
Market Maker können Risiken aus Optionsgeschäften durch Gegengeschäfte absichern. Hier erfährst Du, warum solche Bewegungen entstehen können — und weshalb ein auffälliges Optionslevel noch keine Kursprognose ist.
Der Joker steht für die Rolle des Market Makers als mögliche Gegenpartei.Bild: TradeNeon
Den Markt beobachten.
Dealer Hedging beschreibt die laufende Absicherung von Risiken aus Optionspositionen. Ob daraus Kauf- oder Verkaufsdruck entsteht, hängt von den tatsächlichen Nettopositionen und der Marktsituation ab. Ein Optionslevel allein verrät keinen sicheren Wendepunkt.
Trends und Entwicklungen in der Trading-Branche
Die Trading-Branche ist seit jeher von Trends geprägt. In den letzten zehn Jahren haben sich diese Trends immer schneller und intensiver entwickelt. Um das Jahr 2015 herum war der Hype um CoT-Daten enorm und alle wollten traden wie Larry Williams. Danach wurde Volumen-Trading zunehmend populär und Trader suchten im Volume Profile den heiligen Gral. In den letzten Jahren dominierte der Begriff „Orderflow“ die Szene.
Im Jahr 2024 hat sich ein weiterer Begriff in den Trading-Foren etabliert: Dealer HedgingDealer Hedging ist die Absicherung von Risiken aus Optionspositionen durch einen Dealer.. Auch hier können wir Dir keine Strategie mit 100 Prozent Trefferquote bieten. Das Wissen über dieses Thema kann Dir aber helfen, mögliche Absicherungszonen im Markt einzuordnen. Daten und objektive Informationen sind nützlich, um Dir zusammen mit Deiner Erfahrung als Trader eine qualifizierte Meinung zu bilden. Den nächsten Kursverlauf sicher vorhersagen können sie nicht.
Zwei wesentliche Fragen im modernen Daytrading
Im modernen, professionellen Daytrading möchten wir immer zwei Fragen beantworten: das „Wo?“ und das „Was?“. Das „Wo“ definiert, in welchen Preisbereichen ein Trade überhaupt in Betracht kommt. Wenn der Kurs diesen Bereich erreicht, beobachten wir den Orderflow, um bestimmte Events auszuwerten. Der Markt erzählt uns eine Geschichte und die große Kunst ist es, diese richtig zu lesen und zu interpretieren. Die Kombination aus dem „Wo“ und dem „Was“ hilft uns, mögliche Handelsideen zu prüfen; ein sicherer Trade folgt daraus nicht.
Das Dealer Hedging
Wenn wir verstehen, warum Market MakerMarket Maker stellen Kauf- und Verkaufskurse und tragen so zur Liquidität eines Marktes bei. in den Optionsmärkten ihre Risiken absichern, können wir dieses Phänomen nutzen, um mögliche Preisbereiche für unsere Marktbeobachtung zu definieren. Ob Dealer dort tatsächlich handeln und ob eine Trading-Gelegenheit entsteht, lässt sich daraus allein nicht sicher ablesen. Market Maker sind institutionelle Teilnehmer, die den Märkten Liquidität zur Verfügung stellen. Ihre Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass zu jedem Kauf schnell ein Verkäufer und zu jedem Verkauf schnell ein Käufer gefunden wird.
Market Maker können Geld durch Vergütungen für bereitgestellte Liquidität und durch den Handel des Spreads verdienen. Sie kaufen beispielsweise am Bid und verkaufen am Ask, teils mit sehr schnellen Algorithmen. Solche Verfahren können zum High Frequency Trading (HFT) gehören; Market Making und HFT sind jedoch nicht dasselbe. Die dafür nötige technische Infrastruktur steht privaten Tradern in der Regel nicht in gleicher Weise zur Verfügung.
Oliver vergleicht Market Maker in seinem Dealer-Hedging-Kurs mit dem Joker im Kartenspiel. Die Metapher beschreibt ihre Rolle als mögliche Gegenpartei; sie bedeutet nicht, dass ein Dealer den nächsten Kurs frei bestimmen kann.
Was genau ist Dealer Hedging und warum ist es wichtig?
Optionsdealer müssen sich zwar schon seit Jahrzehnten auf dieselbe Weise hedgen, der Begriff Dealer Hedging hat jedoch erst in den vergangenen Jahren mit stark wachsenden Optionsmärkten zunehmend an Popularität gewonnen. Mit dem Wachstum der Optionsmärkte gewinnt auch die Dealer Hedging-Aktivität zunehmend an Relevanz.
Die Vorgehensweise der Market Maker kann die zugrunde liegenden Märkte beeinflussen. Wie stark dieser Einfluss an einem bestimmten Tag ist, hängt von den tatsächlichen Nettopositionen und der Marktliquidität ab. Aus hohem Optionsvolumen lässt sich kein fester Anteil am Umsatz des S&P 500 ableiten. Für Daytrader kann das Verständnis dieser Mechanik ein Baustein der Marktanalyse sein; eine Kursprognose folgt daraus nicht.
Die Relevanz von Optionen im Dealer Hedging
Market Maker haben die Aufgabe, Liquidität im Markt bereitzustellen. Wenn ein Trader einen Market-Verkauf tätigt, soll sich auf der Gegenseite natürlich möglichst schnell ein Limit-Käufer finden, damit der Handel effizient zustande kommt.
In Märkten mit hoher Liquidität ist das relativ unproblematisch. Schwieriger wird es bei weniger gehandelten Werten oder eben den Optionsmärkten, da diese über hunderte verschiedener Strikepreise und Ablaufdaten verfügen. Auch in diesen Märkten sind selbstverständlich Market Maker tätig und sorgen dafür, dass Du für Deinen Trade schnell und effizient eine Gegenpartei bekommst. Das Risiko aus einem solchen Trade können sie aber nicht immer sofort durch ein Gegengeschäft in derselben OptionEine Option gibt dem Käufer gegen eine Prämie ein befristetes Kauf- oder Verkaufsrecht. ausgleichen.
Wenn sich für sie keine geeignete Gegenpartei findet, behalten sie eine offene Position im Handelsbuch. Um dieses Risiko zu begrenzen, können sie ihre Position zum Beispiel durch Kauf oder Verkauf des UnderlyingsDas Underlying ist der Basiswert einer Option, zum Beispiel eine Aktie oder ein Future. der Option absichern. Das kann je nach Art der Option eine Aktie oder ein Future sein. Wie viel sie tatsächlich absichern, hängt auch von den übrigen Positionen ihres Handelsbuchs ab.
Ein Beispiel für Dealer Hedging
Nehmen wir an, Du besitzt Apple-Aktien und möchtest diese gegen fallende Preise absichern. Dafür kaufst Du Put-Optionen. Der Market Maker, der Dir diese Put-Optionen verkauft, hat nun ein direktionales Risiko: Sein Trade gewinnt, wenn die Apple Aktie im Preis steigt und er verliert, wenn Apples Kurs fällt.
Um sich abzusichern, kann er Apple-Aktien in einem zum DeltaDelta beschreibt die Empfindlichkeit des Optionspreises gegenüber einer Bewegung des Basiswerts. passenden Verhältnis zu seinem Short-Put-Trade verkaufen. Dieser Hedge-Trade gewinnt an Wert, wenn die Apple-Aktie fällt, und verliert an Wert, wenn der Kurs steigt. Der Market Maker kann so einen Teil seines Risikos ausgleichen, indem er im zugrunde liegenden Markt aktiv wird. Wie stark das den Kurs beeinflusst, hängt von seiner Nettoposition und der Marktlage ab.
Im vereinfachten Apple-Beispiel kann ein Aktienverkauf einen Teil des Risikos aus einer verkauften Put-Option ausgleichen.
Der Einfluss von Dealer Hedging
Je mehr solche Optionstrades Market Maker in ihrem Buch halten, desto mehr Risiko kann in den zugrunde liegenden Werten abzusichern sein. Viel wichtiger: Bereits offene Hedges können unter bestimmten Umständen wiederholt angepasst werden, indem weiter gekauft oder verkauft wird. Die Richtung und Größe der Anpassung hängen vom gesamten Handelsbuch ab.
Dieser aktive Einfluss auf den Kurs des Underlyings kann erheblich sein, muss es aber nicht. Hoher Umsatz in S&P-500-Optionen sagt allein nicht, wie viel die Dealer netto absichern. Entscheidend ist, welche Kauf- und Verkaufspositionen nach Verrechnung im Handelsbuch übrig bleiben und wie groß der mögliche Hedge im Verhältnis zur Liquidität des Basiswerts ist.
Dieser mögliche Einfluss zeigt, warum Daytrader sich mit dem Thema beschäftigen können. Eine vermutete Hedging-Zone ist ein Anlass, die tatsächliche Marktreaktion zu beobachten, kein Einstiegssignal für sich genommen.
Warum sich ein Hedge verändert: Delta und Gamma
Delta beschreibt die momentane Empfindlichkeit einer Option gegenüber einer Bewegung des Basiswerts. GammaGamma beschreibt, wie sich das Delta bei einer Kursbewegung des Basiswerts ändert. beschreibt, wie stark sich dieses Delta verändert. Bewegt sich der Kurs, kann der bisherige Hedge zu klein oder zu groß sein. Der Dealer passt ihn dann gegebenenfalls durch weitere Käufe oder Verkäufe an.
Die Richtung ist nicht immer gleich. Bei einer Nettoposition mit positivem Gamma kann Absicherung gegen eine Kursbewegung wirken; bei negativem Gamma kann sie mit ihr laufen. Für den möglichen Markteinfluss zählt die Nettoposition der Dealer und nicht das gesamte sichtbare Optionsvolumen.
Eine Cboe-Untersuchung zu kurzfristigen SPX-Optionen zeigt diesen Unterschied zwischen Bruttovolumen und Nettorisiko. Ihr Befund gilt für den untersuchten Markt und Zeitraum; er liefert keine pauschale Zahl für sämtliches Dealer Hedging.
Fazit Dealer Hedging
Dealer-Hedging-Aktivität kann die Märkte beeinflussen. Deshalb ist es für Daytrader sinnvoll, die Mechanik zu verstehen und mögliche Trading Locations in ihrer Marktanalyse zu berücksichtigen. Das Wissen um die Vorgehensweise von Market Makern hilft, Preisbereiche zu beobachten, in denen Absicherungsgeschäfte relevant werden könnten. Es zeigt nicht sicher, ob Dealer dort aktiv werden.
Aus öffentlich verfügbaren Optionsdaten können wir nicht von vornherein sicher wissen, bei welchem Preis Market Maker eine Aktie oder einen Future kaufen oder verkaufen. Ebenso wenig steht fest, ob dort ein Breakout oder ein Reversal wahrscheinlicher wird. Ein möglicher Hedging-Bereich erhält erst durch die beobachtete Preisreaktion und den übrigen Handelskontext Bedeutung.
Mit dem Wissen über Dealer Hedging können wir im Swing- und Daytrading mögliche Handelsideen entwickeln und mit unserem Setup prüfen. Die Richtung eines künftigen Kurses lässt sich daraus nicht zuverlässig vorhersagen. Preisbereich, Orderflow, Marktreaktion und Risikobegrenzung gehören deshalb zusammen.
Wenn Du die Mechanik selbst lernen möchtest, führt Dich der Dealer-Hedging-Kurs von den Optionsgrundlagen bis zur Berechnung möglicher Hedging-Bereiche. Level of Interest zeigt berechnete Preisbereiche im Chart; ob daraus ein Trade wird, entscheidest Du anhand Deiner eigenen Regeln und der Marktreaktion.
Ist Dealer Hedging dasselbe wie Hedging?
Dealer Hedging ist ein besonderer Fall: Ein Optionsdealer sichert Risiken aus seinem Handelsbuch ab. Hedging allgemein bezeichnet die Absicherung einer bestehenden Position.
Warum ist Gamma dabei wichtig?
Gamma zeigt, wie sich das Delta bei einer Kursbewegung verändert. Dadurch kann auch der Bedarf an Absicherung steigen oder fallen.
Kann ich aus Optionsdaten den nächsten Wendepunkt ablesen?
Nein. Daten können interessante Preisbereiche nahelegen, aber die tatsächlichen Nettopositionen und Reaktionen sind nicht vollständig sichtbar. Ein Bereich muss im Markt geprüft werden.
Was ist der Unterschied zwischen Kurs und Software?
Der Dealer-Hedging-Kurs erklärt die Mechanik und Berechnung. Level of Interest zeigt berechnete Bereiche im Chart. Beides sind Hilfen für Analyse und Lernen, keine Handelssignale.

