level of Interest, Futures Insights und Lab of Trades entstanden. Plattformen wie ATAS, Bookmap und WH SelfInvest laden ihn regelmäßig als Gast ein. Alle Auftritte

Oliver Sparing im Interview: Orderflow und Swingtrading

Oliver Sparing im Interview: Orderflow und Swingtrading

Zwei gepolsterte Sessel stehen einander gegenüber, dazwischen hängt ein Studiomikrofon an einem Schwenkarm.
VideoInterview

Oliver Sparing im Interview:
Orderflow und
Swingtrading

Wissen und Fleiß schlagen Talent. Oliver Sparing spricht über seinen Weg ins Trading – und darüber, wie er Marktanalyse, Orderflow und Risikomanagement verbindet.

Ein langes Gespräch über einen Weg ins Trading, ohne Abkürzungen.Bild: TradeNeon

Das Wichtigste vorweg

Oliver beginnt mit der Marktanalyse und prüft mögliche Einstiege anschließend im Orderbuch. Im Swingtrading kombiniert er mehrere Strategien. CoT-Daten und Saisonalität liefern dafür Orientierung; den Einstieg bestimmt das Setup, die Positionsgröße das Risikomanagement.

01

Das Video

Beim Abspielen wird eine Verbindung zu YouTube hergestellt. Auf YouTube ansehen

Kapitel im Video 27

Ein Klick auf eine Zeitmarke startet das Video an dieser Stelle.

Video: Insider TradingWeitere Videos von TradeNeon findest Du auf unserem YouTube-Kanal.

02

Olivers Weg zum Trading

Oliver kommt aus dem Rohstoffbereich. Wie er im Interview erzählt, beschäftigt er sich um 2010 und 2011 mit der Börse; beruflich handelt er damals mit physischen Anlagemetallen wie Münzen und Barren, nicht an der Börse.

Sein erstes CFD-Konto verliert er am ersten Abend, und das wird zum Anlass, die Börse von Grund auf zu lernen. Danach folgen Swingtrading und der Optionshandel, die erste Disziplin, in der es für ihn aufging. Später kommen das Daytrading sowie der Orderbuch- und der Orderflow-Handel hinzu, zum Zeitpunkt des Interviews seine Steckenpferde. Daneben handelt er weiter Optionen, auch Zero-DTE-Optionen, außerdem Futures, Rohstoffe und Aktien.

Das Handwerk im Daytrading hat er an einem Trading Floor in London gelernt. Ein Trading-Naturtalent war Oliver nicht: Vieles musste er sich hart erarbeiten, und es dauerte lange, bis er profitabel wurde. Weil er ein emotionaler Mensch ist, passt er Positionen und Risiko an seinen Charakter an.

Sein Einstieg über CFDs ist für Oliver auch ein Beispiel dafür, wie stark der erste Kontakt zur Börse von Werbung und persönlichen Begegnungen geprägt sein kann. Später konzentriert er sich auf börsengehandelte Aktien, Futures und Optionen. Er beschreibt damit seinen eigenen Lernweg; daraus lässt sich keine pauschale Bewertung heutiger Broker ableiten.

03

Wo ein Trade infrage kommt

Der Tag im Orderflow-Daytrading beginnt mit einer umfangreichen Marktanalyse. Wichtig ist zu verstehen, welche Setups man handelt, und mindestens genauso, wo man sie handelt. Dafür wertet Oliver jeden Morgen mehrere Datenquellen aus: Daten aus Dark Pools, die SPANEin Risikoverfahren zur Berechnung von Margin-Anforderungen anhand verschiedener Markt- und Portfolio-Szenarien. Es weist keine institutionellen Kauf- oder Verkaufsabsichten aus.-Daten der CME, Optionsdaten und Dealer-Hedging-Daten, dazu die Liquidität im Orderbuch sowie Volume Profiles und Market Profiles. SPAN dient der Margin-Berechnung. Daraus abgeleitete Preiszonen sind Teil seiner Analyse, kein direkter Nachweis institutioneller Positionen.

Aus der Kombination entstehen Zonen, in denen institutionelles Interesse liegen dürfte. Daraus ergibt sich der Plan für den Tag: wo Trades infrage kommen, wo nicht (mindestens genauso wichtig) und in welche Richtung. „Marktanalyse ist das A und O. Du willst niemals irgendwo im Nirgendwo traden“, sagt Oliver Sparing. Die Analyse macht er weiterhin von Hand. Die Software von TradeNeon ist eine Spiegelung davon: Sie bringt die Levels in die Charts verschiedener Plattformen.

Dealer Hedging

Im Mittelpunkt steht das Dealer HedgingAbsicherung der Risiken eines Händlerportfolios, beispielsweise durch Futures oder Aktien. Die erforderliche Anpassung hängt von der Nettoposition und ihrer Sensitivität ab.. Market MakerMarktteilnehmer, die Kauf- und Verkaufskurse stellen. Dabei tragen sie unter anderem Bestands- und Kursrisiken, die sie steuern oder absichern. stellen Kauf- und Verkaufskurse und übernehmen dabei Positionsrisiken. Sie können das Kursrisiko ihres Optionsportfolios beispielsweise mit Futures oder Aktien absichern. Verändert sich dessen Delta, kann eine Anpassung dieser Absicherung nötig werden. Entscheidend ist die Nettoposition des Portfolios, nicht jeder einzelne Optionstrade für sich. Modelle können mögliche Hedging-Flüsse abschätzen; sie hängen aber von den verfügbaren Daten und Annahmen über die Positionierung ab. Daraus folgt kein sicherer Kauf- oder Verkaufszwang an einer bestimmten Marke.

CoT-Daten nutzt Oliver für den mittel- bis längerfristigen Blick. Die Berichte erscheinen in der Regel freitags mit dem Stand vom Dienstag und sind keine Echtzeitdaten für einen Intraday-Einstieg. Dealer-Hedging-Modelle nutzt er dagegen zur Vorbereitung des Handelstags. Auch diese Zonen bleiben Arbeitshypothesen: Ob eine Reaktion entsteht, muss er am Level prüfen. Ein Preislevel allein reicht ihm deshalb nicht für eine Limit-Order. Der Stop muss zum Setup und zur Volatilität passen; bei schnellen Bewegungen kann die Ausführung vom vorgesehenen Preis abweichen.

Icon des Onlinekurses Dealer Hedging
Onlinekurs Dealer Hedging
Dealer Hedging von Grund auf verstehen
Lerne Optionen, Griechen und die Berechnung möglicher Hedging-Bereiche kennen. Der Kurs behandelt Beispiele aus dem Options-, Aktien- und Futureshandel.
Zum Dealer-Hedging-Kurs

Was im Orderbuch passiert

Kommt der Markt an ein vorher definiertes Level, schaut Oliver ins Orderbuch. Heatmap und klassisches Orderbuch haben beide ihren Nutzen; er arbeitet viel mit der HeatmapDie Heatmap zeigt das Orderbuch über die Zeit: wo Limit-Orders lagen und wie groß sie waren. und kombiniert beide Darstellungen. Beobachtet wird, wie sich Liquidität verschiebt, wo Orders gefillt werden, wo neue hereinkommen, wo rebalanciert wird und wie sich das Delta verändert. Das Orderbuch soll den Plan bestätigen, der vorher gemacht wurde.

Was Oliver im Orderbuch sieht, muss er interpretieren. Sein Ziel ist ein wiederholbares Setup, dessen Ergebnisse sich auswerten lassen. Ein früher Einstieg und das Warten auf zusätzliche Bestätigung haben unterschiedliche Folgen für Einstiegspreis, Stop-Abstand und Chance-Risiko-Verhältnis. Welche Variante für seinen Ansatz tragfähig ist, prüft er anhand der Statistik. Eine günstige historische Auswertung ist dabei noch kein Beleg dafür, dass ein Vorteil künftig bestehen bleibt.

Oliver sieht in KI eine Möglichkeit, Teile solcher Strategien algorithmisch umzusetzen. Zugleich hält er den menschlichen Interpretationsspielraum im diskretionären Daytrading für relevant. Das ist seine Einschätzung; ob daraus ein Vorteil entsteht, muss sich für den jeweiligen Ansatz erst zeigen.

Die fünf Faktoren im Orderflow

  • Passive Marktteilnehmer Wie verändern sich Limit-Orders, wo werden sie ausgeführt oder zurückgezogen? Eine Löschung allein belegt noch kein SpoofingOrders, die bereits mit der Absicht eingestellt werden, sie vor der Ausführung zu stornieren. Nicht jede zurückgezogene Order ist Spoofing; die Absicht lässt sich aus der Heatmap allein nicht sicher feststellen..
  • Aktive Marktteilnehmer Wer bewegt den Markt mit Market Orders, und gibt es einen Shift im Delta?
  • Markt- und Auktions­geschwindigkeit Das lässt sich im klassischen Orderbuch besser beobachten. Fängt der Markt an zu „zappeln“?
  • Orderflow-Events AbsorptionGroße Mengen aggressiver Orders werden von Limit-Orders aufgenommen, ohne dass der Kurs weiterläuft., Stoprun, Exhaustion, Sweeps.
  • Price Action In der Mikrostruktur ist sie mindestens so relevant wie auf einem Tages- oder Monatschart.

Entscheidend ist, dass diese Vorgänge an Preiszonen stattfinden, die seine Analyse als möglicherweise relevant eingeordnet hat. Nur ein kleiner Teil dessen, was im Markt ständig passiert, ist nutzbar. Gerade Einsteiger sehen nach den ersten Konzepten wie Absorption oder Eisbergorders hinter jeder Ecke eine Gelegenheit.

04

Am Level zählt die Reaktion

Oliver konzentriert sich im Interview auf die US-Session und vor allem auf die ersten ein bis zwei Stunden nach der Eröffnung in New York. Die letzten beiden Handelsstunden hat er früher häufiger gehandelt. Seit seinem Umzug nach Dubai nutzt er diese späte Phase nach eigener Aussage allenfalls noch für statistische Zero-DTE-Trades, nicht mehr für sein klassisches Daytrading. Sein Schwerpunkt liegt auf dem ES-Future, dem E-mini S&P-500-Future; früher handelte er auch Gold- und Erdöl-Futures. Für den ES stehen ihm die meisten Daten für seine Analyse zur Verfügung.

Zuerst schaut er auf sein Bild vom Markt: Stunden- und Vier-Stunden-Chart, in welcher übergeordneten Marktphase der Markt steht, wie er auf seine Levels reagiert hat. Dann legt er sich einen Plan zurecht und stellt einen Alarm auf das nächste relevante Preislevel. Ein häufiger Anfängerfehler ist es, davor zu sitzen und sich verrückt zu machen, weil man hinter jeder Ecke eine Gelegenheit sieht. Er wartet geduldig, bis der Markt an die Zone kommt, und beobachtet dann das Orderbuch.

Dafür nutzt er einen klassischen Candlestick-Chart auf 5 Minuten, „ein guter alter 5-Minuten-Chart“. Ein 1-Minuten- oder 15-Minuten-Chart ist genauso in Ordnung. Dazu kommen ein Market Profile und ein Volume Profile, um Auktionsverfahren und Marktstruktur nachzuvollziehen. In der Praxis arbeitet er mit einer Kombination aus Bookmap und TradingView. Für Orderbuchdaten braucht man Live-Marktdaten der Börse und eine Software wie Bookmap oder Quantower, in Kombination mit einem Datenfeed.

Um wichtige Nachrichtentermine macht Oliver einen Bogen. Er beschreibt, wie vor US-Wirtschaftsdaten sichtbare Liquidität aus der Heatmap verschwinden und nach der Veröffentlichung zurückkehren kann. Er wartet, bis sich die Bedingungen für seinen Ansatz wieder beruhigt haben. Eine feste Minutenzahl macht den Markt nicht verlässlich handelbar. Sein kurzfristiger Fokus liegt auf Marktmechanik und Orderflow; überraschende Wirtschafts- und Politiknachrichten können trotzdem Preis und Ausführung beeinflussen.

05

Im Swingtrading zählt das Portfolio

Aus Olivers Sicht verlangt Orderflow-Daytrading viel Einarbeitung und Erfahrung. Die eigene Statistik hilft ihm, Vertrauen in einen Ansatz aufzubauen; sie beseitigt die Unsicherheit künftiger Ergebnisse nicht. Swingtrading erlebt er häufig als ruhiger und leichter vermittelbar. Wer sich für Daytrading entscheidet, sollte aus seiner Sicht großes Interesse an den Märkten mitbringen und die psychische Belastung ernst nehmen. Das Motto „Trade like a Machine“ passt nicht zu ihm: Menschen haben Emotionen und müssen lernen, damit umzugehen. Wenn er merkt, dass er emotionaler reagiert, verzichtet er in dieser Phase auf Daytrading.

Mehrere Strategien statt einer

Oliver baut sein Trading-Portfolio wie ein langfristiges Aktienportfolio auf: mit Diversifikation, also mit mehreren, möglichst wenig miteinander korrelierenden Strategien. Wer sich nur auf eine verlässt, kann über längere Zeit eine schlechte Phase erleben. Das hat er selbst bei klassischen Einkommensstrategien mit Optionen auf den ES-Future und den SPX gesehen. Für den Anfang ist es dagegen wichtig, zuerst eine Strategie richtig zu lernen und sich erst danach breiter aufzustellen. Im Swingtrading arbeitet er mit vier Bausteinen.

  • Rohstoffhandel mit CoT-Daten Als theoretisches Fundament dienen CoT-Daten, saisonale Muster und Terminstruktur, kombiniert mit einem markttechnisch logischen Setup.
  • Strategie im 4-Stunden-Chart Sie kombiniert Marktstruktur und Auktionslogik mit Fibonacci Retracements.
  • Drei Aktienstrategien Eigene Indikatoren filtern Aktien nach verschiedenen Kriterien vor. Danach steigt er im Momentum oder bei Rücksetzern ein.
  • Optionsstrategien Als vierter Baustein kommen Optionsstrategien hinzu.

Swingtrading ist sein „Brot und Butter“. Wie sich Day- und Swingtrading bei Kunden verteilen, schwankt: Mal gibt es mehr Interesse an dem einen, mal an dem anderen. Manche ergänzen nach einer Zeit das Daytrading, andere merken im Daytrading, dass es sie zu sehr stresst, und wechseln ins Swingtrading.

CoT-Daten und eigene Indikatoren

Im Rohstoffbereich nutzt Oliver CoT-Daten als Basisfilter. Er beschreibt eigene Indikatoren, die neben der Positionierung auch das Open InterestDie Zahl aller offenen Kontrakte in einem Future-Markt., die Zahl der gemeldeten Händler und den Preis berücksichtigen. Dabei ist die Datenbasis zu unterscheiden: Der Disaggregated CoT Report führt Produzenten, Händler, Verarbeiter und Nutzer eines Rohstoffs in einer gemeinsamen Gruppe. Separate Long- und Short-Positionen dieser Gruppe weisen deshalb nicht automatisch Produzenten und Weiterverarbeiter getrennt aus.

Dry PowderTradeNeon-Indikator auf Basis von Open Interest und Trader-Anzahl zur Einordnung des Positionierungsspielraums. nutzt laut TradeNeons Produktbeschreibung Open Interest und Trader-Anzahl. OBOS setzt die aktuelle Positionierung ins Verhältnis zum offenen Interesse und zu den Extremwerten der Vorjahre. Beide betrachten die Positionierung aus unterschiedlichen Perspektiven; die vereinfachte Gleichsetzung von Dry Powder mit einer absoluten Nettoposition greift zu kurz.

Für Oliver ersetzt diese Ausgangslage noch keinen Einstieg. Bei seinem Ansatz wartet er auf ein passendes Setup, bevor er sich gegen einen vorherrschenden Trend positioniert. Er beschreibt einen markanten Volumenberg im Volume Profile und den ersten Ausbruch daraus gegen die bisherige Trendrichtung. Die CoT-Analyse soll ihm helfen, das mögliche Potenzial einer Bewegung einzuordnen. Ob und wann daraus ein Trade wird, entscheidet erst das Zusammenspiel mit dem Chart. Wie die Daten grundsätzlich funktionieren, steht ausführlich im Video-Artikel zum ATAS-Webinar.

Bei der Auswahl der Händlergruppen verweist Oliver auf interne Auswertungen, in denen die Positionierung spekulativer Großanleger besonders eng mit dem Preis zusammenhing. Die vollständigen Testdaten und die Methodik liegen diesem Artikel nicht zur unabhängigen Prüfung vor; die Aussage bleibt als sein Erfahrungsbericht eingeordnet. Eine Korrelation allein belegt weder Prognosekraft noch einen handelbaren Vorteil. Managed MoneySpekulative Großanleger im disaggregated CoT-Report, etwa Hedgefonds. ist eine Gruppe im Disaggregated CoT Report und nicht deckungsgleich mit allen Non-Commercials im älteren Berichtsformat. Auch bei Commercials lässt die Gruppenzuordnung nicht erkennen, welchem Zweck jede einzelne Position dient.

Saisonalität

Für seine saisonale Analyse betrachtet Oliver nach eigener Aussage zehn Jahre und verwendet bei Futures adjustierte Kursreihen, damit Preisunterschiede beim Wechsel des Kontrakts das Muster nicht als scheinbare Marktbewegung verzerren. Diese Back-AdjustierungKurse alter Kontrakte werden um die Rollsprünge bereinigt, damit ein durchgehender Chart entsteht. ersetzt noch keinen realistischen Strategietest mit den tatsächlich gehandelten Kontrakten, Rollvorgängen und Kosten.

Er prüft die Muster am Jahresanfang für die relevanten Märkte. Besonders interessieren ihn Zeitfenster von ungefähr zehn Handelstagen bis zu einem Monat. Sein Auswahlfilter verlangt, dass der Markt in mindestens neun der vergangenen zehn Jahre in die betreffende Richtung gelaufen ist. Das beschreibt die beobachtete Vergangenheit, keine künftige Trefferwahrscheinlichkeit. Zudem bewertet er Muster marktspezifisch, weil sich die Schwankungen der Märkte unterscheiden.

Eine Saisonalität ist ein Fundamentalfaktor unter mehreren und ebenso wenig wie CoT-Daten ein reiner Einstiegsauslöser. Gesucht werden Einstiege, die auf Auktionslogik basieren, mit einem charttechnischen Einstieg. Zum Zeitpunkt des Interviews handelt Oliver auch mal gegen eine Saisonalität, wenn alles andere für ein Traumsetup spricht, was er vor einigen Jahren noch nicht getan hätte. Saisonalitäten spielen für Oliver im Rohstoffbereich eine geringere Rolle als vor einigen Jahren.

06

Risiko gehört in den Plan

Oliver beschreibt seine Positionsgrößen als bewusst konservativ und seine Margin-Auslastung als begrenzt. Bei Aktienstrategien hält er auch mehrere Positionen parallel. Für die Risikobetrachtung zählt dabei neben dem einzelnen Trade das Gesamtrisiko: Ähnliche Positionen können gleichzeitig verlieren. Die hinterlegte Margin ist zudem keine Obergrenze des möglichen Verlusts.

„Ich denke, Trading ist ein Handwerk“, sagt Oliver Sparing. Er betont Lernbereitschaft, Erfahrung und die Arbeit am eigenen Vorgehen. Ob jemand später allein vom Trading leben möchte, ist für ihn eine eigene Frage. Er rät davon ab, sich zu früh ausschließlich darauf zu verlassen. Ein zweites Standbein ist völlig legitim; aus der Lernbarkeit des Handwerks folgt keine Zusage profitabler Ergebnisse.

Als Ausbilder macht ihm die Arbeit nach eigener Aussage Freude, weil er anderen weiterhelfen kann. Im Gespräch berichtet er auch, dass seine Coaches selbst seine Ausbildung durchlaufen haben.

Zum Schluss wirbt Oliver für Geduld: Der Lernweg kann lang sein, und Erfahrung braucht Zeit. Er empfiehlt, mit Freude dranzubleiben und zunächst möglichst lange im Demokonto zu üben. Trading hat für ihn viel mit Erfahrung und dem eigenen Charakter zu tun.

07

Was Du aus dem Interview mitnehmen kannst

  • Der Ort kommt vor dem Setup. Zuerst legst Du in der Marktanalyse fest, wo institutionelles Interesse liegen dürfte. Ohne diesen Plan hat ein Trade keinen Bezugspunkt.
  • Das Orderbuch muss zum Plan passen. Am Level entscheidet nicht die Marke allein, sondern was im Orderbuch passiert.
  • Statistik hilft, ein Setup zu prüfen. Historische Ergebnisse schaffen eine Prüfgrundlage, nehmen Dir aber die Unsicherheit künftiger Trades nicht ab.
  • Daten wie CoT und Saisonalität sind ein Fundament. Sie geben eine Ausgangslage. Den Einstieg liefert das Setup im Chart.

„Was viele am Anfang ihrer Tradingkarriere nicht wahrhaben wollen, ist, dass wir als Trader in erster Linie Mathematiker und Statistiker sind.“

Oliver Sparing im Interview bei Insider Trading
08

Über das Interview

Das Interview erschien am 29. März 2026 auf dem YouTube-Kanal Insider Trading. Dieser Artikel fasst Olivers Erfahrungen und Einschätzungen zusammen und ergänzt fachliche Einordnungen. Die Angaben zu seinem Handelsalltag beziehen sich auf das Gespräch. Seine persönlichen Ergebnisse und internen Auswertungen wurden hier nicht unabhängig verifiziert. Oliver ist auch bei anderen Partnern zu Gast; alle Auftritte findest Du auf unserer Seite Zu Gast bei.

Quellen zur fachlichen Einordnung

Fachlich geprüft am 8. Oktober 2026.

Daytrading-Ausbildung
Wie baust Du Deinen eigenen Handelsablauf auf?
Im Strategiegespräch schauen wir gemeinsam auf Deine Situation und ordnen ein, ob und wie die Daytrading-Ausbildung zu Deiner Zeit, Deinem Naturell und Deinem Kapital passt. Dreißig Minuten, unverbindlich.
Strategiegespräch vereinbaren
Häufige Fragen
Wie läuft ein Handelstag im Orderflow-Daytrading ab?

Oliver beginnt mit einer Marktanalyse aus mehreren Datenquellen und legt mögliche Preiszonen fest. Erreicht der Markt eine solche Zone, prüft er im Orderbuch, ob die aktuelle Reaktion zu seinem Setup passt. Die Zone ist eine Arbeitshypothese und noch kein Einstieg.

Reichen CoT-Daten allein für einen Trade?

Für Olivers Vorgehen nicht. Die wöchentlichen Daten liefern Hintergrund zur Positionierung. Für den Einstieg wartet er zusätzlich auf ein passendes Setup im Chart; eine extreme Positionierung sagt nicht, wann ein Markt dreht.

Welche Software und Daten braucht man für Orderflow-Daytrading?

Für Orderbuchdaten braucht man Live-Marktdaten der Börse und eine Software wie Bookmap oder Quantower in Kombination mit einem Datenfeed. Oliver arbeitet in der Praxis mit einer Kombination aus Bookmap und TradingView.

Wird rund um Nachrichtentermine gehandelt?

Oliver vermeidet wichtige US-Nachrichtentermine. Er wartet, bis sich Liquidität und Marktbewegung für seinen Ansatz wieder beruhigt haben. Es gibt dafür keine allgemein verlässliche Wartezeit; auch nach der Veröffentlichung können starke Bewegungen auftreten.

Marnie Aramruck
Marnie Aramruck
Gründerin & Head of Brand & Psychology · TradeNeon
Marnie Aramruck kam über einen ungewöhnlichen Weg zum Trading: zehn Jahre selbstständig in Eventmanagement, Marketing und Design, bevor sie sich der Psychologie hinter Entscheidungen widmete. Als Master-Emotionscoach und Resilienztrainerin arbeitet sie heute an der Frage, was Trader brauchen, um auch unter Druck ruhig und klar zu bleiben. Ihr Thema ist nicht der Chart, sondern der Mensch davor.

Swingtrading nebenberuflich: So funktioniert Trading im Alltag

Swingtrading nebenberuflich: So funktioniert Trading im Alltag

Eine Buddha-Figur mit Kopfhörern sitzt abends mit Laptop und Kaffeetasse am Schreibtisch; dahinter leuchtet eine Stadt.
Swingtrading Grundlagen

Trading, das sich in Dein Leben einfügt

Wie Swingtrading neben dem Beruf funktioniert, welche Zeit und welches Kapital Du dafür brauchst und welche Strategien TradeNeon vermittelt. Die Swingtrading-Ausbildung setzt für die tägliche Handelsroutine rund 30 Minuten an; in der Lernphase kommt Zeit hinzu.

Swingtrading lässt sich mit einer festen Handelsroutine neben dem Beruf organisieren.Bild: TradeNeon

Nach einem langen Tag mit Arbeit, Studium oder Training kehrst Du nach Hause zurück. Du öffnest kurz die Märkte und merkst sofort, wie Dich das Geschehen wieder fesselt.

Doch dann kommt der Gedanke: „Dafür habe ich doch gar keine Zeit.“ Schließlich ist Trading mit intensiver Recherche, Dauerfokus und endloser Screen Time verbunden, oder?

Tatsächlich stellen sich viele Trading als Vollzeitbeschäftigung vor, mit stundenlangem Chartstudium und nervösem Klicken. Kein Wunder, dass es für Berufstätige oft unerreichbar wirkt.

In Wirklichkeit geht es aber auch anders. Trading muss nicht hektisch sein, wenn man sich für die richtigen Ansätze entscheidet. Es gibt ganz speziell eine Handelsdisziplin, die Planung, Geduld und Struktur erfordert statt Dauerpräsenz: Swingtrading.

01

Was ist Swingtrading eigentlich?

Swingtrading ist eine Handelsform, bei der Positionen über mehrere Tage bis hin zu einigen Wochen gehalten werden. Ziel ist es, mittelfristige Kursbewegungen zu nutzen, also die sogenannten „Swings“ im Markt.

Im Gegensatz zum Daytrading, wo Trades oft innerhalb weniger Minuten geschlossen werden, geht es beim Swingtrading darum, größere Marktphasen zu handeln. Also Bewegungen, die sich über mehrere Tage entwickeln und klarer in ihrer Struktur sind.

Das macht diesen Stil mit weniger Bildschirmzeit planbar. Ein Swingtrader beobachtet den Markt nicht ständig, sondern sucht gezielt nach Setups mit gutem Chance-Risiko-VerhältnisDas Chance-Risiko-Verhältnis wird durch den möglichen Gewinn und möglichen Verlust eines Trades berechnet — Beispiel: 100 $ Chance gegen 50 $ Risiko ergibt ein CRV von 2:1.. Die Entscheidungen fallen meist außerhalb der Handelszeiten, oft am Abend oder am Wochenende.

Swingtrader analysieren häufig auf dem Vier-Stunden- oder Tageschart. Die Analyse basiert auf denselben Prinzipien wie beim kurzfristigen Handel, aber mit einem größeren Zeithorizont. Unterstützungen, Widerstände, Trendlinien oder Fibonacci-Retracements spielen ebenfalls eine wichtige Rolle, werden jedoch über längere Zeiträume betrachtet.

Dadurch entstehen oft weniger Signale. Ob ein Trade gut ist, zeigt sich erst an Regeln, Risiko und Ergebnis. Viele Swingtrader handeln nur wenige Positionen pro Woche, manche sogar nur eine Handvoll im Monat. Wie viele Positionen sinnvoll sind, hängt vom System und der Marktlage ab; eine sorgfältige Vorbereitung ersetzt keine Risikokontrolle.

Um den Unterschied greifbarer zu machen, hier ein kurzer Vergleich:

KriteriumDaytradingSwingtrading
HaltedauerMinuten bis StundenTage bis Wochen
Zeiteinheit der Analyse1 bis 15 Minuten4 Stunden bis Tageschart
HandelsfrequenzMehrere Trades pro TagWenige Trades pro Woche
Betreuung offener TradesWährend der HandelssitzungIn festen täglichen Zeitfenstern

Wie Du siehst, ist Swingtrading kein Kompromiss zwischen Daytrading und Investieren, sondern eine eigenständige Handelsdisziplin. Es vereint analytisches Denken mit strategischer Geduld. Das kann für Berufstätige passen, wenn die tägliche Routine und das Risiko zum eigenen Alltag passen.

02

Warum sich Swingtrading perfekt zum nebenberuflichen Traden eignet

Viele Swingtrader arbeiten nach einem festen Wochenrhythmus. Die Hauptanalyse findet meist am Wochenende statt. Dort werden interessante Märkte ausgewählt, Setups vorbereitet und Alarme gesetzt. Während der Woche geht es dann nur noch darum, den Plan umzusetzen und gelegentlich zu prüfen, ob Anpassungen nötig sind.

Genau das macht Swingtrading so alltagstauglich. Der Markt läuft, während Du Deinem Alltag nachgehst. Du musst nicht ständig eingreifen, sondern überprüfst Deine Positionen gezielt und behältst somit die Kontrolle, ohne dass Trading Deinen Alltag bestimmt.

Auch psychologisch bietet Swingtrading für viele Trader deutliche Vorteile. Wer nicht jede Kursbewegung verfolgt, reagiert weniger impulsiv und trifft Entscheidungen mit mehr Abstand. Das kann helfen, impulsive Entscheidungen zu vermeiden. Geduld und Disziplin bleiben trotzdem nötig.

Swingtrading braucht weniger Bildschirmzeit als Daytrading, aber dieselbe Sorgfalt bei Analyse, Positionsgröße und Risiko.

Dieser Weg erfordert Disziplin in der Vorbereitung, nicht in ständiger Präsenz. Trading muss sich in Dein Leben einfügen, nicht umgekehrt.

03

Zeit, Kapital und Rendite: Was realistisch ist

Zeit und Kapital bilden den Rahmen, in dem Swingtrading nebenberuflich überhaupt funktioniert. Die drei Eckwerte auf einen Blick:

Zeitaufwand
30 Min.
tägliche Handelsroutine; während der Ausbildung kommt Lernzeit hinzu
Kapitalbedarf
ab 3.000 €
Aktien-Systeme; Optionen ab 10.000 € · nur entbehrliches Kapital
Rendite
10–40 %
Orientierungsrahmen für ausgebildete Trader nach dem Lernjahr; keine Garantie

Zeitaufwand. Für die Handelsroutine der sechs Swingtrading-Systeme nennt TradeNeon etwa 30 Minuten am Tag. In den ersten Monaten kommt die Lernzeit für Unterricht, Übung und Software hinzu. Ein einzelnes System kann weniger Zeit benötigen. Aktuelle Angaben zur Ausbildung.

Kapitalbedarf. Für die Aktien-Systeme nennt TradeNeon einen Einstieg ab 3.000 €, für die Options-Systeme ab 10.000 €. Das Geld muss entbehrlich sein; Positionsgröße und Verlustgrenze werden vor jedem Trade festgelegt. Kapitalanforderungen im Überblick.

Rendite. Die Spanne von 10 bis 40 Prozent durchschnittlicher Jahresrendite ist ein ambitionierter Orientierungsrahmen aus der TradeNeon-Praxis für gut ausgebildete Trader nach dem Lernjahr, die erprobte Systeme und Risikoregeln konsequent umsetzen. Sie ist kein Versprechen. Verlustmonate und auch Verlustjahre sind möglich. Echtgeld-Performance und Einordnung ansehen.

Ehrlich eingeordnet

Das erste Ausbildungsjahr ist ein Lernjahr ohne Renditeerwartung. Ergebnisse hängen von System, Ausführung und Marktphase ab. Auch bei konsequentem Risikomanagement sind Verluste möglich.

04

Swingtrading-Strategien im Überblick: Systeme, die wirklich funktionieren

Swingtrading basiert auf der Fähigkeit, wiederkehrende Strukturen im Markt zu erkennen und systematisch zu nutzen. Es geht nicht darum, jede Bewegung zu erwischen, sondern gezielt Setups nach festen Regeln zu prüfen. Dafür braucht es Systeme, die Märkte aus unterschiedlichen Blickwinkeln analysieren und Einstieg, Ausstieg und Risiko festlegen. Auch ein gut begründeter Trade kann verlieren.

Bei TradeNeon entwickeln wir deshalb unterschiedliche Ansätze weiter, die verschiedene Marktmechanismen abdecken. Um Dir eine Idee zu geben, stelle ich im Folgenden das Rohstoff-System, das Fibonacci-System, einen Ansatz im Optionshandel und das Aktien-Momentum-System vor. Die Systeme folgen verschiedenen Disziplinen; keines davon ist in jeder Marktphase profitabel.

Rohstoffhandel im Swingtrading: Wie institutionelle Daten Trends sichtbar machen

Rohstoffmärkte bewegen sich selten ohne Grund. Hinter den großen Preisbewegungen stehen fast immer Veränderungen im Verhalten der großen Marktteilnehmer. Unser Rohstoff-System nutzt genau diese Information: Es kombiniert Fundamentaldaten mit klarer Chartanalyse.

Welche Fundamentaldaten?

Du fragst Dich, was genau mit Fundamentaldaten gemeint ist? Wir nutzen hierfür eine Vielzahl an unterschiedlichen Informationen:

  • CoT-DatenMeldepflichtige Positionen werden von berichtenden Firmen an die US-Behörde CFTC übermittelt. Die CFTC veröffentlicht wöchentlich aggregierte Positionen nach Händlergruppen.
  • Saisonalitäten
  • TerminkurvenFür jeden Future gibt es mehrere Kontraktmonate mit unterschiedlichen Ablaufdaten und Preisen. Diese Preisstruktur über die Laufzeiten nennt man Terminkurve.
  • Marktdynamik

Wenn große Marktteilnehmer ihre Positionen verändern, können CoT-Daten Hinweise auf eine Verschiebung geben. Wir beobachten diese Veränderungen und suchen nach charttechnischer Bestätigung, bevor ein Setup infrage kommt.

Unser Ziel dabei? Mittelfristige Bewegungen in liquiden Rohstoffmärkten wie Gold, Öl oder Kupfer anhand der Systemregeln zu prüfen und gegebenenfalls zu begleiten.

In der Ausbildung nutzen wir Futures Insights, um CoT-Daten, Saisonalität und weitere Marktinformationen für die Analyse aufzubereiten. Die Einordnung der Daten und die Handelsentscheidung bleiben beim Trader.

Die CFTC veröffentlicht CoT-Berichte zu meldepflichtigen Positionen in Terminmärkten. Sie zeigen Positionierung, sind aber für sich allein kein Einstiegssignal.

Fibonacci-System: Marktbewegungen verstehen mit klaren Strukturen

Trends verlaufen selten in einer geraden Linie. Auf Bewegungen können Korrekturen folgen. Manche Systeme suchen dort nach einem Einstieg, doch ein Retracement garantiert keine Trendfortsetzung.

Du fragst Dich, wie wir diese Umkehrzonen finden? Im Kern verbinden wir klassische Fibonacci-Retracements mit der Marktlogik von Angebot und Nachfrage. Dabei spielt das Volumenprofil eine wichtige Rolle. Es zeigt, wo sich Marktteilnehmer tatsächlich engagieren und welche Preisbereiche wirklich relevant sind.

Wenn Preis und Volumen zusammen ein stimmiges Bild ergeben, kann eine mögliche Zone für eine Trendfortsetzung sichtbar werden. Diese Bereiche handeln wir gezielt, immer mit klarem Risiko und fester Ausstiegslogik.

Genau hier liegt der Vorteil des Systems: Du prüfst eine nachvollziehbare Marktstruktur statt allein auf eine Markierung im Chart zu reagieren. So lassen sich Korrekturen gezielt nutzen, um bestehende Trends fortzuführen.

Historischer 4-Stunden-Chart eines Silber-Futures mit Fibonacci-Retracements, Volumenprofil und gleitenden Durchschnittslinien
Historisches Chartbeispiel. Silber-Future im 4-Stunden-Chart mit Fibonacci-Zonen, Volumenprofil und gleitenden Durchschnittslinien; keine aktuelle Handelsempfehlung.

Optionshandel: Prämien und Risiko einordnen

Bei Optionsstrategien betrachten wir unter anderem Volatilität, Trend und Fundamentaldaten. Eine Optionsprämie ist kein planbarer Gewinn: Marktbewegung, Laufzeit und Ausführung können zu Verlusten führen.

Ein Beispiel sind OptionenDer Käufer erhält gegen eine Prämie ein befristetes Recht; der Verkäufer übernimmt die vertragliche Verpflichtung. Beide Seiten tragen unterschiedliche Risiken. auf einen breiten Aktienmarkt wie den S&P 500 IndexEin Index bündelt die Entwicklung festgelegter Wertpapiere nach einer bestimmten Berechnungsmethode.. Vor einem Einstieg prüfen wir Marktbedingungen und legen Risiko und Ausstieg fest.

Bei verkauften Optionen kann der Zeitwertverfall ein Teil der Strategie sein. Eine vereinnahmte Prämie begrenzt den möglichen Verlust nicht automatisch.

Ein regelbasiertes System beschreibt, wann eine Position eröffnet, angepasst oder geschlossen wird. Auch damit können Verlustphasen auftreten.

Aktueller Stand

Im Lab of Trades ist derzeit der Opening Put im Optionsmodul Argon beschrieben. Die Verfügbarkeit und die Regeln dieses Systems stehen auf der Produktseite; die Optionsprämie ist kein garantierter Ertrag.

Aktien-Momentum-System: Stärke erkennen und Trends gezielt handeln

MomentumBeobachtung, dass Kurse eine eingeschlagene Richtung eine Zeit lang beibehalten können. Daraus folgt keine sichere Fortsetzung. ist ein zentrales, aber oft unterschätztes Konzept an den Märkten. Viele Anleger denken, dass der Aktienmarkt wie ein Supermarkt funktioniert: Man soll möglichst günstig einkaufen und auf höhere Preise warten.

Das Problem dabei ist, dass Aktien keine Verbrauchsgegenstände sind: Ihr Wert hängt nicht davon ab, ob sie billig wirken. Wer fallende Aktien kauft, hofft auf eine Trendwende, doch häufig gibt es Gründe für den niedrigen Kurs. Ein gefallener Kurs macht eine Aktie nicht automatisch attraktiv; ebenso wenig garantiert ein gestiegener Kurs weitere Gewinne.

Steigende Kurse dagegen zeigen Stärke. Genau darauf baut unser Aktien-Momentum-System auf. Es sucht gezielt nach Aktien, die sich stärker entwickeln als der Gesamtmarkt, und nutzt diese Stärke, um Trends frühzeitig zu erkennen und gezielt zu begleiten.

Mehrere Indikatoren prüfen, ob eine Bewegung zum System passt oder eher auf kurzfristiger Übertreibung beruht. Erst wenn Trend, Dynamik und Marktumfeld zusammenpassen, wird eine Aktie interessant. Auch dann kann die Bewegung enden.

Im Kern geht es darum, Marktstärke messbar zu machen und nach festen Regeln zu handeln, solange sie besteht. So entsteht ein datenbasierter Ansatz, der starke Aktien begleitet und für nachlassende Dynamik einen Ausstieg vorsieht; ein rechtzeitiger Ausstieg ist nicht garantiert.

05

Abschließende Worte

Wie Du siehst, ist Swingtrading genauso wenig halbgares Trading wie die Abkürzung zum schnellen Erfolg. Es ist ein klarer, durchdachter Weg, um Märkte zu verstehen und mit Struktur zu handeln. Wer diesen Ansatz lernt, merkt schnell, dass es nicht um ständige Aktivität geht, sondern um Vorbereitung, Geduld und saubere Ausführung.

Gerade für Berufstätige kann eine feste tägliche Routine hilfreich sein. Du planst Deine Handelsentscheidungen und prüfst Positionen in festen Zeitfenstern; Marktrisiko besteht auch dazwischen.

Mit Erfahrung kannst Du Deinen Prozess besser beurteilen und einzelne Ergebnisse sachlicher einordnen. Ob daraus langfristig ein Gewinn entsteht, hängt auch von Marktbedingungen und konsequentem Risikomanagement ab.

Damit sind wir auch schon am Ende. Ich freue mich, dass Du so weit gelesen hast, und wünsche Dir allzeit gute Trades!

Bis zum nächsten Mal,
Dein Simon

Häufige Fragen
Was ist Swingtrading?

Swingtrading ist ein Handelsansatz, bei dem Positionen über mehrere Tage oder Wochen gehalten werden. Ziel ist es, größere Marktbewegungen zu nutzen, statt kurzfristige Schwankungen zu handeln. Es geht um Struktur, Planung und klare Setups – nicht um ständige Aktivität.

Warum eignet sich Swingtrading für Berufstätige?

Weil sich der gesamte Prozess mit wenig Zeitaufwand planen lässt. Die Analyse erfolgt meist am Wochenende, die Umsetzung an Werktagen in wenigen Minuten. Damit bleibt Trading ein strukturierter Teil des Alltags, ohne ihn zu dominieren.

Wie viel Kapital und Zeit brauche ich für Swingtrading?

Für die sechs Systeme nennt TradeNeon etwa 30 Minuten tägliche Handelsroutine; während der Ausbildung kommt Lernzeit hinzu. Die Aktien-Systeme starten ab 3.000 € Kapital, die Options-Systeme ab 10.000 €. Setze nur entbehrliches Kapital ein.

Welche Rendite ist beim Swingtrading realistisch?

TradeNeon nennt 10 bis 40 Prozent durchschnittliche Jahresrendite als ambitionierten Orientierungsrahmen für gut ausgebildete Trader nach dem Lernjahr, die erprobte Systeme mit Risikomanagement konsequent umsetzen. Das ist keine Garantie; Verlustphasen sind möglich.

Welche Swingtrading-Strategien gibt es?

Mögliche Ansätze nutzen Rohstoff- und CoT-Daten, Fibonacci-Zonen, Aktien-Momentum oder Optionen. Die konkrete Eignung hängt von Markt, Kapital und Risikoprofil ab.

Was ist der Unterschied zwischen Swingtrading und Daytrading?

Swingtrading erfordert deutlich weniger Bildschirmzeit. Während Daytrader den Markt ständig beobachten, handelt der Swingtrader mit Geduld und Fokus auf Qualität. Er sucht gezielt nach Setups mit klarer Struktur und einem ausgewogenen Chance-Risiko-Verhältnis.

Swingtrading-Ausbildung
In der Swingtrading-Ausbildung lernst Du die Systeme, ihre Anwendung und das Risikomanagement mit persönlicher Begleitung.
Mehr erfahren
Simon Reichert
Simon Reichert
Swingtrading-Coach · TradeNeon
Simon Reichert ist Swingtrading-Coach bei TradeNeon. Nach einem Studium des International Business Management und Erfahrung im Finanz- und Auditbereich handelt er seit 2022 aktiv an den Märkten. Sein Fokus liegt auf Swingtrading, dem größeren Marktumfeld und Risikomanagement.