
Wer an Daytrading denkt, denkt meist an Futures: kaufen, einen Stop setzen, auf den Kursverlauf spekulieren. Daneben gibt es mit dem Verkauf von Optionen eine zweite Möglichkeit, die sich bei Chance-Risiko-Verhältnis, Trefferquote und Zeitaufwand anders verhält. Dieser Artikel vergleicht beide Instrumente, begleitet einen aufgezeichneten Trade und benennt die Kehrseite deutlich.
Derselbe Einstieg, zwei Instrumente: das eine braucht ein genaues Ziel, das andere verzeiht mehr.Bild: TradeNeon
zwei Wege, ihn zu handeln.
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Im Future gibst Du dem Trade einen Stop und strebst ein gutes Chance-Risiko-Verhältnis an; mit einer verkauften Option nimmst Du eine Prämie ein, spekulierst darauf, dass der Kurs einen Preis nicht erreicht oder nicht weit gegen Dich läuft, und profitierst vom Zeitwertverfall. Das kann zu einer höheren Trefferquote führen und verzeiht mehr Fehler im Einstieg; ob das gelingt, hängt von Strike, Laufzeit und Risikomanagement ab, und die Prämie ist die Vergütung für eine Pflicht und ein Risiko, kein Nachweis eines profitablen Systems. Der Gewinn ist auf die Prämie begrenzt, das Verlustrisiko des Stillhalters tendenziell größer als dieser Gewinn, bei einem ungedeckt verkauften Call theoretisch unbegrenzt, und das Instrument verlangt Verständnis und Absicherung.
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Zwei Ideen vom Trading
Worin sich Futures und Optionen für den Daytrader unterscheiden und was für wen geeignet ist, entscheidet sich am Alltag. Die meisten haben vom Trading dieses Bild im Kopf: günstig kaufen und teurer verkaufen, oder umgekehrt teuer leer verkaufen und günstiger zurückkaufen. Das ist die konventionelle Idee, direktional auf den Kursverlauf eines Marktes zu spekulieren. Daneben gibt es mit der Option ein Instrument, das gerade für private Trader interessante Möglichkeiten eröffnet und den Alltag erleichtern kann.
Eine Warnung gehört dazu. „Die Option ist ein komplexes Handelsinstrument, und ich bin ein großer Fan davon, dass man nur handeln sollte, was man auch wirklich verstanden hat, und nicht nur grob verstanden hat, sondern wirklich weiß, was man da eigentlich tut“, sagt Oliver Sparing. Du musst nicht tief in die Materie einsteigen, solltest aber wissen, was ein Put ist, was ein Call ist, welche Rechte der Käufer und welche Pflichten der Verkäufer hat und wie sich das Verhältnis zum aktuellen Kurs (am Geld, im Geld, aus dem Geld) auswirkt. Das ist erlernbar, aber komplexer als der Kauf einer Aktie.
Die Option als Versicherungsgeschäft
Die Grundidee lässt sich mit einer Krankenversicherung vergleichen. Du zahlst der Versicherung jeden Monat eine Prämie, die Du nicht zurückbekommst, und erwirbst dafür ein Recht, das Du im Ernstfall in Anspruch nehmen kannst, aber nicht musst. Die Versicherung muss ihre Prämien so kalkulieren, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit mit Gewinn arbeitet. Wären sie zu niedrig, wäre sie schnell pleite.
Bei Optionen gibt es eine ähnliche Konstellation. Der Käufer erwirbt ein Recht, der StillhalterDer Verkäufer einer Option. Er übernimmt die Pflicht, falls der Käufer sein Recht in Anspruch nimmt., also der Verkäufer, geht dafür eine Pflicht ein. Wie das aussieht, hängt von der Optionsart ab. Bei einer Call-OptionDas Recht, das Underlying zu einem vereinbarten Preis innerhalb einer Laufzeit zu kaufen. Bei Indexoptionen wie auf den SPX besteht stattdessen ein Anspruch auf Barausgleich. auf eine Aktie oder einen Future hat der Käufer das Recht, das Underlying zu einem vereinbarten Preis zu kaufen, bei einer Put-OptionDas Recht, das Underlying zu einem vereinbarten Preis innerhalb einer Laufzeit zu verkaufen. Bei Indexoptionen wie auf den SPX besteht stattdessen ein Anspruch auf Barausgleich. das Recht, es zu einem vereinbarten Preis zu verkaufen; der Stillhalter muss dann liefern bzw. abnehmen. Bei Indexoptionen wie auf den SPX wird nichts geliefert, sondern in Geld ausgeglichen: Der Käufer erhält den Betrag, um den der Index bei Verfall über (Call) bzw. unter (Put) dem vereinbarten Preis liegt. Die PrämieDer Preis der Option. Der Käufer zahlt sie beim Kauf und kann die Option vor dem Verfall wieder verkaufen, dann erhält er ihren aktuellen Preis. Der Stillhalter bekommt sie beim Verkauf gutgeschrieben; ganz behält er sie, wenn die Option wertlos verfällt oder er sie nicht teurer zurückkauft. zahlt der Käufer beim Kauf. Vor dem Verfall kann er die Option wieder verkaufen und bekommt dann ihren aktuellen Preis. Steigt der Kurs bei einem Call sehr weit, kann der Käufer einen großen Gewinn machen, und der Stillhalter hat im schlimmsten Fall ein unkalkulierbares Risiko. Sein maximaler Gewinn ist dagegen auf die Prämie begrenzt.
Daraus lässt sich einen statistischen VorteilOlivers Begriff für die Annahme, dass Optionsprämien den Verkäufer im Schnitt für sein Risiko entschädigen. Das ist kein eingebauter Gewinn: Das Ergebnis hängt von Strike, Laufzeit und Risikomanagement ab. für den Verkäufer ableiten: Wie bei der Versicherung muss die Prämie so bemessen sein, dass der Verkäufer für die Pflicht und das Risiko entschädigt wird, sonst fände sich niemand, der Optionen verkauft. Das ist ein Argument, kein Beleg: Die Prämie ist die Vergütung für eine Pflicht und ein Risiko, kein Nachweis eines profitablen Systems. Ob ein Verkäufer auf Dauer verdient, hängt unter anderem von Strike, Laufzeit, Positionsgröße und Risikomanagement ab. Wie die Rolle des Stillhalters und die Absicherung im Detail funktionieren, ist im ATAS-Webinar ausführlicher erklärt, das wir in diesem Artikel beschreiben: Zero-DTE-Optionen im Daytrading. Hier geht es um den Vergleich mit dem Future und um den Alltag des Traders.
Diskretionär oder statistisch handeln
Im direktionalen Handel wie im Optionshandel lassen sich zwei Arten zu handeln unterscheiden. Diskretionäres TradingHandeln nach der eigenen Einschätzung des Marktes, zum Beispiel aus dem Orderbuch heraus. heißt: Du schaust, was im Orderbuch passiert, interpretierst den Markt, bildest Dir eine Meinung und gehst auf dieser Basis in den Trade. Statistisches TradingHandeln nach festen, klaren Regeln: Treten bestimmte Bedingungen ein, wird in einer festgelegten Weise gehandelt. basiert auf festen, klaren Regelwerken: Wenn A, B und C passieren, mache ich D.
Statistisches Trading war vor zehn bis zwanzig Jahren auch im Retailbereich noch der Standard. Strategien wie das Kreuzen zweier gleitender Durchschnitte haben damals funktioniert, auch im Intraday. Mit solchen schlichten Regeln allein lässt sich heute kaum noch arbeiten: Wer statistisch handeln will, muss deutlich komplexer denken. Es gibt weiterhin Strategien, die rein regelbasiert funktionieren, sie sind aber nicht mehr so leicht zu finden wie früher.
Im Optionshandel sind die klassischen Strategien statistisch: Sie setzen darauf, dass die Prämie den Verkäufer im Schnitt für sein Risiko entschädigt. Das Regelwerk kann zum Beispiel lauten, jeden Tag zur Eröffnung der US-Börse eine Put-Option zu einem festgelegten Strike zu verkaufen. Zwischendurch gibt es Verlierer; ob sich der Vorteil auf lange Sicht zeigt, hängt von Strike, Laufzeit, Positionsgröße und Risikomanagement ab. Auf diese Art Optionshandel stößt, wer sich schon mit dem Thema beschäftigt hat. Weniger bekannt ist, dass man Optionen auch diskretionär einsetzen kann: Du nimmst Deine Einstiege aus dem Orderbuch, etwa aus der HeatmapDie Heatmap zeigt das Orderbuch über die Zeit: wo Limit-Orders lagen und wie groß sie waren., und setzt sie mit einer Option statt mit dem Future um. Das bringt den einen oder anderen kleinen Nachteil mit sich, aber eine Reihe von Vorteilen.
Der Alltag im Daytrading: Zeit, Trefferquote und Chance-Risiko-Verhältnis
Viele Trader sind berufstätig, haben Familie und können nicht jeden Tag sechs Stunden am Markt sitzen. Trotzdem soll Daytrading einen Mehrwert im Leben bieten, in erster Linie einen finanziellen, aber auch eine Tätigkeit, die Spaß macht. Der klassische diskretionäre Orderbuchhandel ist ein Weg mit langer Lernphase: Er ist selten in wenigen Monaten gelernt und verbindet sich mit viel Erfahrung. Dazu kommt, dass jeder den Handelsstil finden muss, der zu ihm passt. Viele Wege führen nach Rom, es gibt nicht die eine richtige Strategie.
Dann kommt die Frage, an der sich viele abarbeiten: Chance-Risiko-VerhältnisDas Verhältnis aus dem möglichen Gewinn und dem möglichen Verlust eines Trades (CRV). oder Trefferquote? Im Internet liest man oft, das CRV sei alles. Das ist nicht ganz falsch, denn es ist ein wichtiger Faktor. Es ist aber nur einer von vier Faktoren des RisikoquadrantDie vier Faktoren Chance-Risiko-Verhältnis, Trefferquote, Risiko pro Trade und Trading-Frequenz, die sich gegenseitig beeinflussen.en: Chance-Risiko-Verhältnis, Trefferquote, Risiko pro Trade und Trading-Frequenz. Sie beeinflussen sich gegenseitig, vor allem Trefferquote und CRV. Wer eine Strategie mit höherer Trefferquote wählt, muss unterm Strich in der Regel ein schlechteres CRV akzeptieren, und umgekehrt.
Wie weit das gehen kann, zeigt eine Erfahrung aus London: Oliver Sparing hat dort auf einem Prop-Trading-Floor Händler kennengelernt, die mit sehr niedriger Trefferquote und sehr hohem CRV arbeiten. „Das ist niemals etwas, das ich meinen Kunden beibringen könnte oder würde. Die würden alle am Rad drehen, das schließt mich selbst übrigens mit ein“, sagt er. Wer nur einen Trade am Tag macht und sehr selten gewinnt, kann einen ganzen Monat ohne Gewinntrade durchtraden. Irgendwann setzt Frust ein, die Motivation leidet, und man hört auf. Die Trefferquote ist deshalb keineswegs unwichtig. Sinnvoll ist eine Strategie, die sich auf einem gesunden Mittelmaß zwischen CRV und Trefferquote einpendelt.
Auch mit einer solchen Strategie kann es passieren, dass Du fünf Tage die Woche am Rechner sitzt, in Deinem Handelsfenster auf das eine gute Setup wartest und trotzdem an jedem Tag mit einer roten Zahl herausgehst. Das ist nicht ungewöhnlich, ein erfahrener Trader kann damit umgehen. Wichtig ist, was am Monatsende und erst recht am Jahresende unterm Strich steht. Es gibt eine andere Herangehensweise, die beide Welten verbinden soll und im Alltag angenehmer sein kann, für das Portemonnaie wie für die Psyche: Trades nicht direktional im Future einzugehen, sondern über den Verkauf von Optionen. Die Trefferquote fällt dabei häufig deutlich höher aus.
Beispiel am Chart: Stop im Future oder verkaufte Put-Option
Am 5-Minuten-Chart des ES, des E-mini-Futures auf den S&P 500, lässt sich die Grundidee zeigen, bewusst ohne dass es eine echte Handelsgelegenheit ist. Der Markt kommt in eine Zone mit institutionellem Handelsinteresse, bildet eine Umkehrkerze und steigt wieder. Du steigst long ein. Der Stop gehört sinnvollerweise unter das letzte Tief, das erste Ziel an den Preis, an dem der Markt schon mehrfach abgeprallt ist. Damit hast Du ein klar definiertes Risiko und ein Chance-Risiko-Verhältnis von etwa 1,5.
Jetzt passiert, was jeder Trader kennt: Der Markt schaut kurz unter das Tief, holt sich Deinen Stop und steigt dann doch. Bei jedem Trade lohnt die Frage, wie weit er gegen Dich laufen darf, bis Du Dir eingestehen musst, dass Du Dich geirrt hast. Bildet der Markt unter dem Tief Volumen und bricht aus, ist die Idee widerlegt, und Du verlässt den Trade. War es nur ein kurzer Abstecher, bleibt die Frage, ob das wirklich der Moment war, in dem Du Dich geirrt hast. Aus Sicht des Risikomanagements im direktionalen Handel gehört der Stop trotzdem dorthin, und er muss so klein wie möglich sein, um ein gutes CRV zu erreichen.
Bei der Option sieht die Herangehensweise anders aus. Statt den Future zu kaufen, verkaufst Du weiter unten eine Put-Option auf den Future. Du bist Stillhalter und nimmst eine Prämie ein, die Dir beim Verkauf gutgeschrieben wird. Dafür räumst Du dem Käufer das Recht ein, Dir den Future bis zum Ablauf zu diesem Preis, dem StrikeDer Preis, auf den sich das Recht der Option bezieht., zu verkaufen. Im gedachten Szenario steht der Markt bei 6.052 Punkten, der Strike liegt bei 6.040. Solange der Markt über dem Strike bleibt und der Put bei Ablauf wertlos ist, hat der Käufer keinen Grund, sein Recht zu nutzen: Er kann am Markt zu einem höheren Preis verkaufen. Die Option verfällt, und Du behältst die ganze Prämie. Das gilt auch dann, wenn Deine Einschätzung falsch war und der Markt nicht gestiegen ist.

Du spekulierst also nicht darauf, dass der Kurs von Deinem Einstieg aus steigt, sondern darauf, dass er bis zum Ablauf nicht bis zum Strike fällt. Dafür müsste der Markt sehr weit laufen, um Dich überhaupt in Bedrängnis zu bringen. Das ist eine völlig andere Idee, als den idealen Zeitpunkt zu erwischen, um möglichst schnell Gewinne zu erzielen. Die Gegenseite des Trades muss dabei nicht zwangsläufig ein Verlierer sein: Auf beiden Seiten eines Trades können Gewinner sitzen, weil man die Absicht des anderen nicht kennt.
Der große Nachteil: Der Gewinn ist auf die Prämie begrenzt. Läuft der Markt explosionsartig in Deine Richtung, hätte ein direktionaler Trade deutlich mehr gebracht, und das ärgert einen unerfahrenen Trader. Dem steht gegenüber: Wer weiß, was er tut, wie und wo er Optionen verkauft und mit welcher Laufzeit, kann eine deutlich höhere Trefferquote und einen im Alltag angenehmeren Handel erleben. „Du bist auf die Prämie beschnitten, aber Du holst das mit den Trefferquoten wieder raus und hast eine sehr viel angenehmere, entspanntere Zeit im Alltag“, sagt Oliver Sparing. Der Einstieg verzeiht dann oft mehr: Der Markt darf leicht gegen Dich laufen, und Du gehst trotzdem als Gewinner aus dem Trade. Ein direktionaler Trade dagegen darf das Stop-Level nicht erreichen und muss möglichst sofort in Deine Richtung laufen. Beides, Trefferquote und Nachsicht, hängt allerdings von Strike, Laufzeit und Risikomanagement ab. Der Preis dafür steht oben: ein Gewinn, der nie größer als die Prämie wird, und ein Verlust, der es sehr wohl werden kann.
Die folgende Tabelle fasst den Vergleich zusammen. Sie bezieht sich auf verkaufte Optionen, nicht auf Optionen im Allgemeinen:
| Kriterium | Direktionaler Future-Trade | Verkaufte Put- oder Call-Option |
|---|---|---|
| Markterwartung | Der Kurs muss in Deine Richtung laufen. | Der Kurs soll bis zum Verfall den Strike nicht erreichen, also nicht weit gegen Dich laufen. |
| Gewinnbegrenzung | Der Gewinn ist nicht durch das Instrument begrenzt. | Der Gewinn liegt höchstens bei der eingenommenen Prämie. |
| Verlustprofil | Der Verlust ist durch den Stop begrenzt, solange er ausgeführt wird; Kurslücken sind möglich. | Der Verlust ist tendenziell größer als die Prämie, auch mit Spread. Beim ungedeckten Call ist er theoretisch unbegrenzt, beim ungedeckten Put reicht er bis zum Fall des Kurses auf null. |
| Zeitwirkung | Zeit allein bringt weder Gewinn noch Verlust. | Der Zeitwertverfall arbeitet für den Verkäufer, doch Kurs und implizite Volatilität wirken ebenfalls auf den Preis. |
| Rolle des Stops | Der Stop liegt eng unter oder über dem Einstieg und ist Kern des Chance-Risiko-Verhältnisses. | Die Position gibt mehr Raum, ersetzt aber keinen Ausstiegsplan: Stops, Spreads und händisches Schließen gehören dazu. |
Ein aufgezeichneter Bear Call Spread im S&P 500
Als Beispiel dient ein eigener Trade von Oliver Sparing aus den Tagen vor dem Webinar, bewusst einer, der nicht so aufgegangen ist wie erhofft. Auf dem Bildschirm sieht man den 5-Minuten-Chart, den Footprint-Chart, die Heatmap und einen Ausschnitt der Handelsplattform mit der Position. Der Trade lief auf dem SPX, dem S&P-500-Index, dessen Optionen in Geld abgerechnet werden: Es wird kein Future geliefert. Die Chartanalyse stammt aus dem ES-Future; beim Einstieg stand der ES bei etwa 6.080 Punkten.
Kurz nach der Eröffnung der US-Session befindet sich der Markt nach einer Abwärtsbewegung in einer Zone, in der die Market Maker an den Optionsmärkten nach der Analyse hinter dem Trade offene Absicherungen anpassen müssen. Sie verkaufen dafür vornehmlich das Underlying und drücken den Markt tendenziell nach unten. Deshalb wird in dieser Zone eher nach Short-Einstiegen gesucht.
Der Einstieg erfolgt mit einem Bear Call Spread. Laut Plattformzeile (SPX Jan29 6105/6140) wurde ein Call mit Strike 6.105 verkauft und zur Absicherung ein Call bei 6.140 gekauft; Verfall ist der 29. Januar 2025. Der Käufer des verkauften Calls hat Anspruch auf den Betrag, um den der SPX bei Verfall über 6.105 liegt, ausgeglichen in Geld. Steht der Index am Ende darunter, verfällt dieses Recht wertlos. Eingenommen wurden 141,80 $ Prämie nach Gebühren, das ist zugleich der maximale Gewinn. Rechnerisch liegt das maximale Risiko des Spreads bei 35 Punkten × 100 $ − 141,80 $ = 3.358,20 $, also bei gut dem 23-Fachen der Prämie. Das zeigt, dass das Verlustrisiko des Stillhalters auch mit Spread größer ist als der mögliche Gewinn. Die Software zeigt laufend, wie weit der Trade im Plus oder Minus liegt, im Verhältnis zur eingenommenen Prämie.
Im Zeitraffer läuft das Beispiel so ab. Zuerst geht der Markt kurz in die gewünschte Richtung, dann gegen die Position. Mit einem direktionalen Trade und einem Stop über dem letzten Hoch wäre er ausgestoppt worden, obwohl der Markt weiter im Abwärtstrend, in der Zone und unter dem VWAP stand und die Idee unverändert war. Mit dem Spread liegt der Trade nur leicht im Minus. Das lässt Zeit, abzuwarten und zu beurteilen, wo der Markt maximal hinlaufen darf, bevor die Trade-Idee nicht mehr intakt ist.

Der Markt läuft dann an den Rand der Zone und an den VWAP, der Widerstand hält, der Markt lehnt den Bereich ab und fällt zurück. Wäre er darübergekommen und hätte sich stabilisiert, wäre der Trade an dieser Stelle geschlossen worden, um das Risiko zu begrenzen. Der Verlust hätte dann voraussichtlich noch unter 60 bis 70 % der Prämie gelegen. Stattdessen fällt der Markt wieder, und die Position steht beim ES um 6.080 Punkte im Plus, auf demselben Kursniveau, auf dem sie vorher noch im Minus stand.

Ein Grund ist der ZeitwertDer Teil des Optionspreises, der mit näher rückendem Verfall abnimmt. Das arbeitet für den Verkäufer; Kursbewegung und implizite Volatilität wirken aber ebenfalls auf den Preis und können den Effekt aufheben.: Er nimmt mit der Zeit ab, und das arbeitet für den Verkäufer. Für diesen Trade verringerte sich die Chance, noch zum Verlierer zu werden, mit jeder Minute. Das gilt für dieses eine Beispiel, nicht als Gesetz: Kursbewegung und implizite Volatilität wirken ebenfalls auf den Optionspreis und können den Zeitwerteffekt aufheben. Bewegte sich der Kurs gar nicht, würde ein direktionaler Trade weder gewinnen noch verlieren, die verkaufte Option dagegen durch den Zeitwertverfall im Wert steigen.
Später kommt der Ausbruch, auf den gewartet wurde, der sich aber als falscher Ausbruch herausstellt. Der Markt reagiert am Level, Käufer kommen zurück. Damit ist die Trade-Idee nicht mehr intakt, und die Position wird geschlossen: mit 31 % der Prämie im Plus, 44 $, während der ES wieder bei etwa 6.080 steht, also auf dem Niveau des Einstiegs. Der Trade endet im Plus, obwohl die ursprüngliche Idee aus direktionaler Sicht die meiste Zeit nicht aufging, und er stand nie unter großem Druck. Der Wert des Beispiels liegt nicht im Gewinn, sondern darin, wie sich ein Trade verhält, der nicht sofort das tut, womit man gerechnet hat. Oliver Sparing fasst es so zusammen: „Es ist angenehmer, es verzeiht mehr, es gibt Dir mehr Raum, mehr Zeit zum Überlegen, zum Nachdenken und zum Schauen, was der Markt Dir gerade zeigt und wie Du darauf reagieren möchtest.“ Es bleibt ein einzelnes historisches Beispiel. Hätte der Markt weiter gegen die Position gedrückt, wäre ein Ausstieg nötig gewesen, und das Risiko lag, wie oben gerechnet, deutlich über der Prämie.
Zero-DTE-Optionen im Gespräch
Der Zeitwertverfall der Short-Position lässt sich nutzen, um kleinere Ausschläge in die falsche Richtung auszuhalten. Möglich ist das in dieser Form noch nicht lange: Seit 2022 gibt es Zero-DTE-OptionenOptionen mit null Tagen bis zum Verfall: Sie verfallen noch am Tag des Handels., die täglich verfallen. Oliver Sparing handelt parallel klassisch statistische Zero-DTE-Optionen nach festem Regelwerk und macht inzwischen außerdem einen großen Teil seiner Trades mit Zero-DTE-Optionen. Das ergab sich eher durch Zufall: Er führte seine konventionellen Futures-Trades zum Vergleich statistisch mit Zero-DTE-Optionen mit und handelte irgendwann beides parallel. Bei den Zero-DTE-Optionen ist er geblieben, weil es für ihn so angenehm ist, gerade für Berufstätige, obwohl er mit den Futures mehr Geld verdient hat.
Ein Unterschied zum Future: Bei der Option ist der Gewinn von vornherein begrenzt, beim Future kann er theoretisch unbegrenzt steigen. Dafür gibt es im Future die Ausstopper an wichtigen Punkten wie runden Zahlen im Chart, etwa wenn der Markt erst ausbricht, dann zurückkommt und den Stop nimmt und danach die typische Bewegung läuft. Bei der Option lässt sich ein solcher Ausschlag leichter aushalten, solange die Position nicht zu weit ins Minus läuft. Da Du laufend siehst, wie sich die Position entwickelt, kannst Du außerdem jederzeit die Reißleine ziehen und Dich auch mit einem kleineren Gewinn zufriedengeben, statt auf die ganze Prämie zu warten.
Die Kehrseite: Risiko und Absicherung
Das will gelernt sein, und es setzt Erfahrung voraus, gerade wenn es gegen Dich läuft. Bei Stillhaltergeschäften hast Du tendenziell immer ein größeres Verlustrisiko, als Du potenziell an Gewinn einnehmen kannst, auch wenn Du Dich über einen Spread absicherst. Du musst deshalb objektiv bleiben. Kommt der Markt in einen Bereich, in dem der Trade keinen Sinn mehr macht, nimmst Du ihn händisch heraus und denkst: Nächstes Mal klappt es besser.
Der Klassiker ist, darauf zu hoffen, dass der Markt doch noch in Deine Richtung kommt. Dann kann aus einem Trade, bei dem Du eine Prämie eingenommen hast, ein Verlust werden, der ein Vielfaches der Prämie ausmacht und der erst wieder zurückverdient werden muss. Das ist die Kehrseite der Sache: Du musst ehrlich bleiben, nach dem handeln, was der Markt Dir zeigt, und Dich mit Stops und Spreads vernünftig absichern. Das gehört im Optionshandel dazu.
Bei Zero-DTE-Optionen wirkt der Zeitwertverfall zwar noch schneller, das wird aber dadurch relativiert, dass Du mit der Richtung trotzdem richtig liegen musst. Wer einen Call verkauft hat und darauf rechnet, dass er wertlos verfällt, kann sich irren: Steigt der Markt, kann er unbegrenzt steigen. Das gehört auf den Schirm, um rechtzeitig die Reißleine zu ziehen. Darin liegt ein Stück der Kunst.
Was Du aus dem Webinar mitnehmen kannst
- Futures und Optionen setzen an verschiedenen Stellen an. Der Future lebt von Stop und Chance-Risiko-Verhältnis, die verkaufte Option von der Prämie, dem Zeitwert und einer tendenziell höheren Trefferquote. Die Prämie vergütet eine Pflicht und ein Risiko; sie ist kein Nachweis eines profitablen Systems.
- Die verkaufte Option lässt dem Einstieg oft mehr Raum. Ein Trade kann zeitweise gegen Dich laufen und trotzdem im Plus enden, weil der Zeitwert abnimmt. Wie viel Raum bleibt, hängt von Strike, Laufzeit und Risikomanagement ab, und Kursbewegung und Volatilität wirken ebenfalls auf den Preis. Dafür ist der Gewinn auf die Prämie begrenzt.
- Das Verlustrisiko des Stillhalters ist größer als sein möglicher Gewinn. Auch mit Spread bleibt es so: Im aufgezeichneten Beispiel lag das maximale Risiko rechnerisch bei gut dem 23-Fachen der Prämie. Ein Trade, bei dem Du eine Prämie eingenommen hast, kann mit einem Vielfachen davon im Minus enden, wenn Du nicht rechtzeitig aussteigst. Stops und Spreads gehören dazu.
- Handle nur, was Du verstanden hast. Die Option ist ein komplexes Instrument. Finde den Handelsstil, der zu Dir, Deiner Zeit und Deinem Kapital passt.
„Du musst schon immer objektiv bleiben und sagen: Wenn der Markt in einen Bereich kommt, wo ich sage, okay, hier macht mein Trade keinen Sinn mehr, dann muss ich den wirklich auch händisch rausnehmen.“
Oliver Sparing im WH-SelfInvest-Webinar
Über das Webinar
Das Webinar lief im Rahmen der Webinar-Reihe von WH SelfInvest und ist auf dem YouTube-Kanal von WH SelfInvest Deutschland veröffentlicht. Moderiert hat Stefan Fröhlich von WH SelfInvest. WH SelfInvest ist ein Broker. Oliver ist dort regelmäßig zu Gast; alle Auftritte findest Du auf unserer Seite Zu Gast bei.
Hinweis: Das Webinar dient ausschließlich Bildungszwecken und ist keine Anlageberatung. Der Handel mit Futures und Optionen ist mit hohen Risiken verbunden, und jeder handelt auf eigenes Risiko. Das Video ist eine Aufzeichnung aus dem Jahr 2025. Was darin als künftig angekündigt wird, kann heute anders aussehen; Marken-, Firmen- und Produktnamen sowie Hinweise zu Ausbildungen und Kontaktmöglichkeiten entsprechen dem damaligen Stand.
Worin unterscheiden sich Futures und Optionen im Daytrading?
Beim Future spekulierst Du direktional auf den Kursverlauf, schützt Dich mit einem Stop und strebst ein gutes Chance-Risiko-Verhältnis an. Bei der verkauften Option nimmst Du eine Prämie ein und spekulierst darauf, dass der Kurs einen Preis nicht mehr erreicht. Das kann zu einer höheren Trefferquote führen und verzeiht mehr Fehler im Einstieg; ob das gelingt, hängt von Strike, Laufzeit und Risikomanagement ab. Der Gewinn bleibt auf die Prämie begrenzt.
Was ist beim Verkauf von Optionen der Nachteil?
Der Gewinn ist von vornherein auf die Prämie begrenzt, das Verlustrisiko des Stillhalters ist dagegen tendenziell größer als dieser Gewinn: bei einem ungedeckten Call theoretisch unbegrenzt, bei einem ungedeckten Put bis zum Fall des Kurses auf null. Auch mit Spread bleibt das Risiko größer als der mögliche Gewinn; im aufgezeichneten Beispiel lag es rechnerisch bei gut dem 23-Fachen der Prämie. Dazu kommt, dass die Option ein komplexes Instrument ist, das Du verstanden haben musst.
Warum kann ein Optionstrade im Plus enden, obwohl der Markt zeitweise gegen die Position läuft?
Mit der Zeit nimmt der Zeitwert der verkauften Option ab, und das arbeitet für den Verkäufer. Läuft der Kurs seitwärts, würde ein direktionaler Trade weder gewinnen noch verlieren, die verkaufte Option gewinnt durch den Zeitwert. Kursbewegung und implizite Volatilität wirken aber ebenfalls auf den Optionspreis und können den Effekt aufheben. Im aufgezeichneten Bear Call Spread auf den SPX lag die Position zeitweise leicht im Minus (−15 $), wo ein enger Stop im Future schon ausgelöst hätte, und ging später ins Plus. Das ist ein einzelnes historisches Beispiel, kein typisches Ergebnis.
Wie sichert man verkaufte Optionen ab?
Stops und Spreads gehören im Optionshandel dazu. Außerdem gilt es, objektiv zu bleiben und einen Trade händisch zu beenden, wenn die Trade-Idee nicht mehr stimmt, statt darauf zu hoffen, dass der Markt doch noch dreht.
